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Streicheleinheiten für bedrohte Tiere

Haustierpark Streicheleinheiten für bedrohte Tiere

Staus, Parkplatz-Probleme und Warteschlangen vor den Kassen: Die Schau "Haustierpark" im Botanischen Garten strebt am Sonntag einem Besucherrekord entgegen.

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Ein wenig Zärtlichkeit für den Poitou-Esel: So wie dieses Tier waren Dutzende bedrohter Pferde-, Rinder-, Gänse-, Schaf- und Ziegenrassen während der Ausstellung „Haustierpark“ im Neuen Botanischen Garten zu sehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mary-Lynn und Lady Luise könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier das 80 cm große Mini­shetland-Pferd, dort das 1,85 m große Shire Horse. Der Riese als muskulöses Landwirtschafts-Tier und der Zwerg als Kutschen-Zug. Doch trotz aller körperlicher Unterschiede teilen das Ritterpferd und das Mini-Shettie ein Schicksal: Das Überleben ihrer Rasse ist gefährdet, sie sind vom Aus-sterben bedroht.

So, wie alle 350 Pferde, Schafe, Rinder und Co., die gestern während der Ausstellung „Haustierpark“ im Botanischen Garten auf den Lahnbergen zu sehen waren. „Der Wandel in der Landwirtschaft gefährdet viele Arten. Was einst Pferde oder Ochsen erledigten, erledigen nun Traktoren, Maschinen“, sagt Arno Niekamp, Organisator und Vorsitzender des Fördervereins Haustierschutzpark. Arbeitskraft, Fleisch, Wolle: Die alten Rassen dienten vielen Zwecken, doch heute spezialisieren sich Betriebe, setzen nur noch auf eine Sparte, um Gewinne zu erwirtschaften.

Tausende Besucher strömten am Sonntag in den Botanischen Garten auf die Marburger Lahnberge. Zu sehen gab es dort bedrohte Nutztiere.

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„Diese Zahl und Vielfalt an Altrassen gibt es in keinem Zoo Deutschlands“, sagt Niekamp. 112 Aussteller, mehr als die Hälfte aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, zeigen ihre Exoten. „Oberlehrerhaft etwas über Merkmale der Rassen erzählen wollen wir nicht. Das interessiert niemanden. Die Schönheit und Vielfalt der Tiere zu präsentieren ist das Entscheidende“, ergänzt er. Haustierpark - das Anliegen des Vereins ist es, einen Schutzraum für bedrohte Arten einzurichten. Für einen Tag gelang das.

Vor einem Stall riss die Warteschlange kaum ab. Über die Skudden, kleine Heideschafe aus dem Baltikum, gezeigt von Katja und Burkhard Freiling aus Wollmar, wollen Hunderte Besucher etwas wissen. „Sie sind nicht wirtschaftlich und deshalb vom Aussterben bedroht“, sagt Katja Freiling. Etwa zwölf Kilogramm Fleisch bringe das Schlachten eines 50 Kilogramm schweren Tieres. Für viele Bauern zu wenig, um damit genug Geld zu verdienen. „Dabei ist das Top-Fleisch, es ist wie gutes Wildbret“, ergänzt Ehemann Burkhard Freiling. Gerade für Leute mit Cholesterinproblemen zu empfehlen.

Von Spinnereien und Skuddenwolle

70 Skudden hält die Familie im Nordkreis. Sie fingen als Laien mit Aufzucht und Haltung an, mittlerweile sind sie Experten. Vor allem die weiche, weiße Wolle hat es vielen Besuchern angetan. Sie zupfen an einem Ausstellungsstück herum. Die Kommentare: „Sehr flauschig“, „ist ja kuschelig“. Prompt wurden die Wollmaraner zum Ratgeberpärchen. Sie gaben Tipps, wo Spinnereien zu finden sind, um Skuddenwolle bestmöglich zu verarbeiten.

Das Konzept des Vereins und von Co-Organisator Marburger Bürgerliste zieht die Massen an: Rund 10000 Besucher schlenderten im Laufe von sieben Stunden durch den Neuen Botanischen Garten.

von Björn Wisker

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