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Strategien für die Heuschnupfenzeit

Die Pollen fliegen Strategien für die Heuschnupfenzeit

Tapfer aushalten, den Pollen aus dem Weg gehen, einen Termin beim Allergologen ausmachen oder sich mit Medikamenten über Wasser halten: In der Heuschnupfen-Hauptsaison hat jeder Allergiker seine eigene Strategie.

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Im Frühling bricht die Leidenszeit für Heuschnupfen-Patienten an. Ihre Schleimhäute reagieren mit erkältungsähnlichen Symptomen auf die Pollen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dr. Wolfgang Schürmann sieht Heuschnupfen-Patienten in seiner Praxis oft erst, wenn die Allergie sich erheblich verschlimmert hat, wenn zu geröteten, juckenden Augen und einer Triefnase auch noch Asthma hinzukommt. „Manche
Menschen leiden seit ihrer Kindheit an Allergien und kommen doch erst, wenn sie bereits ein hohes Alter erreicht haben“, berichtet der Marburger Allergologe gegenüber der OP.

Dabei ist das Alter des Patienten für die Behandlung durchaus von Bedeutung – ebenso wie die Dauer der Allergieerkrankung, sagt der Lungenarzt. „Bei Kindern wartet man eher erst noch mal ab und schaut, ob die Allergie sich auswächst, bei Jugendlichen wird man, je nach Krankheitsgeschichte, eine Hyposensibilisierung versuchen“, erläutert Schürmann und führt aus, dass der Behandlungserfolg mitunter größer ist, wenn Patienten die Allergie nicht schon seit Jahrzehnten mit sich herumschleppen.

Manche Allergien kommen erst später oder gehen wieder weg

Aber feste Regeln gibt es da nicht – bei jedem Patienten ist der Allergieverlauf anders, manchmal kommt die Erkrankung und geht auch wieder. „Bei Frauen geht dies häufig mit hormonellen Umstellungen im Körper einher, beispielsweise bei einer Schwangerschaft oder wenn die Menopause eintritt“, sagt der Arzt. Wer Glück hat, verliert seine Allergie dann, wer Pech hat, bekommt erst eine.

Welche Behandlung und welchen Umgang mit der Allergie Schürmann seinen Patienten empfiehlt, das ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig – Alter, Krankengeschichte in der Familie, Lebensumstände, Krankheitsverlauf und Wohnumfeld spielen etwa eine Rolle. Umso heftiger die Allergie und umso stärker die Beeinträchtigungen, die daraus resultieren, desto eher kommt eine Hyposensibilisierung als Behandlungsform in Frage.

Erfolgsquote der Hyposensibilisierung liegt bei 40 bis 70 Prozent

Bei Pollen- und Hausstauballergien kommen die Krankenkassen für die Behandlung auf. Klassischerweise läuft sie über drei Jahre mit monatlich einem Besuch in der Praxis, bei dem der Patient eine Spritze mit einem Allergenextrakt bekommt, erklärt Schürmann die gängige Variante. Das Immunsystem soll sich dadurch an das Allergen gewöhnen – und die übertriebenen Reaktionen des Körpers soll nachlassen.

Die Erfolgsquote dieser Behandlung liege bei 40 bis 70 Prozent, sagt Schürmann über die Hyposensibilisierung bei Pollen- und Hausstauballergien. Gegen Tierhaarallergien wirke sie zumeist gar nicht und werde auch nicht automatisch von der Krankenkasse bezahlt. „Hausstaub und Pollen kann man kaum aus dem Weg gehen, Tierhaaren oftmals schon.“

Leiden Betroffene nicht ganz so stark unter ihrer Allergie, behandelt der Allergologe häufig nur die Symptome. „Das hat keine Auswirkung auf den Verlauf der Allergie selbst, sie kann zurückgehen oder stärker werden“, betont Schürmann, „es geht nur darum, Linderung zu verschaffen“. Die Auswahl an Medikamenten zur Allergiebehandlung ist dabei riesig, reicht von Tabletten über Nasensprays und Inhalatoren bis zu Augentropfen.

Alternative Behandlung mit Eigenblut in acht bis zehn Wochen

Eine Alternative zur Hyposensibilisierung stellt für manche Patienten eine Eigenbluttherapie dar. Die Cappeler Hausärztin Erika Richter bietet diese Behandlung an, für die gesetzlich und privat versicherte Patienten in der Regel selbst aufkommen müssen. „Einige Allergiker profitieren sehr von der Eigenbluttherapie, bei anderen ist sie nicht durchschlagend“, sagt Erika Richter, die die Erfolgsquote nicht in Zahlen benennen kann.

„Jedenfalls wird die Therapie vielfach weiterempfohlen – ich mache keinerlei Werbung dafür und es kommen trotzdem immer wieder Leute, die es probieren wollen“, berichtet die Ärztin und nennt einen Vorteil der Behandlung. „Man kann damit in der Heuschnupfen-Saison beginnen und merkt sofort, ob sich Linderung einstellt oder nicht.“

Die Eigenbluttheraphie funktioniert wie folgt: Aus der Armvene werden mit einer Spritze zwei Milliliter Blut entnommen. Dieses wird mit einem zuvor ausgewählten homöopathischen Präparat vermischt und ins Muskelgewebe des Patienten gespritzt. „Dadurch ist das Blut verfremdet für den Körper und spricht das Immunsystem an“, erklärt Erika Richter. Dieser Reiz zielt darauf ab, die bei Allergikern durcheinander geratenen Abwehrmechanismen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Eigenbluttherapie läuft, je nach Patient, etwa acht bis zehn Wochen bei ein bis zwei Behandlungen pro Woche.

 
Tipps

Die Landesapothekerkammer gibt Tipps zum Umgang mit Pollenallergie. Grundsätzlich sollten Patienten den Kontakt mit Pollen verringern. Dazu eigne sich vor den Fenstern angebrachte Pollenschutzgaze.

Wer gern im Freien aktiv ist, sollte die Zeiten des Pollenflugs berücksichtigen. An windigen Tagen oder in den Abendstunden sei die Belastung höher. Nach einem kräftigen Regenguss hingegen befänden sich weniger Pollen in der Luft.

Wer auf Gräserpollen reagiert, sollte Felder und Wiesen meiden und sich lieber im Wald körperlich betätigen.

Während der Pollensaison gelte grundsätzlich: abends duschen und Haare waschen, Kleider nicht im Schlafzimmer ausziehen, Kopfkissenbezug häufig waschen.

von Carina Becker

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