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Strategie und eine glückliche Hand

Poker Strategie und eine glückliche Hand

„Ganz ohne Glück geht es nicht“, sagt Massimo Toson. Der Präsident des Poker-Clubs Marburg ist dennoch überzeugt: Bei dem Kartenspiel geht es um viel mehr, als nur um den Segen Fortunas.

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Dealer Carsten Schumacher (von links), Peter Görge, Vize-Präsident Hartmut Pitz, Präsident Massimo Toson, Stadtmeisterin Jasmine Weidenbach und Vize-Stadtmeister Moritz Jacobi erwarten die nächste Runde.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Kaum ein spannender Western- oder Gangsterfilm, in dem sie nicht vorkommt: die Saloon- oder Casino-Szene mit einer vieles entscheidenden Partie Poker. Mit Whiskey und Zigarre oder wahlweise auch dem Colt in der Tasche setzen sich die Protagonisten an einen engen Tisch und zocken um die ganz großen Einsätze. Die Anspannung könnte dementsprechend kaum größer sein, wenn es schließlich zum finalen Showdown kommt.

„Dass man Poker häufig in Filmen sieht, hat dazu beigetragen das Spiel zu verbreiten“, sagt Jasmine Weidenbach. Die US-Amerikanerin aus New York ist die aktuelle Stadtmeisterin des Marburger Poker-Clubs, den sie 2011 mit ins Leben rief. Das verruchte Gangster-Image aus den Hollywood-Blockbustern treffe jedoch so nicht zu. „Es gilt hier vielen Menschen als Glücksspiel“, so Weidenbach, in den USA hingegen sei es ein anerkanntes Gesellschaftsspiel - „so wie Skat oder Doppelkopf“. Ohnehin komme es auf wesentlich mehr an, als nur Glück.

Mathematik, Psychologie und Strategie - wer diese drei Komponenten beherrscht, der kann es weit bringen beim Poker, erklärt Weidenbach. „Es gibt hunderte Variationen, wie man eine Hand spielen kann“, fügt sie an. Wer über das nötige Geschick verfüge, könne dementsprechend erfolgreich sein.

Abwägen und die Spieleinsätze steuern

„Jeder hat einen verschiedenen Ansatz“, erklärt Toson - manch einer spiele eher zurückhaltend, andere hingegen aggressiver. Letztendlich gehe es jedoch immer darum, die Situation abzuwägen. Einen guten Pokerspieler zeichne es aus „nicht immer alles zu riskieren“, die Einsätze zu steuern, um „Leute in den Pott reinzuziehen“ und auch mal zu bluffen - kurzum das Spiel zu variieren, um auf keinen Fall ausrechenbar zu sein. „Ganz ohne Glück geht es nicht“, gesteht der Vereinsvorsitzende zwar, doch je mehr Tische gespielt werden, desto deutlicher „bildet sich ein Kreis von Leuten heraus, der häufig gewinnt“.

Bei der populärsten Spielvariante, dem „Texas Hold‘em“, das auch bei den Marburgern gespielt wird, erhält jeder Spieler zwei verdeckte Karten. Nacheinander werden in der Mitte des Tisches „Flop“ (3 Karten), „Turn“ (1) und „River“ (1) aufgedeckt. Die jeweils fünf besten Karten von insgesamt sieben werden gewertet. Doch nicht immer gewinnt derjenige, der das beste Blatt hält. Zwischen den Runden werden mit den Chips, die jeder zu Beginn erhält, die Einsätze gemacht. Sind einem Spieler diese Einsätze zu hoch, steigt er aus. Die dauerhaft steigenden „Blinds“, also die Mindesteinsätze, die am Tisch reihum gehen, verhindern jedoch, dass vollkommene Zurückhaltung zum Erfolgsrezept wird.

Um nicht ständig seine Einsätze zu verlieren, gilt es also, auch mit schlechteren Karten mal mitzuspielen, um durch die „Community Cards“ doch noch zu gewinnen oder zu bluffen. „Manchmal muss man nicht nur seine Karten, sondern auch den Gegner spielen“ lautet daher ein bekannter Spruch unter Pokerspielern. Auch Toson sagt: „Es gehört dazu, Leute zu lesen und auf Tells zu achten“. Beispiele für solche Tells, die die Nervosität eines Spielers verraten, seien etwa das Vermeiden von Augenkontakt, sich zu kratzen oder mit den Füßen zu wippen. Gerade wenn man seine Kontrahenten bereits länger kenne, könne dies eine Rolle spielen.

Treffen einmal wöchentlich und zu Sachpreisturnieren

Jeden Montag um 19 Uhr trifft sich der Poker-Club Marburg in der zum Welcome-Hotel gehörigen Bar „Pinte“. Gespielt wird jedoch nicht um Geld, denn das ist laut Gesetz verboten. Zu gewinnen gibt es stattdessen Ranglistenpunkte in der vereinseigenen Quartalsrangliste. Mit den Einsätzen von 6 Euro pro gespieltem Tisch für Vereinsmitglieder und 8 Euro für Besucher werden stattdessen die Miete für den Raum und weitere Ausgaben des Vereins gedeckt. So gibt es einmal im Monat ein samstags stattfindendes Sachpreis-Turnier, bei dem aktuell als erster Preis eine Playstation 4, als zweiter Preis ein LCD-Fernseher sowie eine Bierzapfanlage und als dritter Preis eine Soundanlage winken. Doch auch wenn man ohne Gewinn nach Hause geht: ein weiterer Aspekt ist ebenso wichtig. Denn so ein Pokerabend „hat ja immer auch etwas Geselliges“, sagt Toson.

von Peter Gassner

Hintergrund

Das Pokerspiel hat eine lange Geschichte. Die ersten Vorläufer des Spiels gab es schon vor über 400 Jahren. Ein Vorläufer, das deutsche Spiel Pochen (= prahlen), von dem das Pokerspiel auch seinen Namen herleitet, wurde 1829 zum ersten Mal in der Literatur erwähnt. Das deutsche Spiel Pochen wurde mit kleinen Änderungen als französisches Spiel Poque weiterentwickelt von wo es dann in die USA gebracht wurde, wo es unter dem Namen Poker sehr beliebt wurde und heute daher als amerikanisches Spiel gilt. In New Orleans, der Geburtsstätte des amerikanischen Poker, wurde das Pokerspiel erstmals 1805 erwähnt.

Quelle: pokerworld24.org

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