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Straßenbahn auf Lahnberge zu teuer?

Verkehrsdebatte Straßenbahn auf Lahnberge zu teuer?

Braucht Marburg eine Straßenbahn? Die Meinungen in der Stadt gehen weit auseinander. Wieder einmal.

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Eine restaurierte Straßenbahn in Bonn. Auch die Idee einer Straßenbahn in Marburg feiert ein Comeback.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Die Idee riecht ein wenig nach Nostalgie. Eine Straßenbahn in Marburg gab es bis 1951 - von 1903 bis 1911 als Pferdebahn, dann als elektrische Straßenbahn. Die Streckenführung ging vom Hauptbahnhof zum Wilhelmsplatz, später wurde die Strecke bis zum Südbahnhof erweitert.

Außerdem kam eine Verbindungsstrecke vom Wilhelmsplatz zum Heumarkt hinzu. Schienenreste sind an mehreren Stellen in der Stadt noch zu finden. Erst diesen Sommer wurden bei Bauarbeiten am Rudolphsplatz Überbleibsel gefunden.

Forderungen, eine Straßenbahnlinie in Marburg zu bauen, gibt es seit mehr als 20 Jahren immer wieder, Konzeptionen gibt es viele:

  • Eine Straßenbahnlinie zwischen Hauptbahnhof und Südbahnhof, die die Innenstadt vom motorisierten Individualverkehr entlastet;
  • eine Straßenbahn nach dem Vorbild der Kasseler Regio-Tram, die Pendler aus der näheren Umgebung nach Marburg bringt, dabei die vorhandenen Schienen der Bundesbahn mit nutzt und an das bestehende Busnetz anschließt;
  • eine elektrisch betriebene Verbindung zu den Lahnbergen, die im Stadtkern an das bestehende Busnetz anschließt.
  • Aus Gießen kommt eine neue Idee, die Reinhard Bayer entwickelt hat. Sie nennt sich „Klinik-Express“, schlägt eine Verbindung zwischen dem Gießener Standort des UKGM und dem UKGM-Standort auf den Lahnbergen vor. Sie setzt auf die Nutzung der Bahnschienen zwischen Marburg und Gießen und den Neubau jeweils eines Schienennetzes in Gießen und Marburg. Vorteil: „In Gießen kann aus fünf, in Marburg aus drei weiteren Bahnlinien sowie jeweils etlichen regionalen und lokalen Buslinien direkt in die Klinik-Bahn umgestiegen werden“, so Bayer. Von allen mittelhessischen Bahnlinien wäre nur ein Umstieg zu einer der beiden Kliniken notwendig.

Diesen Vorteil sieht auch Bürgermeister Dr. Franz Kahle. In seiner Antwort auf eine kleine Anfrage des Stadtverordneten Jan Schalauske sagt Kahle im Parlament vergangene Woche aber auch: „Der Aufbau einer Stadtbahn müsste den Abbau von Parallelverkehren auf die Lahnberge bedingen, damit die bereitgestellten Beförderungskapazitäten auch in ausreichender Weise genutzt würden und zu einer Kosteneinsparung auf der anderen Seite führen könnten.“

Dazu scheint die Stadt derzeit nicht bereit. Kahle spricht von erheblichen Kosten - in Hamburg würden für den Bau einer Stadtbahnstrecke pro Kilometer Kosten von mindestens 18 Millionen Euro prognostiziert. Anders formuliert: 100 Millionen Euro Baukosten sind keine unrealistische Zahl.

Die SPD hatte auf einem Programmworkshop die uralte Idee aufgegriffen. Man dürfe nicht sofort Denkverbote erteilen, schreibt der SPD-Fraktionsvorsitzende Steffen Rink auf der Facebook-Seite der OP, auf der über die Idee diskutiert wird. „Sicher wird keine Straßenbahn durch die Universitätsstraße fahren (wirklich nicht?)“, schreibt Rink, um dann rhetorisch zu fragen: „Doch vom Südbahnhof und Hauptbahnhof zu den Lahnbergen? Unter teilweiser Benutzung der Bahngleise? Mit einem Haltepunkt Marburg-Mitte?“. Man müsse der Fantasie zunächst freien Lauf lassen und dann entscheiden.

Der CDU-Verkehrsexperte und Stadtverordnete Manfred Jannasch lehnt die Idee jedoch rundweg ab: „Es ist noch nicht einmal genug Geld da, um die Straßen instand zu halten“, schreibt er. „Mit welchem Geld sollen den die Straßen aufgerissen und die Schienen verlegt werden?“

von Till Conrad

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