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Straßenbahn: am Berg ja, im Tal nein

Neue Perspektiven Straßenbahn: am Berg ja, im Tal nein

Eine Straßenbahn zu den Lahnbergen: Was vor wenigen Monaten noch utopisch erschien, könnte in der ersten Jahreshälfte 2016 deutlich näher rücken.

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Die Marburger Stadtverordneten befassten sich am Freitagabend mit der Frage, ob eine Straßenbahn die Verkehrsprobleme in Marburg lösen kann.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) kündigte am Freitagabend im Stadtparlament an, dass Mittel für eine Machbarkeitsstudie im Nachtragshaushalt für 2016 eingestellt werden könnten. Man müsse zunächst aber die Erkenntnisse des vor der Vollendung stehenden Nahverkehrsplans und die der Stadtwerke aus der jüngst vorgestellten Mobilitätsstudie des RMV abwarten, ehe man Geld für eine Studie ausgebe. Immerhin, so kalkulierte Spies, handele es sich um einen sechsstelligen Betrag, der für eine solche Studie kalkuliert werden müsse.

Die Marburger Linke hatte die Diskussion angestoßen mit einem Antrag, den Magistrat mit einer Machbarkeitsstudie für verschiedene Varianten eines „schienengebundenen Verkehrssystems“ für den innerstädtischen Verkehr und hinauf zu den Lahnbergen zu beauftragen. Der Antrag wurde zwar mit den Stimmen von SPD und Grünen bei Enthaltung von CDU und FDP abgelehnt, aber alle Redner machten deutlich, dass sie die Idee im Prinzip unterstützen: Marburg laufe „Gefahr, eine Trabantenstadt auf den Lahnbergen zu entwickeln“, wenn nicht ausreichend schnelle Verbindungen auf die Lahnberge geschaffen würden, sagte der Grünen-Verkehrsexperte Uwe Volz; die Zeit schienengebundener Verkehrssysteme „ist wieder da“, ergänzte SPD-Fraktionschef Rink, der die Gelegenheit zudem nutzte, dem Koalitionspartner erneut seine ablehnende Haltung zu dessen Lieblingsprojekt „Seilbahn“ unter die Nase zu reiben; „Klinikexpress finden wir gut“, sagte auch CDU-Fraktionsvorsitzender Wieland Stötzel.

CDU leht die Straßenbahn entschieden ab

Die CDU lehnt zudem eine Straßenbahn in der Innenstadt entschieden ab; sie würde auf ohnehin schmalen Straßen „alles noch viel schlimmer“ machen, sagte Stötzel. Auch Volz hält eine Straßenbahn durch die Innenstadt für „schädlich“, während Rink vor allem davon sprach, dass Entscheidungen nun einmal Zeit bräuchten und keinen „Schnellschuss“ vertrügen.

Das wiederum brachte den Fraktionsvorsitzenden der Marburger Linken in Rage: Von „Schnellschuss“ könne keine Rede sein, die Verkehrsprobleme sowohl in der Innenstadt wie auch zu den Lahnbergen seien seit 40 Jahren bekannt. „Ja, wir wollen eine differenzierte Debatte“, sagte Köster, „aber dann erwarte ich auch Vorschläge.“ Die Einführung einer Straßenbahn wäre prinzipiell ein „Befreiungsschlag“, der dem auch von Spies geforderten Schutz des Schwächeren im Straßenverkehr diene. Die „angeblichen“ SPD-Forderungen, die Möglichkeiten für eine Straßenbahn zu prüfen, schmölzen bei näherem Hinsehen „wie Butter in der Sonne“.

Es bleibt vorerst dabei: kein fahrscheinloser ÖPNV

Die Marburger Linke forderte vergebens einen generellen Nulltarif in den Bussen der Stadtwerke Marburg für Flüchtlinge und Stadtpassinhaber. Dass eine „unbürokratische Lösung“ generell möglich sei, zeigten die Stadtwerke etwa bei „3 Tage Marburg“ oder den vier Adventssamstagen, an denen die Busse fahrscheinlos genutzt werden können, sagte Linken-Abgeordneter Jan Schalauske. Diese Möglichkeit müsse Stadtpassinhabern und Flüchtlingen generell eröffnet werden: „Wer es sich nicht leisten kann, von A nach B zu kommen, dem gelingt keine Teilhabe“, begründete der frühere OB-Kandidat.

Für die SPD lehnte Uli Severin die Forderung ab: Flüchtlinge in Marburg erhielten in der Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel kostenlos Fahrkarten für die Stadtwerke-Busse. Für Hartz-IV-Empfänger sei im Regelsatz eine Pauschale für ÖPNV-Kosten enthalten, die Differenz zahle die Stadt Marburg als Zuschuss für Stadtpassinhaber. „Das sind freiwillige Leistungen, die wir uns leisten können“, sagte CDU-Finanzexperte Roger Pfalz. Damit dies so bleibe, müsse man haushalten.

von TIll Conrad

Hintergrund: Wer braucht was?

Die Fläche einer Stadt und ihre Verteilung ist umso mehr von Bedeutung, je enger die Stadt ist. Voneinander unabhängige Berechnungen gehen von folgendem Platzbedarf pro Person für die einzelnen Verkehrsmittel aus:

  • Pkw (bei 50 km/h): 140 Quadratmeter
  • Rad (bei 30 km/h): 40 Quadratmeter
  • Straßenbahn (bei 50 km/h): 9 Quadratmeter
  • Bus, 40 % besetzt, bei 50 km/h: 8 Quadratmeter
  • Fußgänger: 1 Quadratmeter
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