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Straßenbahn ade

Heute vor 60 Jahren Straßenbahn ade

Im Mai 1951 zogen zum ersten Mal Oberleitungsbusse ihre Runden vom Marburger Haupt- zum Südbahnhof. Sie ersetzten damals die elektrische Straßenbahn, die nach 40 Jahren stillgelegt wurde.

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Die Straßenbahn fuhr damals an der Elisabethkirche vorbei.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Am Dienstag vor 60 Jahren fand die Abschiedsfahrt der elektrischen Straßenbahn statt. Damit endete nach 40 Jahren die Ära der Straßenbahn, die zwischen dem Haupt- und Südbahnhof verkehrte, berichtet der Verein Nahverkehrsgeschichte Marburg.

Grund für die Einstellung der Straßenbahn war die Veralterung von Fahrzeugen und Strecke. Acht Triebwagen wurden damals verschrottet, zwei vierachsige Triebwagen nach Darmstadt verkauft. Zwei Tage später, am 19. Mai 1951, ersetzten Obusse die Straßenbahn. Sie waren Kriegs- und Nachkriegskinder, die Obusse, die früher in fast 60 deut­schen Städten fuhren, von 1951 bis 1968 auch in Marburg.

Dieser Zwitter zwischen Straßen­bahn und normalem Bus wurde im Zweiten Weltkrieg eingeführt, weil erstens alte, abgewirtschaftete Stra­ßenbahn-Anlagen ersetzt werden mussten und für die Investition in neue Gleise das Geld fehlte.

Zweitens, weil in den Kriegs­­zeiten nicht genügend Treibstoff für Diesel-Omnibus­linien zur Verfügung stand, wohl aber Elektrizität. So plante auch die Stadt Marburg auf Obusse um­zu­stellen, ebenso die Dieselbus-Linie vom Marktplatz zur Tannenbergkaserne im Stadtwald.

Im Frühjahr 1951 mon­tierten Fachkräfte von Siemens-Schuckert 12 ½ Tonnen Kupferdraht für die Oberleitung vom Südbahnhof über Wilhelmsplatz – Rudolphsplatz – Elisabethkirche und Hauptbahnhof. Anders als die Straßenbahnlinie führte die Obus-Strecke jedoch nicht über den Pilgrimstein, sondern über die Biegen- und Deutschhausstraße, da dort wegen der Martin-Luther-Schule, der Friedrich-Ebert-Schule, dem Museum, dem Behördenhaus und den Kliniken mehr Fahrgäste zu erwarten waren.

Am 5. Oktober 1968, einem grauen Herbstsamstag, zogen die vier verbliebenen Obusse ihre letzten Runden zwischen Haupt- und Südbahnhof.

von Wolfgang Brauer
und Heike Horst

Mehr lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP.

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