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Strafe nach Buttersäure-Attacke

Aus dem Gericht Strafe nach Buttersäure-Attacke

Aus Protest vergoss 2014 ein junger Mann Buttersäure während des Marburger Marktfrühschoppens, schädigte so mehrere Festbesucher. Das Urteil: Geldstrafe.

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Das Gericht bewertete einen Angriff während des Marktfrühschoppens 2014 als Körperverletzung.

Quelle: Archiv

Marburg. Thema vor Gericht war vor allem der politisch motivierte Hintergrund der Tat, mit welcher der Mann gegen das umstrittene Fest auf extreme Art und Weise protestieren wollte. Am 6. Juli vergangenen Jahres befand sich der heute 24-jährige Marburger gegen Mittag auf der gut besuchten Veranstaltung auf dem Marktplatz.

Unter einer der langen Bankreihen platzierte er ein mit Butansäure getränktes Taschentuch, vergoss weitere Mengen der reizenden Substanz auf dem Boden zwischen den Festbesuchern. Butansäure, umgangssprachlich Buttersäure, hat einen scharfen Geruch nach Erbrochenem oder ranziger Butter.

„Ich finde das maßlos übertrieben“

Mindestens 13 Gästen wurde ob des widerlichen Gestanks dermaßen übel, dass sich einige Betroffene erbrachen. Der Täter wurde erkannt, gefasst und wegen Körperverletzung angezeigt – erhielt per Strafbefehl eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen à 20 Euro.

Dagegen legte er Einspruch ein, beschränkte das Rechtsmittel jedoch auf die Strafhöhe. „Ich finde das maßlos übertrieben“, erklärte Verteidiger Gunther Specht und sprach sich für eine erhebliche Minderung der Anzahl der Tagessätze aus. Insbesondere da das Urteil die Grenze einer Vorstrafe (90 Tagessätze) überschreitet, der bislang unauffällige Täter eine Vorstrafe zu erwarten hat.

Vor Gericht erschien der angeklagte Azubi nicht, ließ sich durch seinen Anwalt vertreten. Dieser hob die „minimalen Tatfolgen und geringen Verletzungen“ der betroffenen Festbesucher hervor, die weder medizinische Hilfe nötig hatten noch bleibende Schäden davontrugen. „Butansäure stinkt, hat aber keine Folgen“, betonte Specht. Mit seiner Tat habe sein Mandant versucht, gegen das Fest zu protestieren, die Besucher und Befürworter der Feier zu vertreiben, schaden wollte er diesen nicht.

Das als politisch instrumentalisiert geltende Fest wurde für dieses Jahr abgesagt. Die früheren Veranstalter befürchteten die erneute Teilnahme mehrerer als rechtsextrem geltender Burschenschaften zur Verbreitung einer rechten Ideologie.

„Diese Vorgehensweise ist absolut nicht zu billigen“

Der Fall wirke viel eher wie ein Versuch, kritische Gegner des Marktfrühschoppens zu kriminalisieren, fand Specht. Der Hintergrund der Veranstaltung, auf der stets mit Protesten zu rechnen sei, sowie die Motivation des Täters müsste in die Betrachtungen des Gerichts mit einfließen, so der Verteidiger.

Dem widersprach Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg: Weder machten die Art der Veranstaltung noch mögliche politische Statements in Verbindung mit der Säure-Attacke einen Unterschied in dieser Sache. „Das interessiert hier nicht, diese Vorgehensweise ist absolut nicht zu billigen“, betonte die Anklagevertreterin. Dem Täter sei bewusst gewesen, was sein vorsätzliches Handeln für Folgen haben würde.

Auch wenn der 24-Jährige ein politisches Statement abgeben wollte, „er ist völlig übers Ziel hinausgeschossen“, betonte Sehlbach-Schellenberg. Das Strafmaß befände sich nach Meinung der Staatsanwaltschaft noch dazu an der untersten Grenze des Möglichen und sei „absolut angemessen“.

24-jähriger Marburger
gilt nun als vorbestraft

Eine deutliche Strafmilderung wie eine Verwarnung mit Strafvorbehalt lehnte sowohl die Staatsanwältin wie auch Strafrichterin Melanie Becker ab. Die Art der Veranstaltung stehe nicht im Vordergrund, „das Ganze kann so nicht toleriert werden“, stellte die Richterin klar. Lediglich in der Tagessatzhöhe für den Geringverdiener näherten sich beide Seiten einander an.

Das Gericht verurteilte den übereifrigen Protestler schließlich wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen zu je 15 Euro. Außerdem gilt er nun als vorbestraft. Protest hin oder her – das Verhalten des Mannes sei „nicht hinnehmbar“ und habe eine erhebliche Anzahl von Menschen beeinträchtigt, fasste die Richterin zusammen.

von Ina Tannert

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