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Stompfe: "Angeblich sollen Sie ja ein ‚Dirndl gut ausfüllen' können"

Sexismus-Debatte Stompfe: "Angeblich sollen Sie ja ein ‚Dirndl gut ausfüllen' können"

Die Vorwürfe der Anzüglichkeit gegen Rainer Brüderle lösen eine deutschlandweite Debatte über Sexismus aus. Philipp Stompfe, der Fraktionsvorsitzende der Marburger CDU unterstützte Brüderle mit einem eigenen Facebook-Angriff auf die Stern-Journalistin Himmelreich.     

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Philipp Stompfe hat gut lachen: Die Anschuldigungen gegen Rainer Brüderle hält er für übertrieben.

Quelle: Archivfoto, Thorsten Richter

Marburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb für einen professionellen Umgang zwischen Politikern und Jour­nalisten. Zu dem Artikel des Magazins „Stern“, in dem Brüderle anzügliche Anspielungen gegenüber einer Journalistin 
vorgeworfen werden, wollte sich ihr Sprecher Seibert nicht äußern.

Eine Sprecherin des Bundesfrauenministeriums erklärte, sexuelle Belästigung sollte, unabhängig vom Einzelfall, als Dauerthema diskutiert werden. Es gebe eine hohe Zahl von Frauen, die damit konfrontiert seien. Sie verwies auf eine von dem Ministerium in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2004. Danach gaben 58 Prozent der befragten Frauen an, mindestens einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden zu sein, davon 42 Prozent am Arbeitsplatz.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte alltäglichen Sexismus in der Gesellschaft. „Es ist unfassbar, wie viele Männer es gar nicht merken, wenn sie Diskriminierungen herunterspielen oder sogar meinen, sexistisches Verhalten sei schlicht ihr gutes Recht“, sagte Roth „Spiegel Online“.

Grundmuster des Verhaltens?

Die Journalistin Wibke Bruhns dagegen äußerte sich sehr kritisch über die Sexismus-
Vorwürfe gegen Brüderle. „Die Geschichte ist journalistisch unseriös“, sagte die ehemalige politische Korrespondentin (74) dem „Tagesspiegel“ aus Berlin am Freitag. „Die FDP hat einen neuen Spitzenkandidaten, das ist ein Thema – und nicht die Probleme von Frau Himmelreich mit Herrn Brüderle. Der ‚Stern‘ hat hier eindeutig aus Kalkül gehandelt, um Schlagzeilen zu machen.“ Die Kollegin habe Brüderle über einen längeren Zeitraum beobachten wollen. Am Anfang der Recherche habe ein unerfreuliches Erlebnis gestanden. „Im Laufe der Recherche hat sich gezeigt, das es offensichtlich ein Grundmuster seines Verhaltens gegenüber Frauen ist.“

Hashtag #aufschrei trended bei Twitter

Die Sexismus-Debatte wurde auch intensiv in den sozialen Netzwerken geführt. Im Kurzmitteilungsdienst Twitter teilten unzählige Menschen unter dem Hashtag (Stichwort) #aufschrei ihre Erfahrungen mit alltäglichem Sexismus mit. Der Begriff #aufschrei war deutschlandweit bereits am Morgen der meistgenannte Begriff. Im Sekundentakt gingen neue Tweets ein. Sogar weltweit erreichte der Begriff in den sogenannten Trending Topics einen Platz unter den ersten zehn. Vor allem Frauen twitterten über erlebte Beleidigungen, Diskriminierungen und Übergriffe.

Stompfe geht Himmelreich an

Auch der Marburger CDU-Fraktionschef Philipp Stompfe übt scharfe Kritik. Allerdings an Autorin Himmelreich. Er kritisiert die Art und Weise, wie Brüderle an den Pranger gestellt werde. „Bei sexuellen Übergriffen gibt es kein Pardon und es muss Konsequenzen geben“, sagt der Jurist. In einem Eintrag bei facebook schreibt er: Liebe Frau Himmelreich, bei allem Respekt vor Ihrer aktuellen journalistischen ‚Glanzleistung‘, Sie sind einfach nur peinlich, peinlich, richtig peinlich!!!!! Angeblich sollen Sie ja ein ‚Dirndl gut ausfüllen können‘. Freuen Sie sich doch über das von Gott gegebene Geschenk!“.

Weiter heißt es, viele Frauen könnten ein Dirndl nicht „gut ausfüllen“, würden es aber gerne können. „Nach eigener Aussage hat Rainer Brüderle auch jede Weinkönigin in Rheinland-Pfalz ‚gebusselt‘. Mir ist bis heute nicht bekannt, dass sich eine der Weinköniginnen über Sexismus beklagt hat!“.

Stompfe guttiert Bikini-Fotos in Stern-View

Stompfe spannt den Bogen zum Wahlergebnis in Niedersachsen, bei dem die FDP überraschend fast zehn Prozent holte. „Und natürlich hat dieser Artikel auch nichts mit dem 
guten Wahlergebnis der FDP in Niedersachsen zu tun (dank uns, der CDU) und der Spitzenkandidatur von Brüderle für die Bundestagswahl“, sagt der CDU-Mann mit Ironie, wird dann aber ganz schnell wieder ernst. An Frau Himmelreich richtet er Folgendes: „Sie verharmlosen wirklichen Sexismus und wahrhaftige sexuelle Belästigung!!!!! Und das alles mit Rückendeckung Ihrer Chefredaktion.“
Den Stern wolle er nicht mehr kaufen, mit Ausnahme des Stern-View mit „hoffentlich vielen Fotos von weiblichen Promis im Bikini“. Und er fügt noch ein P.S. mit einer Aufforderung an: „Veröffentlichen Sie doch mal ein Foto von Ihrem letzten Besuch auf dem Oktoberfest.“

von Carsten Bergmann

Und so sieht es aus, wenn die Netzgemeinde sich aufregt:

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