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Stimmung steigt zum Studien-Start

OP-Semester-Stadtrundgang Stimmung steigt zum Studien-Start

Vom Sommer keine Spur, vom Semester umso mehr: 25 000 Studenten tummeln sich in der Stadt, drängen in Hörsäle, Seminarräume, Labore und in die Treffpunkte schlechthin: die Mensen.

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„Wir müssen nicht zurück in die Höhlen“

Physik-Professor Heinz Jänsch (links) und Georg Otto galt im Hörsaal die volle Aufmerksamkeit. Fotos: Thorsten Richter / Björn Wisker

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Geruch von Waffeln liegt in der Luft. Getuschel. „Bitte nicht schon wieder Luhmann“. „Ich hasse Statistik“. „Hast du Bock auf Schnitzel?“. Vor dem Schalter zum Kauf der U-Card in der Erlenring-Mensa bildet sich eine Schlange. Aus den Lautsprechern dringt der allen Mensa-Fans bekannte französische Akzent von Martiné Jauernick: „Mensa-Service bitte zur Info.“

Mia Leopold lehnt am Pfeiler hinter mit dem Speiseplan. Sie scannt jedes Gesicht, das durch den Mensa-Haupteingang am Erlenring kommt. Aus 25 000 muss sie die vier Bekannten filtern, die sie in ihren ersten Tagen als Neu-Marburgerin kennengelernt hat. Mia ist 18 Jahre, Germanistikstudentin im ersten Semester, wohnt erstmals außerhalb des Elternhauses im bayerischen Hof und macht das, was derzeit rund 2500 Erstis in der Stadt machen: ihr neues Leben meistern. „Plötzlich ist man alleine in einer fremden Umgebung, schon verrückt“, sagt sie. Aber noch verrückter sei, wie schnell sie mit anderen - Fremden - ins Gespräch gekommen sei. „Die OE-Woche hat mir viel Angst genommen“, sagt sie als ihre Freundinnen kommen. Kurz umarmen, die Treppen zum Speisesaal erklimmen und sich erzählen, wie sie waren, die ersten Vorlesungen der Studentenzeit.

Er war so ein Ersti-Gesprächs-Thema: Professor Heinz Jänsch. Der bärtige Wissenschaftler dozierte im Hörsaal am Renthof. Titel seiner Vorlesung: Wärme und Elektrizität. Es geht um die Entwicklung der Physik bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, um Grundlagen. Lehrstoff, den alle rund 500 am Fachbereich Eingeschriebenen verstehen müssen. Spaß und Ernst, Witze und Inhalt - Jänsch kommt bei der Blitz-Bilanz seiner neuen Studenten gut weg.

Orientalisch geht es indes am Stand von Sebahat Özcan zu. Sie wirbt mit Freundinnen für Marburgs islamischen Studentenverein. „Wir wollen es den Neuen so leicht wie möglich machen, Anschluss zu finden“, sagt sie. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Verein etabliert, bietet regelmäßig Vorträge, Seminare, Feiern und Ausflüge an. Es geht um Glauben und Religion, um den Austausch mit Christen in der Stadt. Attraktiv für junge Leute will man sein - „gerade zu Beginn brauchen alle, die neu herkommen, eine Anlaufstelle, auch um auf die dringenden Fragen, Antworten zu bekommen. Dafür sind wir da“, sagt Özcan.

Hendrik Budke ist wegen seine Mission da: das Spiel mit dem Feuer. Der stellvertretende Zugführer der Feuerwehr Marburg-Mitte rekrutiert rund um den Elisabeth-Blochmann-Platz neue Mitglieder. Schnöde Flyer in die Hand drücken? Reicht nicht. Die Brandbekämpfer rücken mit Einsatzwagen an, liefern eine Fett-Explosion-Show. Im vergangenen Semester schlossen sich nach der Aktion 18 neue Hochschüler der Wehr an. Budke sagt: „Viele glauben, Marburg habe eine Berufsfeuerwehr, sie könnten hier nicht einsteigen - Irrtum!“

Es sind vor allem Leute, die in ihrer Jugend im Heimatort bereits in einer Wehr aktiv waren, die sich für Budkes Wehr-Werbe-Offensive interessieren. „Neueinsteiger zu gewinnen, ist fast unmöglich“, sagt er. Doch das Potential der Studenten, gerade unter den mittlerweile nur noch 17-, 18-, 19-Jährigen Erstsemestern, sei groß - weil deren Zeit als Hobby-Brandbekämpfer nicht lange zurück liege, sie leicht anknüpfen können.

So, wie Budke selbst. Als er vor einigen Jahren als Student nach Marburg kam, wusste er monatelang nichts von der Chance, sein Hobby - zumal in der Innenstadt - weiter ausüben zu können. „Jetzt bin ich fest hier, fest dabei, und merke, dass es bei uns immer mehr Studenten werden“. Von rund 100 Aktiven in Zug 1 und 2 Marburg-Mitte, seien mittlerweile rund die Hälfte Hochschüler. „Tendenz steigend“, sagt Budke.

Und Arne Hoffmann vor wenigen Tagen erst als Medizinstudent in Marburg angenommen, könnte einer davon werden. „Wenn es vom zeitlich passt, könnte ich mir das vorstellen“, sagt er. Für Freizeit hat Antje Berz keine Zeit. Zu sehr beansprucht die Dillenburgerin die Wohnungssuche. „Das Pendeln nervt schon jetzt.“

von Björn Wisker

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