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„Stimmen gegen das Vergessen“

Buchvorstellung „Stimmen gegen das Vergessen“

Zwei Generationen nach Auschwitz wachsam zu bleiben - diesen Appell richtete der Arzt Dr. Konrad Görg an die Zuhörer in der bis auf den letzten Platz besetzten Marburger Synagoge

Marburg. Auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Marburg stellte Dr. Konrad Görg sein neues Buch „Wir sind, was wir erinnern“ vor.

Er hat darin mit Texten namhafter Autoren und Literaten statt einer ausgedehnten Dokumentation eindrucksvolle „Stimmen gegen das Vergessen“, wie der Untertitel des Buches heißt, zusammengestellt. Dabei interessierten den Arzt, der als Onkologe am Marburger Universitätsklinikum arbeitet, nicht nur die historischen Wurzeln der Katastrophe Holocaust, sondern besonders auch die sozialpsychologischen Hintergründe, die zu diesem zivilisatorischen Absturz Deutschlands nach 1933 geführt haben.

„Wie kann und darf sich ein Nachgeborener der Tätergeneration dem Holocaust, dem Abgrund der Geschichte nähern?“ fragte sich Konrad Görg, Jahrgang 1953, der während seiner Studienzeit Freundschaft mit einer jüdischen Familie geschlossen und dabei auch konkrete Opfer-Biografien kennengelernt hat. Für ihn war die Annäherung nur durch einen „Chor verschiedener Stimmen möglich, die miteinander in einen Dialog treten wollen: historisch erklärend, streitend, verzweifelt fragend, schreiend und anklagend, um Wahrheit ringend, um Versöhnung bittend und für die Zukunft hoffend“, wie er im Vorwort zu seiner Anthologie bemerkt.

Konrad Görg widmete sein Erinnerungsbuch Erwin Katz, dem Onkel eines Freundes, der im Alter von zehn Jahren in Auschwitz ermordet wurde.

Das ergreifende Schicksal dieses Jungen bildet den Anfangsabschnitt des Buches mit einer Schilderung seiner Tante Jolana, die Auschwitz überlebte, und das die Familienverhältnisse vor dem Krieg, das allmähliche Wachsen der Judenfeindschaft bis zum Abtransport in die Todeslager beschreibt.

Die Ehefrau des Autors, Renate Görg, las dieses bewegende Dokument vor.

Für seinen Vortrag mit der Forderung nach einer kollektiven Erinnerungskultur und einer wehrhaften Demokratie gegen alle neuen rechtsextremistischen Tendenzen erhielt Dr. Konrad Görg in der Marburger Synagoge am Ende lang anhaltenden Beifall.

Die 150-seitige Anthologie „Wir sind, was wir erinnern“ von Konrad Görg mit einem Geleitwort von Horst-Eberhard Richter ist im Hartung-Gorre-Verlag erschienen und im Buchhandel zum Preis von 9,95 Euro erhältlich.

von Karl-Hermann Völker

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