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Stillstand in Hauptpost nervt Kunden

Personalmangel Stillstand in Hauptpost nervt Kunden

Frust herrscht bei den Postkunden in Marburg. Seit geraumer Zeit bilden sich meter-lange Warteschlangen in der Hauptfiliale in der Bahnhofstraße. Viele müssen bis zu einer Stunde ausharren.

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Nichts geht mehr: In der Hauptpost warten täglich Dutzende Kunden bis zu einer Stunde. Die Filiale ist seit geraumer Zeit chronisch unterbesetzt. Die Deutsche Post will in den kommenden Tagen eine Lösung finden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dutzende Kunden schlängeln sich von der Schiebetür am Eingang vorbei an Regalen, an Ständern voller Gutscheine bis zum Schalterbereich. Von der Decke baumelt ein Schild, das auf viele Marburger aktuell wie Hohn wirkt: Eine Post-Mitarbeiterin lächelt entspannt auf sie hinab, verspricht schnellen Service. Das, was die bis zu 60 Kunden, die in den Warteschlangen ausharren, seit Tagen erleben, ist das Gegenteil: Nach endlosem Stillstand blicken sie in viele wütende Gesichter ihrer Stehnachbarn.

„Unfassbar, was hier abgeht“, sagt Theresa Schick (33). Für ihre Firma bringt sie täglich den Briefverkehr in die Bahnhofstraße, wichtige, termin-gebundene Dokumente. Ab-hauen, es am nächsten Tag probieren, geht nicht. Und selbst wenn: „Das ist ja mittler-weile von Montag bis Samstag so, egal, zu welcher Tageszeit man es versucht.“ Schick ist nur eine von Hunderten Marburgern, die genervt sind vom Dauerwarten in der Bahnhofstraße. „Verlorene Lebenszeit ist das“, sagt Enrico Wunderlich (25). Der Paketzusteller habe in den vergangenen Tagen drei Abhol-zettel im Briefkasten hinterlassen, jedesmal müsse er von Cappel in die Hauptfiliale fahren. „Zusammengerechnet stand ich bestimmt zwei, drei Stunden an“, sagt er. Zur Ablenkung, damit der Blutdruck nicht durch die Decke schießt, spielt er auf seinem Handy herum.

Kopfschütteln ist die Geste, welche die Postangestellten hundertfach am Tag ertragen müssen. Viele Marburger wenden sich nach zehn, fünfzehn Minuten, ohne vorangekommen zu sein, ab. Mancher nuschelt leise Flüche vor sich hin, andere werden lauter. „Dann sollen die Zusteller die Post eben verstärkt bei Nachbarn oder diesen Supermarkt-Zweigstellen wie in Cappel oder Wehrda abgeben. So staut sich nicht die halbe Stadt an einem Punkt, so ist das nämlich unerträglich“, sagt der 44-Jährige Thomas Borbe. Schließlich stehe niemand für den Kauf von Briefmarken oder Adressaufklebern an, sondern für Dinge, die den Schalterservice erfordern.

Selbst in Stoßzeiten sind derzeit maximal zwei Schalter besetzt, manchmal muss ein einziger Angestellter an dem Posttresen ausharren. Laut internem Stellenplan sollten montags vier, den Rest der Woche wenigstens drei Schalter dauerhaft besetzt sein. Der Grund: Personal-mangel. „Wegen Krankheit fällt ein Mitarbeiter aus, nach unserer Kenntnis wird das eine langfristigere Sache“, sagt Iris Laduch-Reichelt, Filialsprecherin. Das Personal-Problem dürfte ihrer Einschätzung noch auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben.

Nach OP-Informationen gilt bei der Deutschen Post eine interne Servicerichtlinie, wonach kein Kunde länger als fünf Minuten warten soll. Das gilt auch für die Marburger Niederlassungen. Doch dieses Zeitfenster wird seit Tagen gesprengt. Unter einer halben Stunde Wartezeit geht derzeit kaum etwas, wissen Kunden zu berichten, die täglich Post abgeben oder ab-holen. In Spitzenzeiten, etwa zur Mittagszeit oder nach 16 Uhr, schraubt sich die Wartedauer zuletzt regelmäßig bis zu einer Stunde hoch.

Die Post plant nun jedoch gegenzusteuern. „Ab Ende dieser Woche, so planen wir es jedenfalls, wollen wir Ersatzpersonal in der Bahnhofstraße einsetzen“, sagt Laduch-Reichelt. Sollte die Personalnot gelindert werden, können Marburgs Postkunden wohl vorerst aufatmen.

von Björn Wisker

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