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Stillstand bei Buga und B3-Tunnel

Verkehr Stillstand bei Buga und B3-Tunnel

Die Pläne, die Bundesgartenschau 2029 in Marburg auszurichten, sind faktisch vom Tisch. Damit steht auch die Vision eines Stadtautobahn-Tunnels vor dem Aus - jedenfalls bis zum weiterhin undatierten Abriss der Philfak.

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Bundesgartenschau-Fläche, danach neues Wohnviertel und ein Tunnelbau für die Stadtautobahn: Das ist lange die Hoffnung für die künftige Nutzung des Gebiets rund um das Philfak-Gelände gewesen.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Eine Machbarkeitsstudie für die Bundesgartenschau (Buga) ist nie in Auftrag gegeben worden. Obwohl das Stadtparlament im vergangenen Jahr 120.000 Euro für die Erstellung einer solchen Analyse freigegeben hat, ist nichts weiter geschehen. Grund: Die Bedingung aus Marburg war, dass Land und Bund sich an den Kosten im Hinblick auf einen im Zuge der Buga zu bauenden B3-Tunnel beteiligen. Jedoch waren „schon die Voraussetzungen für eine Machbarkeitsstudie nicht erfüllt“, wie es von der Stadt auf OP-Anfrage heißt, da das Landesfinanzministerium bis heute nicht auf einen neuerlichen Magistrats-Vorstoß aus dem November 2015 reagiere.

Auf OP-Anfrage teilte das Hessische Verkehrsministerium mit, dass Hessen Mobil geprüft habe, ob eine Einhausung als Lärm­sanierung möglich gewesen wäre und zu dem Schluss gekommen sei, dass „die Wirkung zu gering wäre“, weshalb das Projekt als städtebauliche Maßnahme laufen müsste, es also von Landesseite keine Förderung gebe. Das Ministerium verweist auf den Bund: Finanzhilfe könne die Kommune bei der Städtebauförderung beantragen.

Doch dass die Stadt wirklich ein Interesse an einem B3-Tunnel hat, bezweifelt die Lokale Agenda Stadtentwicklung. Indiz: Die Frist zur Anmeldung des Tunnels im Bundesverkehrswegeplan 2030 habe der Magistrat „sang- und klanglos verstreichen lassen“, sagte Angus Fowler. Die nächste Möglichkeit wäre erst wieder in zehn Jahren für den Plan ab 2040. „Der Güterverkehr lässt sich nicht um die Stadt herumlegen, das wäre utopisch. Der Verkehr lässt sich einfach nicht vermeiden. Aber gerade deswegen brauchen wir den Tunnel“, ergänzt Peter Hauswaldt.

Marburg rennt die Zeit davon

Die Stadt weist die Kritik der Agenda-Gruppe zurück, das Thema B3-Tunnel sei ein „langfristig für die Stadtentwicklung sinnvolles Ziel“ und die Kommune werde dieses „wieder aufrufen, sobald die Flächen des Philfak-Geländes zur Umnutzung anstehen“. Die Hoffnung: Dann, irgendwann in den 2020er-Jahren, werde auch das Land Hessen Interesse an einer Weiterentwicklung des Universitäts-Gebiets haben.

Marburg rennt bei der Buga-Bewerbung indes die Zeit davon: Andere Städte sind bei ihren Planungen weiter. Schwerin etwa stellte im Sommer bereits die Ergebnisse von Machbarkeitsstudien für die Ausrichtung im Jahr 2029 vor. Und auch in München prüft man eine Austragung im westlichen Stadtteil Freiham, Ergebnisse sollen nächstes Jahr vorliegen. „Die Idee, die Buga nach Marburg zu holen, war mit dem Ziel verknüpft, durch eine Untertunnelung oder Einhausung mehr Grünflächen und mehr Lebensqualität für die Menschen in die Stadtmitte zu holen“, heißt es von der Verwaltung auf OP-Anfrage. Über eine Bundesgartenschau ohne dieses Element müsste das Parlament „in Ruhe neu beraten“.

Für Diskussionen sorgt zudem die vom Magistrat im Zuge des Bundesverkehrswegeplans 2030 beantragte Umwidmung der B3 zwischen der Stadtgrenze und dem Gießener Nordkreuz zur Autobahn. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) hat nach OP-Informationen das Bundesverkehrsministerium aufgefordert, „das Oberzentrum Marburg unmittelbar an eine Autobahn anzubinden“. Es sei von „wirtschaftlich großer Bedeutung“. Kosten würden bei diesem Vorhaben kaum entstehen, da die Straße bereits dementsprechend ausgebaut sei.

Lediglich müssten die gelben B3- durch blaue A485-Schilder A485 ersetzt werden. Hans-Horst Althaus hält das für „einen Skandal“. Auch der Weiterbau der A49 zur A5 bringe der Stadt „endlich eine angemessene Verbindung nach Norden“, heißt es in der Stellungnahme an das Bundesverkehrsministerium. In die in dieser Woche im Bundestag beratene Verkehrswegeplan-Fassung hat es die Forderung zur A485-Umwidmung der B3, die ähnlich gelagert ist wie die 2001 geschehene Umwidmung eines Teilabschnitts der B74 zur A270 in Bremen, nicht geschafft. Umwidmungen von Straßen, auch Abstufungen von Bundes- zu Landesstraßen hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, etwa im Fall der B1 bei Soest die zur L856 wurde.

von Björn Wisker und Yannic Bakhtari

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