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Steine gegen das Vergessen

Steine gegen das Vergessen

Neue Stolpersteine sind in Gedenken an ermordete Juden in der Stadt verlegt worden.

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Barbara Wagner von der Geschichtswerkstatt und der Yoram Jacobson mit den Stolpersteinen für seine Großeltern Moritz und Toni Katz, die im Haus der Wettergasse 4 lebten. Fotos: Matthias Weber

Marburg. Insgesamt gibt es in der Stadt 69 Stolpersteine, welche die Erinnerung an getötete Marburger Juden aufrecht erhalten sollen. Die Geschichtswerkstatt verlegt diese - um auch rund 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus und der Konzentrationslager Zeichen zu setzen.

„Die Steine dienen dazu, ein Bewusstsein zu entwickeln und Geschichte erlebbar zu machen. Sie sollen dazu anregen, dass Menschen beim Laufen darauf stoßen, stehen bleiben, etwas über die Person erfahren und sich vielleicht sogar weiter informieren“, sagte Barbara Wagner.

Drei Steine wurden nun in den Boden gesetzt. Auf ihnen zu lesen: Namen, Geburtsjahr und Datum, wann die Person ermordet oder gestorben ist. Verlegt wurden sie dort, wo die Marburger einst lebten: In der Bahnhofstraße 19 wurde ein Stein zur Erinnerung an den Arzt Benno Benedict verlegt, der 1942 in Theresienstadt ermordet wurde. Der Humanmediziner, der 1921 aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgetreten war, wohnte ab 1937 im Alter von 76 Jahren in einer Altenwohnung in der Einrichtung des „Hauses der Barmherzigen Schwestern“ in der Bahnhofstraße. Über ihn ist nur wenig Material vorhanden und daher nicht viel bekannt. Zwei weitere Steine wurden vor dem Haus Wettergasse 4 verlegt.

Erinnert wird an das Ehepaar Moritz und Toni Katz. Sie betrieben ein Geschäft für Kurzwaren, Handarbeitszubehör und Babykleidung. Moritz Katz diente als Soldat im Ersten Weltkrieg. In der Reichspogromnacht 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, 1944 in Theresienstadt ermordet. Seine Frau Toni starb bereits 1939 - an den Folgen der Demütigungen durch die Nazis. Anlässlich der Verlegung der Stolpersteine ist der Enkel von Moritz und Toni Katz, Yoram Jacobson, nach Marburg gekommen. „Meine Großmutter ist durch Kummer gestorben. Mein Großvater hatte einen tragischen Tod“, sagte er.

von Matthias Weber

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