Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Staunen über die Skulpturen-Stars

Archäologie-Sammlung Staunen über die Skulpturen-Stars

Wer archäologische Funde entdecken und etwas über antike Lebenswelten erfahren möchte, denkt vielleicht an einen Besuch in Rom oder Athen. Doch auch in Marburg befinden sich ungeahnte Schätze.

Voriger Artikel
Neujahrsempfang weicht in Sporthalle aus
Nächster Artikel
Neue Heimat für 40 Kleintiere

Marburg. „Es ist schade, dass so wenige Leute in Marburg etwas von den Sammlungen wissen“, sagt Dr. Zoi Kotitsa. Die Griechin betreut seit September 2012 die Antiken- und Abguss-Sammlung des Archäologischen Seminars an der Philipps-Universität. Sie sorgte dafür, dass seit Februar 2013 auch die Öffentlichkeit Zugang zu den rund 2000 historischen Objekten der Antikensammlung hat.

„Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“, meint sie, denn durch den Umbau des Ernst-von-Hülsen-Hauses arbeitet sie in einem relativ kleinen Raum in der Biegenstraße 9, der nun zugleich für Lehre und museale Präsentation genutzt wird. Aufgrund mangelnden Personals sind die Objekte jedoch nur sonntags zwischen 11 und 13 Uhr unter Aufsicht eines ehrenamtlichen Aufsehers zu begutachten.

In fünf verschiedenen Vitrinen sind die Objekte aufgeteilt, die einen Einblick in die diversen Bereiche des antiken Lebens vermitteln sollen. Diese Themengebiete lauten „Geschichte der Sammlung“, „antike Religion“, „Leben des Mannes“, „Leben der Frau“ sowie „Handel und Handwerk“. So ist etwa im Bereich Religion ein Ohr aus Marmor zu bewundern, das wohl zum Zweck des Betens um Heilung einer Ohren-Krankheit gedient hat.

Aber auch kleine Götterstatuen, die verschiedene griechische Götter wie Athena, Apollon, Aphrodite oder Hermes zeigen, gehören zur Sammlung.

Der Alltag der Frau galt einerseits der Schönheit und Körperpflege, die durch Objekte wie einen Bronzespiegel und ein Schmuckgefäß repräsentiert ist. Ebenso befinden sich dort aber auch Handarbeitsgeräte und aus dem Bereich Kindeserziehung eine Tonpuppe, die laut Kotitsa einer „antiken Barbie“ entspricht.

Bei den Männern sind hingegen Weingefäße, Sportgeräte und Kriegs-Gegenstände zu begutachten.

In der Vitrine zu Handel und Wirtschaft befinden sich unter anderem Waren aus den konkurrierenden Handwerken der Glasmacherei und der Töpferei sowie antike Münzen.

570 Gips-Kopienvon Meisterwerken

Angelegt wurde die Sammlung vom früheren Marburger Professor Ludwig von Sybel. Seit 1878 hatte von Sybel mit dem Zusammentragen der antiken Relikte begonnen, sein Nachfolger, der Jude Paul Jakobstal, führte das Werk bis zu seiner Zwangspensionierung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1935 weiter. Heutzutage hält sich die Universität an die Unesco-Resolution gegen Raubgut-Handel, die den Export derartiger Funde aus ihrem Heimatland verbietet, sodass lediglich Schenkungen noch zu einer Vergrößerung der Sammlung führen.

Spektakuläres bietet sich dem Betrachter auch in der Abguss-Sammlung berühmter Statuen. Unter den 570 im Hülsen-Haus gelagerten Gips-Kopien sind Meisterwerke aus so ruhmvollen Kunst-Standorten wie dem Tempel des Zeus in Olympia, dem Nationalmuseum sowie dem Parthenon-Tempel in Athen, den Vatikanischen Museen in Rom, dem Louvre in Paris, dem British Museum in London, dem Pergamon-Museum in Berlin und Städten wie München, Dresden und Neapel zu sehen.

Laut Kotitsa haben die seit 1866 gesammelten Abgüsse einen „mindestens siebenstelligen“ Wert. Sie ist die einzige deutsche Sammlung, die nach dem Krieg vollständig erhalten wurde und die größte in Hessen.

Nachdem in der ursprünglichen Konstruktion des Ernst-von-Hülsen-Hauses einmal sieben Räume für die Sammlung vorgesehen waren, stehen die Statuen heute beengt in nur noch vier Räumen.

Die „wahnsinnigen Raumprobleme“ sind neben dem Mangel an Personal der Grund, warum die Abgüsse nur bei Führungen und auf Anfrage besichtigt werden können - denn für jeden Raum wird ein Aufseher benötigt.

Nach dem Umbau des Ernst-von-Hülsen-Hauses soll ein neuer Raum für die Sammlung hinzukommen, sodass „wir hoffen die Sammlung öffentlichkeitswirksam präsentieren zu können“, sagt Kotitsa. Dafür müsse es aber auch Geld von der Uni oder Spenden geben, um geeignetes Personal finanzieren zu können.

Kommenden Sonntag gibt es die nächste Führung

Dass es nicht möglich sei, mehr Menschen teilhaben zu lassen, sei allerdings sehr schade. Denn, so berichtet Kotitsa, „die Leute, die ich hier hereinführe, bleiben oft einfach nur mit offenem Mund stehen“.

Weitere Führungen mit jeweils einem Spezialthema werden in diesem Semester am Sonntag, 26. Januar, um 11.30 Uhr in der Antikensammlung und am Sonntag, 12. Januar, sowie am Sonntag, 9. Februar, jeweils um 11.30 Uhr in der Abguss-Sammlung angeboten.

von Peter Gassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr