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Star-Juristin hält Festrede bei Feier

Examensfeier der Rechtswissenschaften Star-Juristin hält Festrede bei Feier

Zur Examensfeier des Fachbereichs Jura hielt eine prominente Juristin die Festrede: die Richterin Andrea Titz, die als Pressesprecherin des Oberlandesgerichts München bundesweit bekannt wurde.

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Die Absolventen stellten sich bei der Examensfeier des Fachbereichs Rechtswissenschaften in der Alten Aula der Universität zum Gruppenfoto auf.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das NSU-Verfahren mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, der Prozess gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung oder das Verfahren gegen Formel-
1-Boss Bernie Ecclestone: Das waren nur drei besonders herausgehobene Gerichtsverfahren, bei denen Andrea Titz seit ihrer Übernahme der Leitung der Justiz-Pressestelle am Oberlandesgericht München in den Fokus der Öffentlichkeit geriet.

Während die Boulevard-Journalisten vor allem die eleganten und teilweise 
modisch extravaganten Kleider der Juristin hervorhoben, verschaffte sie sich in Justizkreisen auch durch ihre rhetorisch geschliffenen und pointierten Statements zur Rechtslage und wichtigen Verfahrensschritten Respekt.

Grund genug für den Fachbereich Jura der Philipps-Universität, die bayerische Richterin als Festrednerin zur Examensfeier am vergangenen Freitag in die Alte Aula einzuladen. Und Andrea Titz nahm die Einladung gerne an, zumal sie den Marburger Jura-Dekan Professor Sebastian Müller-Franken noch aus der gemeinsamen Zeit an der Universität Passau kannte, an der sie damals wissenschaftliche Mitarbeiterin war.

Akribische aber allgemeinverstädliche Ausführungen

Wer allerdings nun erwartete, dass Titz mit hintergründigen Anekdoten aus der buntschillernden Welt der Münchener Gerichts-Szene und der Sensationsprozesse aufwarten würde, der sah sich dann doch getäuscht. Nur behutsam streute sie zur Verdeutlichung ihrer Thesen Beispiele aus dem ­Justizalltag ein.

Über das ihr gestellte Thema der „Öffentlichkeitsarbeit der Justiz“ berichtete sie mit wissenschaftlicher Akribie, aber auch mit allgemeinverständlichem Anspruch. „Im Kern geht es um die Frage, wie viel Öffentlichkeit kann und muss Justiz leisten“, erläuterte Titz.

Dabei ging sie auch auf die Frage ein, ob sich die deutsche Justiz generell zu schwerfällig und unflexibel verhalte und dabei wichtige Informationen zu lange unter Verschluss halte. Dieses sei nicht der Fall, machte Titz deutlich. Einerseits gelte es, Geheimprozesse zu vermeiden.Allerdings dürfe es auch nicht darum gehen, nur die Neugier und Sensationslust der Gerichtsreporter zu befriedigen.

Justiz steht im Spannungsfeld

Grundsätzlich gelte folgende Regel: „Die schnelle Nachricht ist nicht immer die richtige“. Man müsse sich immer im Klaren sein, dass eine reißerische Schlagzeile über angebliche Straftaten im Internet-Zeitalter auch noch Jahre später online nachlesbar sei, sagte 
 Andrea Titz.

Mediale Vorverurteilungen, Hetzkampagnen gegen Gerichte oder sogar einzelne Richter, Absprachen zwischen Verfahrensbeteiligten: In diesem Spannungsfeld müsse die Justiz immer wieder auch den Dialog mit den Medien suchen, erläuterte 
die Münchener Juristin. Dabei sei es die wichtigste Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit, auch komplexe juristische Sachverhalte auf einen möglichst einfachen Nenner zu bringen.

Allerdings müsse man als Pressesprecher auch in der Lage sein, Fehler der Justiz zuzugeben, 
ohne sich hinter Worthülsen zu verstecken. Im Anschluss an die Einblicke in die Justiz-Öffentlichkeitsarbeit wurden 55 Absolventen geehrt. Sie gehörten zu den mehr als 100 Marburger Jura-Studierenden, die im Jahr 2015 das erste Staatsexamen erfolgreich bewältigt hatten. Jahrgangsbeste war Irina Mertke, gefolgt von Daniel Sander und Johannes Meier.

von Manfred Hitzeroth

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