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"Standort Marburg perfekt gewählt"

Braille-Festival "Standort Marburg perfekt gewählt"

Zum Abschluss des Louis-Braille-Festivals besuchten zahlreiche Besucher einen blindengerechten, ökumenischen Gottesdienst in der Elisabethkirche und ließen ein buntes Festival entspannt auf dem Kirchenvorplatz ausklingen.

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Gatis Preiss (links) und Martinsch Mamis vom Verein Tandem-Hilfen informierten über blindengerechte Tandemfahrten.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Es wurde voll am gestrigen Vormittag in der großen gotischen Hallenkirche: Eine Riesenresonanz erfuhr ein ganz besonderer, musikalischer Gottesdienst, der speziell für die Festivalbesucher ausgerichtet wurde.

Perfekt gemünzt auf den Hintergrund des Festes gestaltete sich die rege besuchte Messe für und fast ausschließlich von sehbehinderten Menschen. Die Predigt hielten Pfarrerin Dr. Christina Ernst und Gemeindereferentin Beate Schultes, die aus eigener Erfahrung vom Alltag eines blinden Menschen, von gesellschaftlichen Vorurteilen, positiven wie negativen Erlebnissen berichteten. Im Mittelpunkt standen Leitgedanken wie „das Salz der Erde - Licht der Welt“ aus der Bergpredigt, die Bedeutung und Besonderheit jedes einzelnen Menschen, die eigene und äußere Wahrnehmung und vor allem die Botschaft, das persönliche Licht „nicht unter den Scheffel zu stellen“.

Hunderte nehmen am Gottesdienst teil

So wie ein Großteil der Zuhörer waren ebenfalls die Organisatoren, Leiter wie Lektorin, Sänger oder Organisten blind. Musikalisch umrahmt wurde das besondere Event von der Fachgruppe Musik des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS), der wie die Blista in diesem Festivaljahr seinen 100. Geburtstag feiern kann und den Gottesdienst ausrichtete.

Hunderte Teilnehmer samt zahlreicher Blindenhunde nahmen an dem klangvollen Gottesdienst teil. Gut besucht waren ebenfalls die Blinden­führungen durch das eindrucksvolle historische Gemäuer, die den Kirchenbesuch perfekt ergänzten. „Das Interesse war riesig, die Plätze reichten nicht mehr aus“, konnte André Badouin, Pressesprecher des DVBS, begeistert berichten.

Das größtes europäisches Festival für blinde und sehbehinderte Menschen wurde am Freitag im Gaßmann-Stadion in Marburg eröffnet

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Im Anschluss feierten die Besucher bei Poetry-Slam und Jazzklängen im großen Festzelt vor der Kirche einen gelungenen Festival-Abschluss.

Besonders gut bei den Besuchern kam der Poetry-Slam an, der aus einem einfachen Grund auf dem Festival nicht fehlen durfte: „Bei Poetry-Slam geht es um den Klang der Sprache - ein blinder Mensch hört dabei viel intensiver zu, kann dem Ganzen besser folgen“, erklärte Poetry-Künstler Bas Böttcher.

Passend zum Motto „In Bewegung“ war auch der Verein „Tandem-Hilfen“ auf dem Fest vertreten, der über die sportliche Initiative Tandem-Sternfahrt informierte, die derzeit zum ersten Mal in Marburg stattfindet. Die Initiative organisiert gemeinsame Tandem-Camps und Fahrten quer durch das Land für sehbehinderte wie sehende Teilnehmer, die als Team gemeinsam auf Tour gehen. Hierbei biete sich die Möglichkeit auch für sehbehinderte Menschen, ohne Risiko Fahrrad zu fahren. „Tandem ist ein Paradebeispiel für Inklusion“, sagte Vereinsvorsitzender Thomas Nicolai.

Das örtlich wechselnde Fest fand mittlerweile zum dritten Mal statt, war zum ersten Mal in Marburg zu Gast. „Wir haben schon ein bisschen eine Tradition etabliert“, sagte Badouin, der eine äußerst positive Bilanz ziehen konnte. „Marburg als Standort war perfekt gewählt, das Ganze wurde toll angenommen und für jeden war etwas dabei.“ Dem stimmten auch die Besucher zu: „Es war toll, ein vielfältiges Angebot und gut koordiniert“, fand Christine Hensel aus Hannover. „Ein super Programm und viele hilfsbereite Menschen - man ist auch als Fremder nie verloren gegangen“, lobte Daniel Duderstadt.

von Ina Tannert

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