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Stalker-Prozess endet mit einem „Sieg der Vernunft“

Aus dem Amtsgericht Stalker-Prozess endet mit einem „Sieg der Vernunft“

Überraschend hat der junge Mann aus Marburg das Rechtsmittel der Berufung am zweiten Verhandlungstag zurückgenommen und das milde Urteil des Amtsgerichts vollständig, wenn auch widerwillig akzeptiert.

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Auf diesem gestellten Foto schreibt ein Mann seiner Ex-Freundin eine Droh-SMS.

Quelle: Franziska Kraufmann

Marburg. „Es hat keinen Sinn, gegen die Verschwörung bin ich machtlos“, erklärte der verärgerte 28-Jährige sein Handeln. Damit bezieht er sich auf eine angebliche Vergeltungsaktion der Geschädigten, die seiner Meinung nach gemeinsam mit zahlreichen anderen Frauen ein Komplott geschmiedet, ihn verfolgt und gegen ihn intrigiert haben soll.

Vor Gericht stand der Mann wegen eben solcher Vorwürfe. Er soll über Jahre hinweg mehrere Frauen ausdauernd gestalkt, via Internet und Handynachrichten belästigt, bedroht und mit obszönen, falschen Web-Profilen beleidigt haben (die OP berichtete).

Mit der Rücknahme der Berufung ist der Prozess beendet. „Ein Sieg der Vernunft, das war das Beste, was Sie machen konnten“, befürwortete der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm die Entscheidung.

Beklagter sieht ich als Opfer

Bereits am ersten Tag im Berufungsprozess hatten sämtliche Prozessbeteiligten zu einer Rücknahme des Rechtsmittels geraten. Insbesondere da der angehende Lehrer mit einem alles andere als positiven psychiatrischen Gutachten zu rechnen hatte. Aufgrund der Vorwürfe und seines groben, aufbrausenden Verhaltens während des ersten Prozesses hatte das Landgericht einen Gutachter bestellt, der bei dem jungen Mann bereits im Vorfeld psychopathische Tendenzen vermutete.

Auch wenn der Beschuldigte das erstinstanzliche Urteil nun annimmt, von einem Schuldeingeständnis kann dabei keine Rede sein. Nach wie vor bestreitet er die Vorwürfe, fühlt sich als Opfer der Sache und wirft seinerseits den Frauen vor, ihn belästigt und drangsaliert zu haben. „Aber da kann man wohl nichts machen“, sagte der Angeklagte.

Mit der Rücknahme der Berufung ist das Urteil rechtskräftig. Es bleibt bei einer Verurteilung wegen Nötigung, falscher Verdächtigung und Verleumdung und einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro.

von Ina Tannert

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