Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Städtebund auf der Wartburg besiegelt

25 Jahre Partnerschaft Städtebund auf der Wartburg besiegelt

Am kommenden Montag findet in Marburg die Feier anlässlich des 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Marburg-Eisenach statt. Die Partnerschaft wurde am 10. Juni 1988 auf der Wartburg unterzeichnet.

Voriger Artikel
Zwischen Vergessen und Vergeltung
Nächster Artikel
Der „kontrollierte Kontrollverlust“ soll es sein

Eine Delegation aus der Partnerstadt Eisenach wird unter der Leitung von Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Die Linke) am Montag ab 16 Uht im Marburger Rathaus zur großen Partnerschaftsfeier erwartet. Nach den offiziellen Reden von Wolf und ihrem Marburger Amtskollegen Egon Vaupel (SPD) steht anschließend ein „gemütliches Beisammensein“ an.

Etwas mehr als anderthalb Stunden beträgt die Fahrtzeit aus Marburgs thüringischer Partnerstadt. Vor 25 Jahren hätten die Eisenacher nicht so ohne weiteres nach Marburg kommen können. Und auch die Anreise für die Marburger nach Eisenach gestaltete sich deutlich schwieriger.

Silbermedaille anlässlich der Städtepartnerschaft

Denn mehr als ein Jahr vor dem Fall der Mauer und der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze war die Reise zwischen den späteren Partnerstädten durch die Teilung sehr erschwert. Immerhin war es für Marburger möglich im „kleinen Grenzverkehr vergleichsweise unbürokratisch eine Reise nach Eisenach anzumelden.

Für die Marburger Delegation war es Anfang Juni 1988 dennoch ein spezielles Unterfangen, zu dem sie für eine dreitägige Reise aufbrach. Auf der Wartburg oberhalb von Eisenach wurde eine der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaften besiegelt.

„Mag auch der Dialog zunächst von Mandatsträgern und Funktionären geführt werden, so muss er doch schließlich einmünden in das lebendige Gespräch zwischen den Bürgern der Stadt Eisenach und den Bürgern der Stadt Marburg“, betonte der damalige Marburger Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler (SPD), der Leiter der Marburger Abordnung.

Auch wenn sich durch die Ratifizierung der Städtepartnerschaft die Grenzen nicht wie Schleusentore öffnen würden sei die Partnerschaft zwischen beiden Städten ein wichtiger Schritt im Ringen um Sicherheit und Stabilität im Herzen Europas, entgegnete der Eisenacher Oberbürgermeister Joachim Klapczynski (LDPD.

Vor der feierlichen Zusammenkunft im Festsaal auf der Wartburg hatte es bereits ein Gespräch der Marburger Delegation mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche aus Eisenach gegeben. Bei einer Abendandacht in der Georgenkirche hatte der katholische Pfarrer Hans-Andreas Egenolf an die Verbundenheit der beiden Städte durch die heilige Elisabeth erinnert.

Elisabeth von Thüringen hatte im 13. Jahrhundert zunächst als Landgräfin am Hof auf der Wartburg residiert, ehe sie sich nach dem Tod ihres Ehemanns Landgraf Ludwig von Thüringen für vier Jahre nach Marburg zurückzog, wo sie auf ihren Besitz verzichtete und ein Hospital für Arme gründete.

Eigens anlässlich der Städtepartnerschaft wurde damals übrigens im Auftrag der Marburger Stadtsparkasse eine Silbermedaille geprägt, auf der die Wartburg und das Marburger Landgrafenschloss abgebildet waren.

Ein Mitglied der Marburger Delegation war Heinrich Löwer: Der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende und heutige Stadtverordnetenvorsteher erinnert sich noch an viele Einzelheiten des Besuchs in Eisenach und auf der Wartburg.

„Einmalige Schritte“

„Wir waren uns damals bewusst, dass wir Schritte gehen, die einmalig sind“, sagte Löwer im Gespräch mit der OP. Allzu große Euphorie hätte es bei den Marburger Kommunalpolitikern vor der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden jedoch nicht gegeben. Stattdessen habe eine sehr realistische Grundhaltung vorgeherrscht.

Bereits zwei Wochen vor der Ratifizierung des Vertrags in Thüringen war der Partnerschaftsvertrag in Marburg in der Alten Aula der Universität unterzeichnet worden, wozu eine sechsköpfige Delegation aus Eisenach angereist war. Für das Jahr 1989 waren damals bereits einige Austausch-Besuche geplant worden. So gab es unter anderem das Vorhaben eines Handballspiels einer Marburger Mannschaft in Eisenach. Bekanntermaßen gab es nach dem Mauerfall im November 1989 sehr viel mehr Begegnungen zwischen Marburgern und Eisenachern, als es sich die Architekten der Städtepartnerschaft vorher hätten träumen lassen.

Mittlerweile ist auch in der Städtepartnerschaft zwischen Eisenach und Marburg der Alltag eingekehrt. Dank der Grenzöffnung sind jedoch in den vergangenen rund zweieinhalb Jahrzehnten viele enge Freundschaften zwischen den Einwohnern Marburgs und Eisenach entstanden, und es gibt auch regelmäßige Kontakte zwischen Schulen und Vereinen.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr