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Stadtwerke planen Mini-Windrad bei Wehrshausen

Windkraft in Marburg Stadtwerke planen Mini-Windrad bei Wehrshausen

Die Marburger Stadtwerke wollen eine Mini-Windkraftanlage unweit des Gasthofs Sellhof im Stadtteil Wehrshausen errichten, die der Eigenstromversorgung dient.

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Auf der Kuppe in Wehrshausen steht ein neun Meter hohes ehemaliges Lehr-Windrad, das für den Physik-Unterricht einer Schule angefertigt wurde. Eine größere Windanlage soll Strom zum Betrieb des Wasserhochbehälters liefern. Fotos: Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Klaus Abel, der Inhaber der Ausflugsgaststätte Sellhof in Wehrshausen, ist empört. Dass die Stadtwerke eine kleine Windkraftanlage in unmittelbarer Nähe des Sellhofs planen, in dem er auch seinen Wohnsitz hat, verärgert ihn sehr. „Wir haben hier einen großen Biergarten. Jeder der Gäste wird auf das Windrad schauen“, sagte Abel gegenüber der OP. Zudem befürchtet er, dass die Windkraftanlage bei schönem Wetter Schatten werfen würde, und er hat auch Angst vor einer Geräuschbelästigung. Insgesamt sieht er sogar die wirtschaftliche Existenz seiner Gaststätte davon bedroht. Von den Plänen der Stadtwerke hat er erfahren, weil die Stadtwerke ihn als Inhaber des angrenzenden Grundstücks benachrichtigt haben. Seine Bedenken hat Abel an den Wehrshäuser Ortsvorsteher Andreas Bergmann weitergegeben, der darüber in der nächsten Ortsbeiratssitzung beraten will.

Reiner Kühne, Technischer Leiter und einer der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke, versteht die Aufregung nicht. „Man wird die Anlage vom Sellhof aus fast gar nicht sehen.“ Zudem werde der vorgeschriebene Mindestabstand von 0,4 Metern mal der Bauwerkshöhe zu einem bewohnten Grundstück deutlich eingehalten.

Die Stadtwerke planen auf einer Kuppe in Wehrshausen oberhalb von Marburg den Bau einer 24,5 Meter hohen Windkraftanlage. „Das ist eine kleine Anlage“, betont Kühne. Ziel sei es, damit pro Jahr zwischen 10000 und 12000 Kilowattstunden Strom zu erzeugen. Diese sollten dann vorwiegend zur Deckung des Eigenbedarfs der Anlagen der Stadtwerke auf diesem Grundstück dienen. Dort steht ein Wasserhochbehälter mit einer Steuerungsanlage, ein Trinkwasserreservoir, von dem aus das Wasser zur Versorgung eines Teils von Marburg nach unten gepumpt wird. Zudem stehen auf dem Gelände noch Funkmasten, die unter anderem den Funkverkehr der Stadtwerke-Busse und anderer Fahrzeuge mit unterstützen.

Wegen dieser Funkmasten schied auch in den 90er Jahren der Wehrshäuser Standort als Standort für eine „große“ Windkraftanlage aus, erläuterte Kühne. Dabei habe die Windgeschwindigkeitsmessung damals immerhin ergeben, dass dieser Standort ein „A-Standort“ - also besonders geeignet - gewesen sei. Dort steht bereits ein „Mini-Mini-Windrad“, das mit neun Metern Höhe noch eine Nummer kleiner ist als das jetzt in Planung befindliche Objekt. Es wurde einst im Physik-Unterricht einer Marburger Schule hergestellt und von den Stadtwerken übernommen, liefert aber nur rund ein Prozent der für das am Sellhof angestrebte neue Windrad avisierten Stromleistung. Noch bis zum Ende des Jahres soll der Bauantrag für das geplante Mini-Windrad gestellt werden. Für die Baugenehmigung sei das Bauamt der Stadt Marburg zuständig, erläutert Kühne. Wegen der geringen Höhe des geplanten Windrades benötige man dafür auch keine weitere formale Abstimmung, wie beispielsweise bei den anderen größeren Wind-Projekten des Magistrats. Die Stadtwerke planen mit Kosten zwischen 20000 und 40000 Euro für ihr Vorhaben, je nachdem welches Modell eines Mini-Windrades sie anschaffen würden. Bis Sommer 2015 könnte es errichtet werden. Es wäre auch ein Pilotprojekt für das Tochterunternehmen der Stadt, ob sich eine solche Investition der Eigenstromproduktion rechnet.

von Manfred Hitzeroth

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