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Stadtwerke: Strom, Verkehr - Verlag?

Zukauf Stadtwerke: Strom, Verkehr - Verlag?

Stadtfest-Sicherung, Job-Rettung, Firmen-Zerschlagung: Die Stadtwerke wollen am Donnerstag den Kauf des „Marbuch Verlags“ vom Aufsichtsrat beschließen lassen und im Zuge dessen auch ihre Kundenwerbung intensivieren.

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Die Stadtwerke „Am Krekel“ sind bislang vor allem in den Branchen Energie und Verkehr tätig.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Kaufpreis, den die Stadtwerke für den Herausgeber der Stadtmagazine „Express“ und „Marbuch“ zahlen würden, beträgt 86000 Euro. Ab 1. Januar 2017 soll der „Marbuch Verlag“ dem städtischen Eigenbetrieb und damit letztlich der Stadt Marburg gehören.

Ein kommunales Verkehrs- und Energieunternehmen kauft in Zeiten der öffentlichen Finanznot einen kriselnden Verlag - wie passt das zusammen? Die Begründung der Geschäftsführung: „Der sich ständig verschärfende Wettbewerb im Gas- und Stromvertrieb erfordert für die Stadtwerke in Bezug auf ­ihre Marketingaktivitäten die Erschließung und Nutzung neuer­ innovativer Vertriebskanäle.“ Die Übernahme der Produkte sowie den vorhandenen Kontakten des Verlags eröffne eine „kostengünstige Verbesserung und einen Ausbau“ der Kundenakquise. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die der OP vorliegen.

Als Geschäftsführer eingesetzt wird demnach Stadtwerke-Chef Norbert Schüren,­ dessen Frau den Schüren-Verlag in der Universitätsstraße betreibt. „Publizistische Tätig­keiten werden nach einem Verlagskauf aber kein weiterer Schwerpunkt der Stadtwerke sein“, sagt Schüren auf OP-Anfrage. Denn: Neben­ der Ausdehnung von Werbung und Kundenakquise gehe es dem kommunalen Eigenbetrieb - auf Bitten der Stadtspitze - um die Rettung von „3 Tage Marburg“, das der „Marbuch Verlag“ veranstaltet und organisiert. Das Volksfest ist neben „Express“, „Marbuch“ und städtischen Aufträgen wie etwa der Druck des Monatsmagazins „Studier mal Marburg“ eine der Haupteinnahmequellen des Verlags mit Sitz in der Ernst-Giller-Straße.

Und die nächste Sommer-Party im Juli 2017 steht offenbar auf der Kippe seit Verlags-Geschäftsführer Peter­ Mannshardt die Stadtverwaltung vor einigen Wochen­ ­über die ­bevorstehende Schließung seiner Firma informierte. „Die geplante Kaufaktion dient vor allem dem Erhalt des Stadtfests und der Absicherung städtischer Aufträge“, sagt Schüren. Man peile jedenfalls keine gravierenden organisatorischen Veränderungen an, „eine Vergrößerung ist nicht geplant, es geht darum, Kontinuität zu schaffen, das Fest selbst, das Know-how und Kontakte drum herum nicht untergehen zu lassen“.

„Marbuch Verlag“ schlägt andere Angebote aus

Alle Mitarbeiter - Redaktion und Illustration - die nicht 2017 in Rente gehen, sollen von den Stadtwerken übernommen werden. „Diese hinzukommende­ kreative Belegschaft ist für uns nötig, sie verlängern unsere­ Werkbank, wodurch wir die für uns wichtige Werbung, das ­Marketing, noch besser in den Griff bekommen“, sagt Schüren. Die Stadtwerke, deren Pressestelle weiterhin unbesetzt ist, erstellen bereits ein Kunden-magazin, das landkreisweit erscheint. Auch für dieses Marketingerzeugnis erhofft sich Schüren durch das zusätzliche Personal „Stärkungen und Verbesserungen“.

Peter Mannshardt will den Verlag seit Jahren verkaufen - und es gab nach OP-Informationen Kooperations- und Kaufinteressenten aus der Privatwirtschaft. Die Offerten wurden abgelehnt - bis Marburgs städtischer ­Eigenbetrieb nun ein ­Angebot unterbreitete und den Zuschlag erhielt.

Auf den Kauf soll dann die Zerschlagung folgen: Nachdem die Organisation des Stadtfests für Juli 2017 und die generelle ­Sicherung städtischer Aufträge gestemmt sei, werde man „ventilieren, ob und wenn ja welche bisherigen Produkte sinnvoll fortzusetzen sind“, sagt Schüren. Klar ist indes, dass die Gießener Version des „Express“ nicht bestehen bleiben wird. „Für uns machen Aktivitäten in diesem Gebiet keinen Sinn.“ Sobald es Interessenten für einzelne Erzeugnisse gebe, strebe man Weiterverkäufe an. Dass Schüren mit seinem Verlag selbst ­Angebote abgibt, sei angesichts der Spezifikation auf Sach-büchern unwahrscheinlich.

Der Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender seit Kurzem nicht mehr Dr. Franz Kahle (Grüne), sondern Dr. Thomas Spies (SPD) ist, beschäftigt sich am Donnerstag mit dem geplanten Kauf. Spies auf OP-Anfrage: „Der Verlag ist bei den Stadtwerken nur vorübergehend geparkt.“ Es gebe abgesehen von den Aspekten der Stadtfest-Organisation „kein Interesse an einer dauerhaften Verlagsbeteiligung“ seitens der Stadt oder ihres Eigenbetriebs.

von Björn Wisker

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