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Stadträtin sieht „keine Verbindung zu Verbrechen“

Relief über Zollamt-Eingang Stadträtin sieht „keine Verbindung zu Verbrechen“

Das Bildrelief, das über dem Eingang des Zollamtes in der Ernst-Giller-Straße hängt, bot Jan Schalauske den Anlass für eine Anfrage an den ­Magistrat im Marburger Stadtparlament.

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Das Relief über dem Eingang des Zollamtes.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Aus Sicht des „Linken“-Fraktionsvorsitzenden Jan Schalauske zeigt das Kunstwerk über dem Eingang eine „stereotyp-koloniale Darstellung von vier Menschen. Mit einer kleinen Anfrage im Stadtparlament erbat Schalauske genauere Aufklärung vom Magistrat. Zugleich fragte er, ob der Magistrat diese Darstellung im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialgeschichte und der Rolle der Militäreinheit Marburger Jäger noch für zeitgemäß halte.

Weil die Fragestunde in der Dezembersitzung ausfiel, wurden alle Fragen nur schriftlich beantwortet. „Die ästhetische Gestaltung des Reliefs entspricht sicher nicht heutigen ästhetisch-sozialen Vorstellungen und Ansprüchen“, erläuterte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) in ihrer schriftlichen Antwort auf Schalauskes Frage.

"Bedeutende Wirtschaftszweige des Marburger Landes"

Allerdings dürfe das wohl für viele historische Darstellungen gelten, ergänzte Weinbach. Aus Sicht des Magistrats sei aber ­eine direkte Verbindung zu der in einer Marburger Stadtschrift ausführlich aufgearbeiteten Geschichte der Marburger Jäger und ihrer Beteiligung an Kriegsverbrechen und Massenmorden nicht ableitbar. In der Marburger Denkmaltopografie heiße es, dass das Relief als Schmuck des zwischen 1949 und 1953 errichteten Gebäudes des Hauptzollamtes „der Funktion des Gebäudes entsprechend Vertreter und landestypische Waren anderer Kontinente“ zeige. Mit seiner intakten Innenausstattung und seiner durch das Relief auch nach außen hin ablesbaren Funktion stelle es aus bau-, siedlungs- und sozialgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal dar, heißt es in der Denkmaltopografie.

In einer Stellungnahme des Hauptzollamtes Gießen wird noch genauer auf die Darstellung der Figuren auf dem Relief eingegangen.

„So symbolisieren die Menschen auf der rechten Seite damals bedeutende Wirtschaftszweige des Marburger Landes, nämlich die Eisen- und Stahlindustrie und die pharmazeutische Industrie in der Stadt Marburg“, teilt das Hauptzollamt mit. Diese seien beispielhaft für den Ausfuhrhandel deutscher Firmen in der damaligen Zeit auf dem Kunstwerk festgehalten.

Die linke Seite solle die zweite Aufgabe des Zollamtes widerspiegeln - die Überwachung des Einfuhrhandels aus aller Welt. Bananen, Kaffee, Reis sowie exotische Früchte seien ausgewählte Beispiele dafür.

von Manfred Hitzeroth

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