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Stadthalle wird um 25 Prozent teurer

Neue Baukostenschätzung Stadthalle wird um 25 Prozent teurer

Schlechte Nachrichten von der Stadthalle: Der Bau wird noch einmal deutlich teurer – und soll erst im Mai eröffnet werden.

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Der Umbau der Stadthalle wird noch teurer als erwartet.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Für Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen) ist die Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Planung kein Problem: Sie sei „unerfreulich, aber „nicht außerhalb jeglicher Erwartung“.

Das Stadtparlament hatte im November 2012 den Umbau der Stadthalle mit einem Kostenumfang von 28,7 Millionen Euro beschlossen und in den Haushalt 2015/2016 weitere 4,3 Millionen Euro eingestellt. Dies entsprach einem „Nachschlag“ von 15 Prozent und damit dem Mehrbedarf, der laut Magistrat bei Projekten vergleichbarer Größenordnung entstehen kann. „Wir hatten die Stadtverordnetenversammlung vor der Beschlussfassung darüber informiert, dass die Bausumme noch um bis zu 15 Prozent steigen kann“, sagte Kahle der OP.

Laut dem „Bausachstandsbericht“ der Projektsteuerer Drees & Sommer, den der Magistrat jetzt dem Parlament zur „Kenntnisnahme“ vorlegt, ist dieser „normale Rahmen“ nun aber gesprengt worden. Die Gutachter melden höhere Kosten in Höhe von weiteren 2,95 Millionen Euro, insgesamt gegenüber der Ursprungsplanung also um gut 7 Millionen Euro.

Stötzel rechnet versteckte Kosten vor

Dennoch habe sich die Strategie des Magistrats bewährt, die Stadthalle nicht neu zu bauen, sondern umzubauen, sagte Kahle am Montag der OP. Die CDU hatte den Neubau eines großen Veranstaltungshauses auf der anderen Lahnseite vorgeschlagen und hatte dafür Kosten von 40 Millionen Euro angenommen. „Der Umbau des alten Gebäudes ist jetzt schon teurer als ein Neubau“, schimpft CDU-Fraktionsvorsitzender Wieland Stötzel, der zudem damit rechnet, dass die jetzt bekannten 35,6 Millionen Euro noch nicht die endgültige Bausumme sind.

Stötzel rechnet zu den offiziellen Kosten weitere Posten hinzu, etwa für die Gestaltung des Stadthallenumfeldes, für die Mieten während der Umbauzeit und anderes. Diese Positionen seien in anderen Haushaltsposten versteckt worden. „Wenn man ehrlich ist, müssen wir eher von 50 Millionen Kosten ausgehen als von 40“, so der christdemokratische Oppositionsführer.

Der Magistrat hält dagegen, dass der Entscheidung des Parlaments im November 2012 auch eine Schätzung der Kosten für einen Neubau zugrundegelegen habe. Der wurde damals mit 43,8 Millionen Euro veranschlagt – ohne dass Kostensteigerungen von 10 bis 15 Prozent mit einkalkuliert wurden.

CDU-Chef Range: „Handfester Skandal“

Kahle führt ein weiteres Argument an: Im Laufe der Umbauarbeiten seien Entscheidungen gefallen, die zwar zu höheren Kosten geführt hätten, aber weniger Unterhaltungskosten nach sich ziehen. Er nennt etwa die Heizung oder die Umstellung auf LED-Leuchten.

Fest scheint dennoch zu stehen, dass die neue Baukostenschätzung zu neuem, heftigem politischen Streit führen wird. Marburgs CDU-Chef Matthias Range spricht von einem „handfesten Skandal“ und vergleicht den Bau schon mit dem Limburger Bischofssitz oder dem Berliner Flughafen. „Die Stadthalle ist ein weiteres unsägliches Beispiel verfehlter Planungspolitik und ein wiederholtes Versagen des Baudezernenten“, sagt Range.
Differenziert nach den künftigen Nutzern der Stadthalle – oder des Erwin-Piscator-Hauses, wie das Gebäude künftig ausschließlich genannt werden soll – betragen die Baukosten nach dem gegenwärtigen Stand

- für den Stadthallenveranstaltungsservice einschließlich Landestheater und Gastronomie 20,1 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer (ursprüngliches Budget: 16,2 Millionen Euro)

-  für das KFZ 4,8 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer (ursprüngliches Budget: 3,9 Millionen Euro)

-  für die Marburg Tourismus und Marketing GmbH 3,0 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer (ursprüngliches Budget: 2,4 Millionen Euro)

-  für die Martin-Luther-Schule 2,1 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer (ursprüngliches Budget: 1,7 Millionen Euro).

Kahle geht davon aus, dass das Parlament die zusätzlichen Kosten von knapp drei Millionen Euro entweder im Nachtragshaushalt für 2016 oder im Haushalt für 2017 beschließen kann. Stötzel weist aber darauf hin, dass 2016 auf die Stadt zusätzliche Belastungen wegen der zusätzlichen Gewerbesteuer-Einnahmen zukommen.

Neuer Einweihungstermin für die Stadthalle ist nach Einschätzung des Magistrats jetzt Mai 2016. Die Außenarbeiten an der Biegenstraße können sich, so Kahle, noch bis zum Herbst 2016 hinziehen.

von Till Conrad

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