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Stadthalle: Kritiker fürchten Kostenfalle

Sanierung wird teurer Stadthalle: Kritiker fürchten Kostenfalle

"Kostenexplosion" versus "Normalität": Die Mehrausgaben im Zuge der Stadthallen-Sanierung und die Forderung der CDU nach einem sofortigen Baustopp an der Biegenstraße befeuern eine Debatte in der Marburger Stadtpolitik.

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Vom Erwin-Piscator-Haus bleibt nur der Große Saal als Kernstück erhalten. Die Sanierung wird Bauamtsleiter Jürgen Rausch (kleines Bild) zufolge teurer als geplant. Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Das ist jetzt schon eine Kosten-Explosion, wenn man bedenkt, von welchen Zahlen zu Beginn der Planung gesprochen wurde“, sagt Stefan Schartner (FDP). „Aus ein paar Millionen werden 28,29,30 Millionen Euro und jetzt noch mehr“. Das sei eine „sehr kritische Entwicklung“ und bestärke die Sanierungs-Gegner in der Haltung, dass ein Neubau die bessere Lösung gewesen wäre.

Bauamtsleiter Jürgen Rausch sprach von Mehrkosten zwischen zehn bis 15 Prozent, mit denen man im Zuge der Stadthallen-Sanierung rechnen müsse (OP berichtete). Die 28,7 Millionen Euro, die von 2013 bis 2017 locker gemacht werden sollen, könnten demnach nicht reichen, bis zu drei Millionen Euro müssten nachgeschossen werden. Brisant: Im aktuellen Haushaltsentwurf sind neben den 28,7 Millionen bereits weitere 2,9 Millionen Euro für die Außenanlagen der Stadt-halle veranschlagt - als getrennter Posten. „Hier wird getrickst. Wir sind schon längst bei mehr als 31 Millionen Euro“, sagt Roger Pfalz, CDU-Finanzpolitiker.

Wieland Stötzel, Fraktionschef der Konservativen fordert daher einen Baustopp. Er will ein neues Veranstaltungs-Zentrum in der Wilhelm-Röpke-Straße.

"Nach Limburg hat auch Marburg sein 31-Millionen Projekt"

FDP-Mann Schartner erteilt diesem Vorhaben eine Absage: „Es wurde schon zu viel Mühe und Geld in das Ziel, die Sanierung investiert.“ Bei einem Baustopp drohe auf Jahre „eine Ruine in der Innenstadt“. Ein Grund, wieso das Mammut-Projekt teurer wird, ist nach Angaben der Stadtverwaltung die Beseitigung von plötzlich entdeckten Schadstoffen wie etwa Asbest.

Bürgermeister und Baudezernent Franz Kahle (Grüne) bekräftigte, „dass ein Neubau trotz allem teurer wäre als eine Sanierung.“ Die Stadtkoalition sieht die Kostensteigerung gelassen: „Das bei dem Bau in so einer Größenordnung etwas Unvorhergesehenes passieren kann, ist vorab klar gewesen“, sagt Steffen Rink (SPD). Um wie viel Euro die Sanierung am Ende tatsächlich teurer werde, sei „reine Spekulation“. Aber: „Wir gehen erstmal nur von dem Betrag aus, mit dem geplant wurde.“ Dietmar Göttling (Grüne) ergänzt: „Ein gewisser Puffer wird benötigt, weil bei Arbeiten im Bestand immer unerwartet Probleme auftauchen können.“ Die Marburger Linke springt Rot-Grün zur Seite: „Zusatzkosten in dem kalkulierten Rahmen von bis zu 15 Prozent sind bei so einem Vorhaben normal. Man muss die Steigerungen aber im Auge behalten“, sagt Henning Köster-Sollwedel. Zum Standort Biegenstraße stehe man. Göttling sagt: „Absurdes Theater der CDU! Auf deren favorisiertem Grundstück stehen noch bis mindestens 2025 die Uni-Türme.“

Kritik üben OP-Leser gestern etwa via Facebook im Internet: „Von den geplanten 20 Millionen sind wir ja schon eine ganze Ecke entfernt. Es hätten auch weitere Gefahren, etwa Absenkung des Grundwasserspiegels, vermieden werden können“, schreibt Uwe Gerhard. „Die Gesamtkosten werden am Ende wahrscheinlich noch deutlich höher liegen, als es momentan absehbar ist“, ergänzt er. „Das wird um ein Vielfaches mehr werden“ ,schreibt auch Hans-Walter Putze. Uschi Strauß zieht den Vergleich zu den Großprojekten und Geldgräbern in Metropolen: „Hat was vom Berliner Flughafen und der Elbphilharmonie“. Und Dr. Konrad Wundt schreibt: „Nach Limburg hat nun auch Marburg sein 31-Millionen-Projekt!“

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