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Stadtfest-Schläger muss ins Gefängnis

Berufung gescheitert Stadtfest-Schläger muss ins Gefängnis

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss ein 30-Jähriger für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Auf dem Stadtfest 2012 schlug er mit einer Glasflasche auf einen Amöneburger (38) ein.

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Quelle: RS/pixelio

Marburg. Ein Wortgefecht zwischen der Ex-Frau des Opfers und dessen Schwester löste die Schlägerei der beiden Männer aus. Die 27-jährige ehemalige Geliebte des geschädigten Handwerkers aus Amöneburg habe sich eigenen Aussagen zufolge wüste Beschimpfungen darüber anhören müssen, dass sie nach der Trennung mit ihrem neuen Freund zusammen sei. Dieser, der 30-jährige Angeklagte, befindet sich seit Jahren im Clinch mit der Familie des Opfers. „Von denen muss ich alles Schlechte erwarten, ich habe Angst vor ihnen“, sagte der in Stadtallendorf arbeitende Produktionshelfer. Er habe aus reiner Notwehr gehandelt.

Komplizierte Zeugenbefragungen

Was war geschehen? Während des Stadtfests „3 Tage Marburg“ im Juli 2012 eilte das spätere Opfer seiner Schwester zur Hilfe als der Streit zwischen ihr und der Ex-Frau zu eskalieren drohte. „Und ehe ich mich versehe, schlägt etwas Hartes auf meinem Kopf ein, ich gehe zu Boden und spüre weitere Schläge und Tritte“, sagt der Amöneburger. Dass es sich um eine Glasflasche gehandelt haben muss, habe er nach kurzer Bewusstlosigkeit im Schlosspark erst im Krankenhaus gemerkt. „Ich habe mir aus der blutenden Kopfwunde Splitter heraus gezogen“, erinnert sich der Mann, der auch als Nebenkläger auftrat. Die Zeugen-Vernehmung gestaltete sich für die Kammer jedoch schwierig. Denn alle Beobachter sind entweder Freunde oder Verwandte des Angeklagten oder des Opfers - im Falle der 27-Jährigen ist sie von dem einen noch nicht geschieden und mit dem anderen in einer Beziehung. Der Vorsitzende der Kammer, Hans-Werner Lange wies zwar alle auf die drohenden Strafen nach einem Meineid hin, doch nach Überzeugung des Gerichts verschwiegen einige trotzdem die Wahrheit, stellten sich dumm. „Wir hören hier von jedem eine andere Version. Oder Leute sagen, obwohl sie selbst nur zwei Meter entfernt standen, dass sie nicht gesehen hätten wie der eine mit einer Flasche schlägt oder der andere blutend am Boden liegt“, sagt Lange.

Angeklagter ist mehrfach vorbestraft

Lediglich ein Zeuge, ein 48-Jähriger aus Stadtallendorf war nicht mit einem der verfeindeten Lager verbandelt. Auf seine Aussage sollten sich später Anklage und Gericht stützen: „Der Beschuldigte holte zum Schlag gegen den Kopf aus, dann fiel der Angegriffene um und erhielt noch einen Schlag. Ich sah dann, wie auf dem Kopf eine Flasche zerschepperte.“ Der Angeklagte konterte, dass er zuerst mit Faustschlägen attackiert worden sei. Das glaubte ihm die Staatsanwaltschaft nicht. Deren Plädoyer: „Vorsätzliche Körperverletzung mit schlimmen Folgen, dazu die Vorstrafen - schon die Strafe des Amtsgerichts ist viel zu niedrig. Wir hätten damals in Berufung gehen sollen, um sie härter, angemessen zu verurteilen“, sagte die Staatsanwältin. Da das Gesetz das in diesem Fall nicht zulasse, müsse aber „wenigstens die Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten bestätigt werden“. Denn: Der 30-Jährige aus Kirchhain war lediglich auf Bewährung frei und mehrfach vorbestraft - unter anderem wegen Drogenhandels.

Rechtsanwalt Thomas Strecker versuchte zwar, die Strafe auf ein Bewährungsmaß, also unter zwei Jahren Freiheitsstrafe, zu reduzieren. Doch das Landgericht schmetterte die Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts ab. „Für einen doppelten Bewährungs-Versager ist das nach so einer Tat ein angemessenes Urteil“, sagt Lange.

von Björn Wisker

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