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Stadt will „weg vom Lagercharakter“

Flüchtlingsunterkunft Stadt will „weg vom Lagercharakter“

Noch in diesem Jahr sollen auf dem Gebiet des jetzigen Zeltcamps feste Unterkünfte stehen, die bis zu 850 Menschen beherbergen können. Das wurde am Mittwoch im Sozialausschuss bekannt.

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Die Unterbringung von Flüchtlingen in der Erstaufnahme-Außenstelle an der Umgehungsstraße in Cappel soll dauerhaft und menschenwürdig werden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Unterbringung von Flüchtlingen wird, da ist sich Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sicher, zu einer „dauerhaften Aufgabe“ auch für Marburg. Umso wichtiger, und das betonen alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung gemeinsam, ist es, dass „die dann notwendigen festen Unterkünfte so gestaltet sind, dass sie eine menschenwürdige, die Intimsphäre und die familiären Beziehungen berücksichtigende Unterbringung ermöglichen.“ Der Situation der Frauen müsse dabei besondere Beachtung geschenkt werden.

Auch Vaupel hatte gegenüber dem Land die Einhaltung bestimmter Unterbringungsstandards zur Bedingung für die Einrichtung einer dauerhaften Erstaufnahme-Außenstelle gemacht. Dazu gehören Gebäude, die „ein Mindestmaß an Privatsphäre“ ermöglichen und auch die gemeinsame Unterbringung von Familien ermöglichen. Die Holzhäuser, mit deren Lieferung das Land eine heimische Firma beauftragen will, sollen diese Voraussetzung bieten.

Sie sollen weniger als 40 Meter lang und zweistöckig sein. Sie sind in Zimmer mit einer Größe von etwa 26 Quadratmetern aufgeteilt, in der vier, im Notfall auch acht Menschen untergebracht werden. Ein Laubengang ermöglicht jedem Zimmer einen eigenen Zugang von außen. Auf jeder Etage soll es jeweils einen Gemeinschaftswaschraum für Männer und Frauen geben. „Das sind immer noch keine guten Wohnverhältnisse, aber es ist dann akzeptabel“, sagt der OB.

In vier bis sechs Wochen soll das erste Haus stehen

Als Wirtschaftsförderungsdezernent freute sich Vaupel, dass das Land die Zusage für einen heimischen Anbieter gegeben hat. Die geplante Summe von etwa 4 Millionen Euro bleibt damit in der Region, sagte der OB. „Damit wird das heimische Handwerk gefördert.“ Nach seinen Informationen liegt das Angebot aus dem Landkreis bei einem Bruchteil dessen, was gegenwärtig in der Branche gefordert wird.

Die Bauplanung wird bei der Stadt liegen, ein Arbeitstreffen verschiedener städtischer Ämter ist für die kommende Woche schon angesetzt. „Wir wollen die Häuser so anordnen, dass wir ein Stück weg vom Lagercharakter kommen“, sagte Vaupel im Sozialausschuss. Idee: Die Häuser sollen so angeordnet werden, dass eine Art „Dorfmittelpunkt“ entsteht. Zudem soll die Zufahrt zum Camp anders geregelt werden. Vaupel rechnet mit einer Lieferzeit von vier bis sechs Wochen für das erste Haus, die anderen könnten danach sukzessive entstehen.

In ihrem Antrag fordern die Stadtverordneten, „die vorbildlichen Unterstützungsstrukturen für die Menschen in der Außenstelle Marburg der Erstaufnahmeeinrichtung in der Kooperation von Stadtverwaltung, beteiligten Trägern und Einrichtungen sowie dem freiwilligen Engagement Marburger Bürgerinnen und Bürger auch über das Ende des Zeltcamps hinaus zu verstetigen“.

Derzeit sei die Stadt da auf einem guten Weg, sagte Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz. Derzeit engagieren sich 750 Marburgerinnen und Marburger ehrenamtlich beim Sprachunterricht, in der Essensausgabe, bei der Kinderbetreuung oder bei anderen Aufgaben.

von Till Conrad

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