Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Stadt stellt ihre Angebote vor

Flüchtlingscamp Stadt stellt ihre Angebote vor

Die Marburger Camp-Anlaufstelle direkt neben dem Zeltcamp an der Umgehungsstraße ist gestern offiziell eröffnet worden.

Voriger Artikel
"Ganz nah an den Menschen dran"
Nächster Artikel
Richtiges Wählen will gelernt sein

Gudrun Fleck-Delnavaz (3. von rechts) und ihre Mitarbeiterinnen, hier in den Räumen der Kinderbetreuung, stellten ihre Angebote fü die Flüchtlinge vor.

Quelle: Till Conrad

Marburg. In den Räumen der Praxis-Klinik „Im Rudert 2“ nimmt die Anlaufstelle für die Betreuung der Flüchtlinge im nebenan befindlichen Zeltcamp ihre Arbeit auf. Gestern stellten die Marburger Flüchtlings-Koordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz, Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und Cappels Ortsvorsteher Heinz Wahlers (SPD) die Einrichtung vor.

Eigentlich müsste es diese Einrichtung nicht geben. Vaupel machte aber deutlich, dass schon von dem Zeitpunkt an, als der Regierungspräsident die Stadt darum bat, mehrere hundert Flüchtlinge für einen begrenzten Zeitraum in einem Zeltlager aufzunehmen, klar war, dass die Stadt die landesweit gültigen Standards für die Erstunterbringung von Flüchtlingen aufstocken wird.

Koordinatorin und Multiplikatorinnen koordinieren Hilfe

Bauen kann die Stadt dabei auf eine „überwältigende“ Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Mehr als 300 Menschen haben ehrenamtlich ihre Mitarbeit in einem ausgefüllten Online-Fragebogen angeboten, insgesamt, so Stadtsprecherin Sabine Preisler, gibt es mehr als 2000 Hilfsangebote. Das neue Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes Im Rudert 13 wird nach wie vor nahezu im Minutentakt von Menschen angefahren, die Sachspenden abgeben wollen.

Diese zahlreichen Hilfsangebote zu koordinieren, ist derzeit die Hauptaufgabe von Flüchtlings-Koordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz. Sie hat inzwischen einen Stab von „Multiplikatorinnen“ um sich versammelt, freiwilligen Helferinnen, die sich ursprünglich einmal für die Betreuung der fest hier lebenden Flüchtlinge gemeldet hatten, aber in der aktuellen „Notsituation“ nun umgesattelt sind. Sie sollen das Bindeglied zwischen der Flüchtlingskoordinatorin und die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen (und den weniger zahlreichen ehrenamtlichen Helfern) sein, die in den nächsten Tagen eingeteilt werden.

Ab sofort ist die Marburger Camp-Anlaufstelle montags bis freitags von 9 bis 12 sowie von 14 bis 17 Uhr für Flüchtlinge wie auch für Marburger und Marburgerinnen geöffnet. Ziel ist unter anderem auch, dass die Anlaufstelle ein Ort wird, an dem persönliche Kontakte ermöglicht werden.

Eine zweite wesentliche Funkltion soll die Anlaufstelle erfüllen: Sie soll Flüchtlingen die Möglichkeit geben, mit ihrer Heimat, mit ihrer Familie Kontakt aufzunehmen. „Man muss sich vorstellen, dass Angehörige von Flüchtlingen teils noch nicht einmal wissen, ob die noch leben“, machte Vaupel deutlich. Die Stadtwerke Marburg versorgen das Gebäude deswegen gerade mit WLAN. Außerdem will die Stadt Handys vorhalten und dadurch die Möglichkeit geben, dass sich Flüchtlinge per Skype von der Anlaufstelle aus mit ihrer Heimat in Verbindung setzen.

Besondere Angebote in der Anlaufstelle:

  • Alltagstraining ab Mittwoch, 22. Juli, montags bis freitags 14 bis 17 Uhr. Hier sollen Menschen mit Situationen vertraut gemacht werden, wie sie in Deutschland und speziell in Marburg auftreten können.
  • Allgemeines Beratungsangebot, ab Mittwoch 22. Juli: für Flüchtlinge, aber auch für Bürger und Anwohner montags, mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uh, dienstags und mittwochs von 16 bis 18 Uhr. Zahlreiche Menschen mit Sprachkentniossen haben ihre Mitarbeit als Dolmetscher angeboten, um die Flüchtlinge auch zu erreichen.
  • Niedrigschwellige Sprachangebote, ab Montag, 27. Juli: täglich zwei Kurse von 9.30 bis 11 Uhr sowie montags, mittwochs und freitags je ein Kurs von 14.30 bis 16 Uhr
  • Kinderbetreuung, ab Donnerstag, 23. Juli für Kinder von 6 bis 11 Jahren: dienstags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Bis 20 Kinder können betreut werden.

Cappeler Jugendliche erhalten Ersatzangebote

Die Stadt verfolgt aktuell mit ihrer Flüpchtlingspolitik drei Ziele, wie Vaupel zusammenfasste:

  • Angebote für die kurzfristig Untergebrachten, „so dass die sich bei uns wohlfühlen“.
  • Die Flüchtlinge, die bereits in Marburg leben (derzeit etwa 1200) sollen weiter wie gewohnt betreut werden. Dazu sind unter anderm im Sozialdienst zusätzliche Stellen geschaffen worden.
  • Die Anwohner mit ihren Ängsten und Fragestellungen müssen ernst genommen werden. In diesemr Zusammenhang berichtete Cappels Ortsvorsteher Heinz Wahlers, dass an ihn bislang keine ernsthaften Kritikpunkte herangetragen worden seien. Jugendliche, die die wegfallenden Bolz- und Spielmöglichkeiten auf dem Sportplatz an der Umgehungsstraße beklagten, seien auf die anderen Bolzplätze im Ortsteil verwiesen worden, nachdem diese besichtigt spieltauglich gemacht worden seien.

Helfertreffenam Mittwoch

Alle Marburgerinnen und Marburger, die den Flüchtlingen des Cappeler Zeltcamps ehrenamtlich helfen wollen, lädt die Stadt für Mittwoch, 22. Juli, ab 17 Uhr zwecks Einführung und Absprache zu einem Helfertreffen ins Bürgerhaus Cappel ein.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr