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Stadt setzt auf Bau von Solarspeicher-Systemen

Energie Stadt setzt auf Bau von Solarspeicher-Systemen

Marburg prescht trotz Krise im Energiesektor mit seiner Solar-Offensive vor, indem moderne Speicher gebaut werden sollen. Neben Hochleistungs-Batterien stehen sogenannte Power-to-Gas-Anlagen zur Diskussion.

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Dass Arbeiter Module auf einer Photovoltaikanlage montieren, ist in Marburg ein gewöhnlicheres Bild als anderswo in Deutschland – das belegt die Platzierung in der Solarbundesliga. Archivfoto

Quelle: Stefan Puchner

Marburg. Damit die aus der Sonnenkraft gewonnene Energie gespeichert werden kann, wäre künftig eine Investition von mehreren Millionen Euro nötig. „Wenn sich diese Technik als wirtschaftlich erweist, machen wir das“, sagt Bürgermeister Franz Kahle (Grüne). Es gelte dann abzustimmen, wie viel Geld die Kommune für die anstehende Windkraft-Offensive, und wie viel für etwaige Solarenergie-Speicher ausgegeben werden solle. Die Stadtwerke stehen nach OP-Informationen bereits mit großen Energieversorgern in Kontakt, die Speicheranlagen testen.

„Wenn zumindest vier, fünf, sechs Kilowattstunden vorübergehend gesichert werden könnten, würden wir in jedem Gebäude dauerhaft den Grundbedarf decken“, sagt Kahle. Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude: Elektronik sei immer eingeschaltet, verbrauche Strom. „Wenn man schon einen Teil seines Eigenverbrauchs selbst produziert, spart man viel Geld“, sagt Kahle. Die Rechnung: Anstatt den ortsüblichen 26 Cent pro Kilowattstunde seien mitunter nur noch 13 Cent zu bezahlen. Das bestätigt Karsten Tent von der Firma Wagner Solar. Er fordert ein Umdenken: Die Zeit der Renditejagd sei vorbei, Privatleute wie Firmen und Kommunen müssten daher vom Stromlieferanten-Denken wegkommen. „Jeder Einzelne kann seine Betriebskosten mit Photovoltaik deutlich senken. Man wird autark, unabhängiger von Strompreisentwicklungen“, sagt er.

Hoffnungen ruhen bei der Speicherproblematik auch auf der Firma Bosch, die an Hochleistungsbatterien arbeitet. Auch deren Forschung und Entwicklung beobachte man aufmerksam, sagt Kahle. Ex-Physik-Professor Hans Ackermann kämpft jedoch für die Variante des Power-to-Gas Kraftwerks. „In Batterien gibt es chemische Prozesse, das wird der Umwelt langfristig schaden“, sagt er. Und Gas zu speichern sei bereits verlässlich möglich.

Bis eine der Speichertechniken ausgereift ist, fährt die Stadt den Solarausbau allerdings zurück. Das kommunale Wohnungsbauunternehmen Gewobau kündigt an, „den Bestand zu pflegen und bei Bedarf zu modernisieren“, wie Dieter Spratte sagt. Schon im vergangenen Jahr habe man nur drei Anlagen neu gebaut. „Es rechnet sich nicht mehr“, sagt er. Hintergrund sind gesetzliche Änderungen, vor allem die Kürzung der Einspeisevergütung. Die Verwaltung selbst drosselt den Anlagenbau ebenfalls: „Wir setzten ab sofort nur noch auf kleinere, zehn bis 20 Kilowatt-System“, sagt Kahle.

Im Klassement der Solarbundesliga, einem Wettbewerb mit deutschlandweit 2200 Kommunen unter Aufsicht der Umwelthilfe, klettert Marburg indes auf Rang 8 von 23 Städten mit über 70 000 Einwohnern. Grund: Selbst im Solarkrisen-Jahr 2012 wurden von Privatinvestoren, Firmen und Stadt 101 neue Anlagen errichtet. Seit 2009 gingen 330 ans Netz, 11,2 Megawatt Leistung wird damit erzeugt. Mittags, so aktuelle Berechnungen der Stadtwerke, werden in Marburgs Haushalten 30 Megawatt Strom verbraucht, 60 zu Spitzenzeiten, wenn man Industrie und Gewerbe einrechnet. In diesem Jahr sollen weitere 1,5 Millionen Megawatt zugebaut werden.

von Björn Wisker

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