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Stadt prüft Gitter für Leichtsinnige

Nach Abstürzen Stadt prüft Gitter für Leichtsinnige

In den vergangenen drei Jahren ereigneten sich zwei schwere Unfälle am Lutherischen Kirchhof – junge Menschen stürzten jeweils neun Meter tief. Anwohner wollen dies nun durch eine Absperrung verhindert sehen.

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Der Vorsprung unterhalb der Mauer am Lutherischen Kirchhof ist ungesichert. Nach zwei Abstürzen fürchten die Anwohner weitere Unfälle.

Quelle: Privat

Marburg. Bereits zu Beginn des Jahres hatten sich die Anwohner des Rübensteins an die Stadt gewendet, um die Unfallgefahr an einem Vorsprung oberhalb ihrer Häuser zu bannen. Bei einem Ortstermin am 11. Februar mit Vertretern der Pfarrgemeinde sowie der Stadt versuchten sie, ihre Befürchtungen darzulegen.

Die Situation, wie sie zu den Unfällen geführt hatte, sei nicht länger tragbar und stelle eine nervliche Belastung für die Anwohner dar. „Die beiden Stürze waren traumatische Erlebnisse“, sagt Birte Demant, die jeweils die Unfallopfer aufgefunden hatte. „Beide hatten riesiges Glück, dass wir überhaupt zu Hause waren.“ Es handele sich um „eine richtig blöde Ecke“ – wenn dort jemand liege, werde er sonst von niemandem gefunden. „Sobald die Sonne rauskommt“ seien aber immer wieder Menschen oben auf dem Vorsprung zu ­sehen. „Bei jedem Geräusch ­zucke ich wieder zusammen“, sagt Demant.

Ergebnis des Ortstermins: Die Stadt in Person von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) und Baudirektor Jürgen Rausch wolle die Situation prüfen, sehe jedoch einige Probleme. „Es ist dort 30 Jahre lang nichts passiert, dann aber zweimal recht kurz hintereinander“, sagt Kahle. Die Angst der Bewohner vor weiteren Unfällen sei daher verständlich.

„Viele Stellen in Marburg, an denen man fallen kann“

Es bestünden jedoch Probleme mit dem Denkmalschutz und dem Bestandsschutz der historischen Konstellation. Zudem gebe es in Marburg „sehr viele Stellen auf Mauern und Vorsprüngen, wo Menschen – wenn sie unbedacht sind – herunterfallen können“, so Kahle. Diese Stellen ebenfalls alle zu sichern, sei unverhältnismäßig. Letztlich gelte das Prinzip der Eigenverantwortlichkeit.

Die Bewohner verweisen hingegen darauf, dass in ihrem speziellen Fall eine Sondersituation bestünde, da die Gefährdung nicht nur die Stürzenden betreffen, sondern auch die darunter Lebenden. Zudem handele es sich nicht um historische Bausubstanz, sondern Betonboden und die Stelle liege im Verborgenen. Da außerdem nicht die gesamte, nebenan stehende Mauer in die Konstruktion mit einbezogen werden müsse, gebe eine Absperrung zudem keine Vorlage für einen Präzedenzfall.

Demant vermutet vielmehr, dass der Bürgermeister die Stelle „aus nostalgischen Gründen“ nicht verändern wolle – als Student hätte er sich selbst häufig dort aufgehalten. Laut Kahle wolle die Stadt „prüfen, ob wir mit einer bautechnisch machbaren und denkmalverträglichen Lösung verhindern können, dass der Vorsprung weiterhin beklettert werden kann“. Diese Prüfung sei bisher jedoch noch nicht abgeschlossen.

Trotz Feuerverbot wird auf der Plattform gegrillt

Zunächst hatte die Stadt ein Schild anbringen lassen, das auf die Lebensgefahr hinweist – für die Anwohner nach wie vor keine befriedigende Lösung. Inzwischen sei das Schild abgerissen worden, die Anzahl der „Besucher“ auf der Plattform sei nicht gesunken. Trotz Feuerverbot in der Oberstadt werde dort häufig gegrillt, so Demant.

Bei der Stadt denke man jetzt über eine Stahlkonstruktion nach, „mit einem Gitter, das nicht zum Beklettern einlädt“, sagt Kahle. Überlegungen, ein Walmdach zu bauen, wurden dagegen inzwischen verworfen, denn die bauliche Situation an dem Vorsprung sei bezüglich Stabilität und Denkmalschutz nicht ganz einfach. Sollte sich die Stahlgitterkonstruktion als praktikabel erweisen, werde man diese „kurzfristig umsetzen“, so der Bürgermeister.

von Peter Gassner

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