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Stadt kurbelt Hilfe für den Balkan an

Spenden nach Hochwasser Stadt kurbelt Hilfe für den Balkan an

Appell zur Unterstützung von Bosniern und Serben: Nach der Flutkatastrophe auf dem Balkan rufen Stadt, Politik und die Hilfsorganisation Terra Tech die Marburger zu Geldspenden auf.

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Zerstörungen in Zenica, etwa 50 Kilometer südlich von Maglaj, der Stadt, in der Terra Tech ein Projekt betreut. Foto: dpa

Quelle: Fehim Demir

Marburg. An Ständen auf dem Uni-Sommerfest und dem Hafenfest (siehe OP-Seite 5) wird es Infos geben, ein Spendenkonto ist eingerichtet. Für Sachspenden gibt es kaum Verwendung, das würde Gangolf Seitz (Terra Tech) zufolge der Wirtschaft in der Region schaden. „Alles, was vor Ort besorgt werden kann, soll dort auch besorgt werden. Es wird nicht an Kleidung mangeln, eher an Lebensmitteln - vor allem aber braucht es Finanzhilfen um die Infrastruktur wiederaufzubauen“, sagt er.

Ein Projekt der Marburger Organisation ist direkt von der Naturkatastrophe betroffen: Eine mitbetreute Behinderten-Werkstatt in der bosnischen Stadt Maglaj (25 000 Einwohner) ist zerstört, der Fuhrpark kaputt, der Spielplatz verwüstet. Die Schadenshöhe liegt ersten Schätzungen zufolge bei mehr als 150 000 Euro, erläutert Christian Schmetz von Terra Tech.Seitz: „Eine Schlammlawine hat alles überspült. Das Wasser stand zwei Meter hoch im Haus.“ Seit mehreren Jahren kümmern sich die Marburger schwerpunktmäßig um die Arbeit mit Behinderten - einer Gesellschaftsgruppe, die Seitz zufolge in Südosteuropa häufig ausgegrenzt werde. Aus umliegenden Dörfern werden diese in Schul- und Ausbildungszentren gebracht, um dort zu lernen, am Leben teilhaben zu können. Maglaj beherbergt das älteste Zentrum. Es seien „punktuelle Hilfen“ in einer Region nötig, die nicht vom Tourismus profitiere und wo „keine Versicherungen die Schäden abfedern, sondern alles auf die Menschen direkt durschlägt.“

Das größte Problem in den Ländern: Durch die Naturkatastrophe drohen Landminen aus dem Balkankrieg in den 1990ern in die Siedlungen gespült zu werden. „Das Ausmaß dort ist nochmal ein anderes, wie etwa die Oder- oder Elbe-Fluten in Deutschland“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Brisant seien die Entwicklungen vor allem, weil die betroffenen Länder gerade erst auf dem Weg zu einer politischen und wirtschaftlichen Stabilität gewesen seien. „Wir sprechen hier bei Spenden auch über einen Beitrag zur Friedenspolitik“, sagt Vaupel.

Marburg selbst sei „ein Zentrum solidarischen Handelns“. Der Magistrat wolle bei lokalen Firmen, Banken und Verbänden ebenfalls um Geldspenden werben. Im Haushalt stehe Vaupel zufolge kein Geld mehr zur Verfügung: 10 000 Euro hat die Stadtverordnetenversammlung in der vergangenen Woche bewilligt, um ein Bootsbau-Projekt auf den 2013 von einem Tsunami heimgesuchten Philippinen zu unterstützen. Die Hoffnungen von Seitz und Co. ruhen auf Marburgern, Bewohnern einer Stadt, die seit langem eine Vorreiterrolle für gesellschaftliche Teilhabe Behinderter einnehme, sagt Vaupel (SPD).

von Björn Wisker

Weiter infos über das Projekt und Spendenkonto finden Sie auf der Terratech-Seite.

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