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Stadt erwirbt „Tagelöhnerhaus“

Dilschhausen Stadt erwirbt „Tagelöhnerhaus“

Das historische „Tagelöhnerhaus“ in Marburgs kleinstem Stadtteil wechselte für ein Euro den Besitzer und ist jetzt Eigentum der Universitätsstadt.

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Das aus dem frühen 19. Jahrhundert stammende Tagelöhnerhaus.

Quelle: Heinz-Dieter Henkel

Dilschhausen. Zur Unterzeichnung des Kaufvertrags war Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) ins Dorfgemeinschaftshaus Dilschhausen gekommen und berichtete aus einer langen Geschichte des etwa nur 60 Quadratmeter großen, zweistöckigen Wohnhauses. Das um 1800 erbaute Haus war einst ausschließlich für das Gesinde gedacht, da die Landwirtschaft damals sehr arbeitsintensiv war und viele Hände zur Bewirtschaftung des Bodens benötigt wurden. Im Jahre 2007 wurde erstmals versucht, das Haus zu veräußern, weil die damalige Eigentümerin in ein Altenpflegeheim ziehen musste. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand das Gebäude unter Denkmalschutz.

Mit dem Tode der Eigentümerin fiel das Haus im Jahre 2011 an das Land Hessen. Die Nachkommen hatten auf das Erbe des mit Grundschuld belasteten Besitzes verzichtet.

Froh, das Objekt wieder los zu werden

„Wir sind per Gesetz Eigentümer dieses Gebäudes geworden“, berichtete Ulrich Kist, Bereichsleiter Standortmanagement Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen. „Pro Jahr bekommen wir 500 neue Objekte vererbt, die fast alle finanziell belastet sind.“ Derzeit befänden sich rund 2600 Grundstücke aus sogenannter „Fiskal-Erbschaft“ im Besitz des Landes Hessen. Er sei froh, eines dieser Objekte wieder los zu werden.

Solche Häuser sind in unseren Dörfern selten geworden, berichtete Dr. Bernhard Buchstab, zuständiger Bezirkskonservator beim Landesamt für Denkmalpflege in Marburg. Sie sind in „Vierständerbauweise“ errichtet und zeugen von den sozialen Verhältnissen unserer Vergangenheit. In Dilschhausen seien sowohl Räume wie auch Fenster im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben.

In langen Verhandlungen hatte die Verwaltung der Stadt Marburg mit dem Land Hessen den Kaufvertrag ausgearbeitet, sodass unter Aufsicht von Rechtsanwalt und Notar Helmut Fiedler bei der Übergabe von einem Euro in einem schmucken Säckchen das Grundstück den Besitzer wechselte.

Ortsvorsteher Herrmann Heck (BLD), der als Gastgeber fungierte, zeigte sich erfreut, dass endlich Bewegung in das Objekt „Weitershäuser Straße 12“ komme und er mit der Stadt Marburg einen direkt greifbaren Ansprechpartner habe.

Die Stadt will das Gebäude nicht selbst renovieren, sagte Kahle. Man suche jetzt einen Käufer für das „Tagelöhnerhaus“, der dieses Gebäude nach den Vorgaben der Denkmalpflege renovieren soll. Erste Anfragen soll es bereits gegeben haben.

von Heinz-Dieter Henkel

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