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Stadt baut Textil-Sammelsystem aus

Altkleider-Container Stadt baut Textil-Sammelsystem aus

Ein kommunales Altkleider-Sammelsystem soll in der Universitätsstadt etabliert werden. Die Test-phase verlief nach OP-Informationen vielversprechend. Die Containerzahl wird deshalb im kommenden Jahr erhöht.

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Seit einem halben Jahr stehen an 35 Standorten Altkleider-Container der kommunalen Dienstleistungsbetriebe. Die Stadt verdrängte mit diesem Schritt einen umstrittenen gewerblichen Sammler.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Bis Mitte Oktober sind etwa 90 Tonnen Altkleider gesammelt und verwertet worden, teilten die Dienstleistungsbetriebe Marburg (DBM) auf OP-Anfrage mit. Zurzeit seien an 35 Standorten im Stadtgebiet 48 Container aufgestellt, die „sehr gut angenommen werden“. Für 2016 ist eine „sukzessive Ausweitung des Angebotes an Stellplätzen sowie eine Erhöhung der Containeranzahl an den besonders stark frequentierten Standorten geplant“.

Wie viel Geld die Kommune im Jahr einnehmen kann, lasse sich noch nicht prognostizieren. Dementsprechend könne auch über die Verwendung etwaiger Überschüsse nichts gesagt werden. „Entscheidend sind die Entwicklung des Alttextilmarkts und die Verwertungserlöse.“ Die bisher erzielten Einnahmen aus der Alttextilsammlung tragen nach Angaben der Stadt vorerst nur zur Kostendeckung bei - jedoch werde sich die Sammeltätigkeit auf die Gebührenzahler auswirken, sie entlasten. Aktuell planen die Behörden eine Fortsetzung des Sammelsystems für weitere drei Jahre.

Die Entscheidung der Stadt fußt auf einer Initiative der Marburger Linken, die 2014 die Einrichtung eines kommunalen Sammelsystems gefordert hatte.

Einschätzung des Stadtverordneten Jan Schalauske: „Ich bin froh, dass die Stadt tätig geworden ist, um privaten Anbietern mit Profitabsichten das Wasser abzugraben.“ Eine kommunale Altkleiderverwertung dürfe jedoch nicht das betriebswirtschaftliche und profitorientierte Denken privater Anbieter kopieren. Das Ziel eines solchen Sammelsystems müsse eine „ortsnahe Wiederverwendung von brauchbaren Altkleidern“ sein. Das gelte auch für potentielle Partner, weshalb er es für „absolut sinnvoll“ halte, mit den karitativen Einrichtungen in Marburg zu kooperieren. Jedem Bürger müsse transparent gemacht werden, was genau mit den gespendeten Altkleidern geschehe und wofür etwaig eingenommenes Geld ausgegeben werde.

Kommune will karitativeOrganisationen einbinden

Das strebt die Stadtverwaltung an. Soziale und ökologische Kriterien sollen ebenso beachtet werden wie die Einbindung gemeinnütziger Einrichtungen in der Universitätstadt. Ziel der DBM es, dass es bei der Verwertung der Altkleider „nicht auf eine maximale Gewinnerzielung, sondern vor allem auch auf eine möglichst hohe Wiederverwertungsquote der gesammelten Alttextilien ankommt“.

Mit den über Jahre in der Stadt etablierten gewerblichen Sammlern sei die Umsetzung dieser Kriterien nicht möglich gewesen.

In Kürze werde es zudem ein Treffen mit karitativen Organisationen aus Marburg geben, um Ideen und Konzepte für eine möglichst hohe Vor-Ort-Verwertung zu erarbeiten.

Während das Sammeln auf dem DBM-Betriebshof möglich ist, sei man vor allem bei der Textil-Verwertung auf Kooperationen angewiesen.

von Björn Wisker

  • Hintergrund: Auslöser für eine Änderung der Sammelpraxis in Marburg war die OP-Berichterstattung über die umstrittene, in der Stadt ansässige Firma Bicker. Diese sammelt deutschlandweit Textilien aus Profitgründen und hatte auf nahezu allen ausgewiesenen Flächen Container aufgestellt.
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