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Stadt: Denkmal muss abgebaut werden

Kriegsdenkmal Stadt: Denkmal muss abgebaut werden

Die "Kameradschaft Marburger Jäger" muss das Kriegsdenkmal in Bortshausen entfernen. Die Stadt stellte dem Verein eine entsprechende Verfügung zu.

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Das Denkmal der „Marburger Jäger“ in Bortshausen.

Quelle: Thorsten Richter

Bortshausen. Bürgermeister Dr. Franz Kahle bestätigte der OP, dass den „Marburger Jägern“ in der vergangenen Woche über ihren Anwalt eine Beseitigungsverfügung zugestellt worden sei.

Das Denkmal steht seit 2011 auf einem privaten Gartengrundstück in Bortshausen und sorgt seitdem für politischen Zündstoff. Nun soll es weg. Nach längeren Beratungen, unter anderem mit der Landesregierung und dem Regierungspräsidium, hat sich die Stadt die Auffassung zu eigen gemacht, dass die Beseitigung des Denkmals in Bortshausen der Wahrung öffentlicher Belange dient.

Kahle begründete dies gegenüber der OP unter anderem mit den Ergebnissen einer Studie, die die Marburger Geschichtswerkstatt im Auftrag des Stadtparlaments erarbeitet und im vergangenen Jahr vorgelegt hatte. Darin war unter anderem die Verstrickung der Marburger Jäger in Kriegsverbrechen nachgewiesen worden.

"Fatale und mörderische Rolle"

Eine unkommentierte und unkritische Aufstellung des Kriegsdenkmals, das ursprünglich in der Knutzbach, im heutigen Waldtal, stand, werde „der zum Teil fatalen und mörderischen Rolle der Marburger Jäger in keiner Weise gerecht.“

Der etwa drei Meter hohe, aus Sandstein gefertigte Gedenkstein befindet sich an der Schmalseite des eingezäunten Grundstücks. Die Marburger Jäger hatten ihn erworben und 2011 von seinem früheren Standort vor der Hessenkaserne in Neustadt nach Bortshausen gebracht. Dort hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die die Aufstellung des Steins immer wieder kritisiert hatte. Auch international gab es Proteste gegen das Denkmal, so war die Menschenrechtlerin Olga Karumuao aus Namibia in Marburg zu Gast, um namens der Herero und anderer namibischer Völker den Rückbau des Denkmals zu fordern. Hintergrund ist die Beteiligung von 23 Marburger Jägern am Völkermord an den Herero und den Nama in der Kolonie Deutsch-Südwest, dem heutigen Namibia 1904 bis 1908.

Marburger Jäger waren auch im August 1914 in der belgischen Stadt Dinant an der Ermordung von etwa 700 Zivilpersonen durch deutsche Soldaten beteiligt. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel wertete diese Tat im Zuge der Auseinandersetzung um das Bortshäuser Denkmal als Kriegsverbrechen. Die Stadt Marburg bemüht sich derzeit intensiv um eine „Aussöhnung“ mit Dinant. Auch die Marburger Jäger waren nach Dinant gefahren und hatten „Abbitte“ für die Ereignisse im August 1914 geleistet, wie es Klaus Jürgen Böckler formuliert hatte.

Gestern konnte sich Böckler noch nicht zu der Frage äußern, ob die Kameradschaft Marburger Jäger Rechtsmittel gegen die Verfügung der Stadt einlegen werde. Laut Kahle hat der Verein dazu vier Wochen Zeit. Wenn kein Widerspruch eingelegt wird, ist das Denkmal danach binnen zehn weiterer Wochen abzubauen.

von Till Conrad

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