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Sprayer müssen 80 Stunden arbeiten

Urteil Sprayer müssen 80 Stunden arbeiten

Größere Mengen Alkohol und zur Verfügung stehende Spraydosen veranlassten drei Heranwachsende zu einer umfangreichen Graffiti-Tour quer durch die Nordstadt. Vor Gericht erhielten sie dafür die Quittung.

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Die drei Jugendlichen besprühten im Februar unter anderem Hauswände in der Nordstadt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Das Jugendgericht verurteilte die 18 und 20 Jahre alten Angeklagten wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung in zwei Fällen zu 80 Arbeitsstunden.

Mitte Februar begaben sich die drei Freunde am späten Abend auf Sprayer-Tour in die Marburger Nordstadt, beschmierten zahlreiche Gebäude, Garagen, Autos oder Glasscheiben. Nachdem sie zwischenzeitlich in die Wohnung eines der Beschuldigten zurückgekehrt waren, zogen sie gegen halb zwei Uhr nachts erneut mit einer lauten Musikanlage im Gepäck auf einen zweiten Streifzug und verschandelten weitere Häuser. Insgesamt beschmierten sie rund 20 Gebäude und Gegenstände mit verschiedenen Buchstaben- oder Zahlenfolgen, zum Teil mit ihren eigenen Initialen. In der späten Nacht wurden sie schließlich von mehreren Passanten erwischt, die Polizei kassierte die Spraydosen samt Personalien der Amateur-Künstler ein.

Vor den Beamten legten alle drei ein Geständnis ab, woraufhin das Gericht auf die Ladung von Zeugen verzichtete. Während der Verhandlung gaben die Beschuldigten ihre Taten jedoch nur zögerlich zu, schwiegen lange Zeit und beantworteten die Fragen der Prozessbeteiligten nur sporadisch. Die 20 Jahre alte Frau verweigerte anfangs gänzlich eine Aussage, ihre beiden Kumpane machten keine Angaben, ob sie ebenfalls mitgemacht hatte oder nicht.

Das zurückhaltende, teils störrische und provozierende Verhalten der Beschuldigten strapazierte die Nerven von Jugendrichter Cai Adrian Boesken, der dem Trio schließlich androhte, die Verfahren voneinander zu trennen und allesamt als Zeugen unter Eid zu stellen, sollten sie nicht die Wahrheit sagen. Nach und nach zeigten sich die teilnahmslosen Heranwachsenden offener, die beiden jungen Männer gaben zu, geplant zur Spraydose gegriffen, vorher noch auf einem Zeichenblock geübt zu haben.

Richter: „Mitgefangen - mitgehangen“

An den genauen Ablauf der Sprayer-Tour konnten sie sich nicht mehr im Einzelnen erinnern, im Vorfeld hatten sie gemeinsam größere Mengen Alkohol konsumiert. Mithilfe zahlreicher Fotografien verschiedener Graffiti konnten die von ihnen verursachten Werke schließlich bestimmt werden. Alle drei gaben eine Beteiligung an der Aktion zu. „Das war eine blöde Idee“, erklärte einer der jungen Männer.

Alle drei standen nicht zum ersten Mal vor Gericht, mussten sich bereits wegen Diebstahls, Bedrohung oder Erpressung verantworten. „Das wird nicht noch einmal geschehen, es war uns eine Lehre“, beteuerten die beiden 18-Jährigen.

Der Jugendrichter verurteilte allesamt nach Jugendrecht. Die Tat sei eine „typische Jugendsache“, die Täter wiesen noch eine gewisse Unreife auf. Welcher der drei schlussendlich wie viele „Werke“ zu verantworten hat, konnte nicht genau geklärt werden. Dies spiele auch nur eine untergeordnete Rolle, alle drei waren an den Taten beteiligt und haften gemeinsam: „Mitgefangen - mitgehangen, so einfach ist das“, erklärte Richter Boesken. Auch wenn die Szene die Graffiti als Kunst verstehe, etwas ohne das Einverständnis des Eigentümers zu besprühen - „das geht einfach nicht“.

Innerhalb von vier Monaten müssen die drei Sprayer 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Auf eine Schadenswiedergutmachung verzichtete der Richter aufgrund der geringen Einkommen der Heranwachsenden. Die jungen Leute auf Jahre finanziell schwer zu belasten, liege nicht im Interesse des Gerichts.

von Ina Tannert

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