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Sprachwissenschaft in der Praxis

Uni-Tagung Sprachwissenschaft in der Praxis

Wie kann das Forschungswissen auf den Alltag von Lehrern angewendet werden? Die Beantwortung dieser Frage war ein Thema der Tagung in Marburg.

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Susanne Niemeier (von links), Jürgen Handke, Rolf Kreyer, Patrick Voßkamp und Susanne Göpferich präsentierten ihre Konzepte auf der gut besuchten Tagung.Fotos: Marcus Hergenhan, Nadine Weigel (2)

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Ich will doch nur Lehrer werden.“ Diesen Satz bekommen Professor Rolf Kreyer und sein Kollege Jürgen Handke häufig von ihren Anglistikstudenten zu hören, denen es mitunter etwas an der Begeisterung für die Linguistik, dem Fachgebiet der beiden, mangelt. Die Sprachwissenschaft ist ein weites Feld und häufig ist die eingehende Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Betonung, Grammatik und Informationsverarbeitung empirische Fleißarbeit. Auf der Pressekonferenz der Gesellschaft für angewandte Linguistik (GAL) während der entsprechenden Tagung auf dem Gelände der Philosophischen Fakultät ging es jedoch weniger um die Forschung, als vielmehr um die ganz praktische Verwendung der Erkenntnisse.

Die GAL beschäftigt sich als gemeinnütziger Verein etwa mit der Frage, wie sich das erarbeitete Forschungswissen auf den Alltag von Lehrern anwenden lässt. „Wir fördern auch Projekte wie etwa die Habilitationsarbeit von Bettina Bock, die sich derzeit mit ,leichter Sprache‘ beschäftigt,“ erklärte die Präsidentin der GAL, Susanne Göpferich.

Bei dem Forschungsprojekt geht es darum, mit Testkandidaten aus bildungsfernen Schichten durch mehrjährige Versuche zu ermitteln, wie sich Texte möglichst leicht und schnell verständlich formulieren lassen. „Im Kern wissen wir natürlich, was dabei zu beachten ist, aber es fehlt an empirischen Ergebnissen größerer Testreihen, um zu überprüfen, ob die bisherige Herangehensweise bei Menschen mit geringer Lesekompetenz überhaupt ankommt,“ so Göpferich.

Lese- und Schreibschwäche bei einigen Studenten

Diese Form von Forschung kostet Zeit und Geld, Probanden müssen ebenso bezahlt werden wie Personal zur Auswertung von Lesezeit, Augenbewegungen und Verständnistests. Aus diesem Grund unterstützte die GAL das Projekt mit 2000 Euro. In Zeiten verkürzter Schul- und Hochschulbildung, fallen allerdings auch Studenten immer häufiger durch unzureichende Lese- und Schreibkompetenz auf, weswegen die Professoren Kreyer und Handke keine Mühe scheuten, ihren Verein bei der Tagung zu unterstützen.

„Wir erleben zusehends das, was in den USA etwa schon seit mehr als 20 Jahren der Fall ist, die Menschen kommen mit sehr unterschiedlichen Standards von den Schulen an die Uni, da muss man reagieren“, erklärte Patrick Voßkamp, der von einer derzeit laufenden Studie an der Universität Duisburg-Essen berichtete.

Förderkurse werden den Unis vorgeschaltet

Eine in den USA bewährte Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen, sind Förderkurse, die den Universitäten vorgeschaltet sind und den Bildungsstandard ausgleichen sollen.

„Bevor ich von meinen Studenten erwarten kann, dass sie ordentliche wissenschaftliche Texte in Englisch schreiben, muss das ja zunächst einmal im Deutschen gewährleistet sein“, bemerkte Kreyer. Aus diesen Gründen geht es der GAL natürlich auch um mehr Aufmerksamkeit für ihre Disziplin, weswegen der gut besuchte Plenarvortrag des prominenten Fachvertreters Professor David Crystal für die Veranstalter einen echten Gewinn darstellte. „Wir freuen uns besonders, dass er direkt von der Martin-Luther-Schule zu einem Gastvortrag eingeladen wurde“, bemerkte Susanne Göpferich.

Generell war die Tagung mit ihren 40 Ausstellern, 12 Symposien und vier Plenarvorträgen gut besucht.

Weitere Infos über die GAL unter www.gal-ev.de/ tun.

von Marcus Hergenhan

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