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Sprach-Intensivklassen erleichtern Integration

Podiumsdiskussion im Sprachatlas Sprach-Intensivklassen erleichtern Integration

Schule und Spracherwerb sind für ausländische Kinder und Jugendliche die Voraussetzung für Integration. Wie sie gelingen kann, war Thema einer Podiumsdiskussion.

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Leila Maxhuni (KAS-Alumna), Kultusminister Prof. Dr. Ralf Lorz, Jan-Philipp Bodenbender (KAS-Stipendiat), Yunas Kaya (KAS-Stipendiat), Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing (Dekanin des Fachbereichs Erziehungswissenschaften) und Andreas Fiedler (Personalleiter Winter) diskutierten.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Es darf kein Wir und Die geben“, sagte Leila Maxhuni, ehemalige Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die vergangenen Freitag eine Podiumsdiskussion zu der Frage „Ist Bildung der Schlüssel zu Integration?“ organisiert hatte. Migranten dürften nicht als „die, die sich integrieren sollen“ verstanden werden. „Integration ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess.“

Maxhuni kam als Dreijährige mit ihren Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland und arbeitet heute als Rechtsreferendarin in Hamburg. Unter der Moderation der KAS-Stipendiaten Jan-Philipp Bodenbender und Yunas Kaya diskutierten im Sprachatlas der Philipps-Universität außerdem der Hessische Kultusminister Prof. Dr. Ralf Lorz, die Dekanin des Fachbereichs Erziehungswissenschaften, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, und Andreas Fiedler, Personalleiter der Fritz Winter Eisengießerei in Stadtallendorf.

Kultusminister Lorz sagte, die Schule sei für Kinder und Jugendliche die wichtigste Institution für die Integration. Damit die Schüler am regulären Unterricht teilnehmen könnten, würden sie ein Jahr lang in Intensivklassen unterrichtet oder hätten begleitenden Deutschunterricht. Die meisten seien an 
Gesamtschulen untergebracht, damit den Schülern der Übergang in unterschiedliche Ausbildungszweige erleichtert werde. Bisher habe man keine Erfahrung damit, für welche Zweige sie sich schwerpunktmäßig entscheiden würden.

Lehrer bilden sich weiter

„Die Zahl der Kinder und 
Jugendlichen im Sprachförderprogramm hat sich im letzten Jahr verfünffacht“, so Lorz. In den vergangenen Jahren habe die Zahl regelmäßig bei ungefähr 5000 gelegen, heute bei 25.000. Dennoch sei sie in Relation zur Gesamtzahl der Schüler in Hessen von 760.000 überschaubar. „Sie sprengt nicht die Dimension, zumal wir vor einigen Jahren noch deutlich mehr Schüler hatten.“

An der Hessischen Lehrkräfteakademie würden Lehrer ein Jahr lang im Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache (DAF) geschult. Professor Lin-Klitzing berichtete, angehende Lehrer könnten an der Universität eine Erweiterungsprüfung DAF machen, die Ausbildung sei jedoch nicht grundständig genug. „Ich votiere für einen Lehramtsstudiengang DAF.“

Ein Zuhörer im Publikum warf ein, jeder, der der deutschen Sprache mächtig sei, könne sie auch anderen beibringen. Lin-Klitzing erklärte, um Menschen, die nicht in lateinischer Schrift alphabetisiert seien, Deutsch beizubringen, brauche es ein Verständnis dafür, wie Menschen Fremdsprachen lernten. 
Eine Zuhörerin vom Stadtelternbeirat ergänzte, viele Kinder hätten Traumata, könnten zum Beispiel aus Angst vor einem Bombenangriff nicht stillsitzen. „Ohne eine professionelle Ausbildung haben Sie null Chance bei diesen Kindern.“

Leila Maxhuni sagte, für Erwachsene seien Integrationskurse eine erste Orientierungshilfe. Sie bekämen dabei einen Eindruck davon, wie die Gesellschaft aussehe, in die sie sich eingliedern wollen. Ob die Integration gelinge, liege jedoch vor allem an der Einstellung des Einzelnen. Als besonders wichtig erachtete sie den Willen, sich an bestehende Gesetze zu halten und verantwortungsvoll mit dem in einer Ausbildung erworbenen Wissen umzugehen, um es für sich und andere nutzbar zu machen.

Personalleiter Andreas Fiedler erklärte, bei der Integration in den Arbeitsmarkt gebe es häufig das Problem, dass Abschlüsse nicht mit den deutschen vergleichbar seien. Er regte an, ähnlich wie in Kassel, die Stelle eines Integrationsbeauftragten zu schaffen, der bei der Vermittlung in Unternehmen hilft.

von Freya Altmüller

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