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Spitzer warnt vor Smartphone-Risiken

Vortrag Spitzer warnt vor Smartphone-Risiken

Der Vortrag des Psychiatrie-Professors Manfred Spitzer zu Risiken und ­Nebenwirkungen der ­modernen Informationstechnologie bei Kindern sorgte für ein volles Haus in der Nervenklinik.

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So großen Andrang gibt es bei Vorträgen in der Nervenklinik selten: Im Hörsaal saßen Dutzende auf den Treppen oder standen im Flur. Alle wollten Professor Manfred Spitzer hören.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Streitbar, witzig, allgemeinverständlich und enorm kenntnisreich: So präsentierte­ sich Professor Manfred Spitzer im Hörsaal der Uni-Psychiatrie am Ortenberg. Mehr als 200 ­Zuhörer wollten mitbekommen, was der Leiter der Uni-Klinik für Psychiatrie Ulm über die Gefahren der übermäßigen Smartphone-Nutzung durch Kinder und ­Jugendliche zu sagen hatte.

Und das war einiges: Unterfüttert durch die Ergebnisse zahlreicher aktueller wissenschaftlicher Studien erläuterte Spitzer, wieso aus seiner Sicht als Arzt und Wissenschaftler Smart­phones im Schulunterricht nichts verloren haben und wieso der Umgang mit Google und Co. schon im frühesten Kindesalter sich als eher schädlich für die Kindesgesundheit erweise.­ Kurzsichtigkeit, Einschlaf­störungen, eine Verkümmerung der Emotionalität oder ein zu hoher Blutdruck schon in jungen Jahren: Das waren nur einige der gesundheitlichen Gefahren, die Spitzer auflistete.

So bedrohe der übermäßige­ Internet-Konsum die Fähigkeit der jungen Menschen, ­Empathie (das Einfühlungsvermögen in andere Menschen) zu erlernen. Wenn junge Mädchen teilweise täglich bis zu sieben Stunden über „Facebook“ kommunizierten, erschwere das ­ihre Möglichkeiten, soziale Interaktion mit anderen zu erlernen.

Digitale Medien bewirkten zudem, dass die jungen Menschen sich heutzutage viel mehr drinnen vor den Smartphones oder Laptops aufhalten würden. Das erschwere aber den Aufbau einer Willensbildung. Wer dauernd auf das Smartphone schaue, lerne nicht mehr, einen Gedanken in die Realität umzusetzen. Die Eltern müssten aus pädagogischer Sicht gegenüber früher umdenken. Habe man Kindern früher als Strafen Hausarrest gegeben, so müsste­ den Kinder heutzutage eigentlich auferlegt werden, mehr nach draußen zu gehen.

Spitzer: Ich bin kein Internet-Hasser

Mehr Smartphones in den Klassenzimmern als Lernhilfe:­ Diese von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka propagierte Idee hält Spitzer für kontraproduktiv. Er zitierte mehrere Studien, wonach die Benutzung des Smartphones schwache Schüler eher schwächer mache. Spitzer kritisierte, dass die Bildungs-Kompetenz an Facebook und Google abgegeben werde. Ausdrücklich betonte Spitzer, er sei kein ­Internet-Hasser. So gebe es für ­Erwachsene durchaus sinnvolle Anwendungen.

„Wir dürfen aber nicht zulassen, dass wir die Zukunft unserer Kinder den Produktinteressen von einigen reichen US-Firmen opfern“, bezog Spitzer eindeutig Stellung.

Mit seinen pointiert vorgetragenen und unter anderem durch zahlreiche Talkshow-Auftritte geschärften Thesen traf Spitzer den Nerv der Zuhörerschaft. Darunter befanden sich Menschen aller Altersstufen vom Schüler bis zum Rentner, vor allem ­aber Eltern, Lehrer und Forscher.

Auch aus Sicht von Professor Tilo Kircher, den Chef der Marburger Uni-Psychiatrie und Gastgeber, war es eine sehr lohnenswerte Veranstaltung.

Spitzer zeige auch die Ergebnisse von methodisch gut ­gemachten wissenschaftlichen Studien und erzähle nicht einfach nur Ideen, die ihm durch den Kopf gingen, hob Kircher hervor. Nebenbei bedeutete die sehr hohe Zuhörer-Zahl auch einen neuen Besucherrekord für das ­­­Psy­­chiatrisch-Psycho-­therapeutische Kolloqium der ­Marburger Uni-Psychiatrie.

von Manfred Hitzeroth

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