Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Spionage

Agenten führten Listen über Sex, Geld und Hobbys Spionage

Der niederländische Ex-Diplomat, der geheime Staatsdokumente an das mutmaßliche russische Agentenpaar aus Michelbach weitergab, wurde am Dienstag in Den Haag zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Voriger Artikel
Ein halbes Rad zerfällt leise vor sich hin
Nächster Artikel
Räuber überfällt Kundin in Bankfiliale

72.200 Euro soll der Niederländer Raymond Poeteray für „top-secret“-Daten bekommen haben.

Quelle: Foto: Thorn (pixelio.de)

Marburg. Raymond Poeteray ließ von 2008 bis 2011 viele hunderte Dokumente aus dem niederländischen Außenministerium verschwinden, unter denen sich auch vertrauliche Papiere über Nato-Einsätze in Afghanistan, Kosovo und Libyen befanden. Das Den Haager Gericht befand, dass der 61-jährige Poeteray aus Geldgier „top-secret“-Informationen an die Agenten Andreas und Heidrun Anschlag vom russischen Auslandsgeheimdienst SWR verraten hat.

Für seine „Arbeit“ bekam er vom Ehepaar mindestens 722 00 Euro. Der vorsitzende Richter nannte „hohe Schulden und einen luxuriösen Lebensstil“ als Motiv. Das Gericht stellte weiter fest, dass der Mitarbeiter der Visumabteilung‚ den Interessen des niederländischen Staates und der Bündnispartner schadete. Der Angeklagte war Anfang 2012 am Amsterdamer Flughafen Schiphol festgenommen worden. In seinem Brillenetui entdeckten Ermittler verschiedene USB-Sticks mit brisanten Informationen. Einige Monate vorher war in Marburg und Balingen das Ehepaar Anschlag festgenommen worden.

Im Haus der Angeklagten in Michelbach wurde über Kurzwelle mit der Zentrale in Moskau kommuniziert. Der SWR wollte eine Mitarbeiterliste des holländischen Ministeriums, so stellte sich heraus. Auch fragten die Russen interessiert bei ihren Kollegen in Marburg nach, welche Hobbys, Geldsorgen und Sexualinteressen die niederländischen Ministerialbeamten hätten. Das sollten ‚Pit’ und ‚Tina’, so hießen ihre Decknamen, bei ihrer Quelle Poeteray in Erfahrung bringen. Seit einer Weile wird über einen Austausch der russischen Agenten spekuliert. Morgen wird der spektakuläre Spionage-Prozess gegen das Ehepaar vor dem Oberlandesgericht Stuttgart fortgesetzt.

von Rob Savelberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr