Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Spies will Wohnungslosigkeit abschaffen

OB-Wahl Spies will Wohnungslosigkeit abschaffen

Wohnungslosen kann, da ist sich SPD-Mann Dr. Thomas Spies sicher, auf kommunaler Ebene durch ganz konkrete Initiativen besser geholfen werden.

Voriger Artikel
"Zeitpunktbezogene Momentaufnahme"
Nächster Artikel
Physik-Gebäude wird noch gebraucht

Dr. Thomas Spies (von links) im Gespräch mit Gabi Jürgen, Christina Noll, Willi Hammerschmidt und Carmen Krzis.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Einer der Gründe, warum er einst als Mediziner in die Politik wechselte, so erzählt Dr. Thomas Spies, war ein Obdachloser. Der offenbar alkoholisierte Mann kam mit einer Kopfwunde in das Klinikum, an dem Spies damals arbeitete, wurde geröntgt - und war verschwunden, ehe er operiert werden konnte. „Das Loch im Kopf war wahrscheinlich noch sein kleinstes Problem“, sagt Spies heute.

Beim Besuch in der Tagesanlaufstelle für Wohnungslose in der Gisselberger Straße sagt der SPD-Bewerber für das Oberbürgermeisteramt: „Wenn meine Amtszeit zu Ende ist, möchte ich, dass es in Marburg keine Wohnungslosen mehr gibt.“

Hoher Anteil psychisch Kranker unter Wohnungslosen

Wohnungslosenhilfe ist für den Sozialdemokraten beides: Gesundheitspolitik und Sozialpolitik. Unter den Wohnungslosen, so berichtet Willi Hammerschmidt vom Diakonischen Werk Mittelhessen, ist ein hoher Anteil psychisch Kranker, vielfach vereinen sie in sich eine Reihe von Problemen, von denen Wohnungslosigkeit nur die Spitze des Eisbergs ist: Arbeitslosigkeit und eine Suchtkrankheit etwa.

„Wohnungslosigkeit“, so formuliert es Spies, „ist eine der extremsten Auswirkungen für Menschen, die durchs Netz gerutscht sind“. Und das sind nicht wenig: 320 Menschen ohne Mietvertrag leben in Marburg, berichtet Carmen Krzis, Sozialarbeiterin bei der Fachberatungsstelle Wohnen, 45 Menschen kommen täglich in die Tagesanlaufstelle, um hier zu übernachten.

"Das Netz greift in vielen Fällen vorher"

Dabei, so Spies, ist die soziale Infrastruktur in Marburg gut, „das Netz greift in vielen Fällen vorher“. Man müsse die Lücken identifizieren, die dafür sorgen, dass ein Zustand entsteht, der zu Wohnungslosigkeit führt. Spies spricht sich für eine engere Verzahnung der Akteure aus, die die Menschen betreuen: den Sozialarbeiter im Gemeinwesenprojekt beispielsweise, den Sucht- oder Schuldenberater, das Sozialamt, die Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe. Regelmäßige Konsultationen, in denen einzelne Fälle besprochen werden, sind unabdingbar, eine Koordinierungsstelle wäre das Ziel von Sozialarbeiterin Christina Noll.

Konkrete Verbesserungen für die Wohnungslosen sind auch mit einfachen Mitteln zu erzielen, darin ist sich Spies mit den Sozialarbeiterinnen Christina Noll und Gabi Jürgen einig. Derzeit entscheidet das Sozialamt, wenn ein Wohnungsloser mehr als zwei Nächte im Übernachtungsheim in der Gisselberger Straße übernachten will. Hintergrund ist die Auszahlung des vollen Regelsatzes für die Zeit, in der der Betroffene in der Gisselberger Straße übernachtet.

Hilfe zur Selbsthilfe bieten

„Warum“, so Spies, „darf die Entscheidung, ob der Betroffene bleiben darf, nicht der Sozialarbeiter vor Ort tun - der ist der Experte“. Das Gesetz gebe das her. Der Sozialarbeiter und der Betroffene gewönnen Zeit, um sich um wichtigere Dinge zu kümmern: um die Gesundheit des Betroffenen zuallererst, aber auch um die Fragestellung, ob die Person infrage kommt für ein „Probewohnen“ oder „betreutes Wohnen“ in einer Wohngemeinschaft. Denn dies sind die Stufen, mit denen die Sozialarbeiter versuchen, Wohnungslosen schrittweise wieder zur Selbstständigkeit zu verhelfen.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ nennt das Willi Hammerschmidt. Man brauche noch mehr Angebote für Menschen, die in die Tagesanlaufstelle kommen und etwas an ihrer Situation ändern wollen.

Niederschwellig müssen diese Angebote sein, damit sie eine Chance haben, angenommen zu werden. Spies will weiter an diesem Thema arbeiten. Für die „Geringsten unter den Geringen, die auch Marburger sind“.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr