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Spies setzt auf Kultur und Beteiligung

Neujahrsempfang Spies setzt auf Kultur und Beteiligung

Zum ersten Mal nach drei Jahren in der Großsporthalle fand der Neujahrsempfang der Stadt Marburg wieder in der Stadthalle statt.

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Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies hielt die Neujahrsrede beim Neujahrsempfang der Stadt Marburg 2017.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Als Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) mit der Neujahrsrede begann, war auf den Stehplätzen im großen Saal der Stadthalle noch viel Platz, während die Sitzplätze auf den oberen Rängen voll besetzt waren. Spies hatte im Gegensatz zu den vergangenen Neujahrsempfängen in der Großsporthalle rund ein Drittel weniger Gäste eingeladen. Rund 1000 Marburger waren am Samstag schließlich der Einladung zum traditionellen Neujahrsempfang der Stadt gefolgt.

Der Saal war dezent mit Blumenschmuck verziert. Deutlich mehr Aufwand hatte hingegen die Gestaltung der Multimedia-Show bereitet, die auf einer an die Splitter eines Spiegels erinnernden Leinwand hinter dem Redner ablief. Dort wurden Bilder oder kurze Filme gezeigt, die die Rede des Oberbürgermeisters illustrierten.

Zum ersten Mal nach drei Jahren in der Großsporthalle fand der Neujahrsempfang wieder in der Marburger Stadthalle statt.

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Spies ging gleich am Anfang auf den alten und neuen Ort des Neujahrsempfangs ein, die runderneuerte Stadthalle. Bei der OP-Aktion „Jahresbilanz 2016“ hatten die OP-Leser mehrheitlich entschieden, dass die erhebliche Verteuerung der Kosten für die Sanierung der Mitte letzten Jahres fertiggestellten und eröffneten Halle von 28,7 Millionen auf insgesamt 43,3 Millionen Euro das Thema des Jahres gewesen sei.

Dieses konnte Spies jedoch nachvollziehen. „Ja, sie wurde teurer als erwartet. Das kann man diskutieren“, sagte der OB. Aber in einer Stadt „voller Kunst- und Kulturliebe“ seien doch wohl eher die Eröffnung, die Stücke des Schauspiels, die Konzerte des Konzertvereins oder die Musiker und Kabarettisten im nun ebenfalls in die Stadthalle integrierten Kulturladen KFZ sowie weitere kulturelle Ereignisse die erinnerungswürdigen Themen und Erlebnisse, meinte Spies.

Themenhitliste

Kulturell wurde auch die Neujahrsrede umrahmt. So spielte die 19-jährige Marburgerin Clara Pilgrim, ehemals „Jugend musiziert“-Siegerin, am Klavier ein Scherzo von Chopin. Viel Schwung brachte in der Mitte der Rede eine Combo der Clowndoktoren mit Stücken wie „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ und „Always look on the bright side of life“. Zum Ausklang und als Untermalung des „gemütlichen Teils“ des Empfangs spielte dann das Achim-Breinl-Quintett ein breites Potpourri von Songs.

Im weiteren Verlauf seiner Rede ging Spies auch kurz auf die Themen ein, die in der Themen-Hitliste der OP-Leser auch ganz weit oben rangierten. Zur unsicheren Haushaltslage in Marburg (Platz zwei) sagte Spies, dass Marburg trotz des nunmehr zutage getretenen strukturellen Defizits nach wie vor eine wohlhabende Stadt sei. Das Defizit sei keine Katastrophe. Denn die Stadt müsse nicht wie andere Städte Schwimmbäder und Sportplätze schließen oder den Straßenbau und die Pflege der Schulen und Kindergärten gefährden. Allerdings gestand Spies ein: „Wir müssen uns ein bisschen am Riemen reißen und uns fragen: Was muss sein, was sollte sein? Was können wir wirksamer, was müssen wir verschieben und auf was können wir auch eine Weile verzichten?“ Konkrete Aussagen, wo aus seiner Sicht gespart werden solle, blieb Spies allerdings in seiner Neujahrsrede schuldig.

Klare Hinweise auf den weiteren Fortgang in der Stadtpolitik vermied der OB auch, als er zum Thema kam, das die OP-Leser auf Platz drei gesetzt hatten: die Tatsache, dass es auch ein Dreivierteljahr nach der Kommunalwahl und dem Wegfall der rot-grünen Rathauskoalition keine Koalition gibt. Gibt es nun künftig eine rot-schwarze Koalition, oder ein linkes Bündnis aus SPD, Linken und Grünen oder überhaupt keine Koalition mehr? Es sei kein Grund, besorgt zu sein, weil es noch keine Koalition in Marburg gebe, meinte Spies nur. Man müsse eben mehr aufeinander zugehen und Kompromisse aushandeln. Aber vernunftbegabte Menschen könnten das, so Spies. Schließlich seien wichtige Themen trotzdem auf den Weg gekommen, beispielsweise das Bildungsbauprogramm Bibap, die Sanierung der Marburger Straße oder mehr Deutschkurse für Flüchtlinge. Auch der Wohnungsbau gehe voran und die Ausschreibung der Lokschuppen-Sanierung sei erfolgt.

"Gesunde Stadt" und "Digitale Stadt"

Auffälligerweise hielt sich Spies mit Statements zu umstrittenen Themen oder notwendigen Entscheidungen sehr zurück. So sagte er kein Wort zum Verkehrsversuch in der Nordstadt und erläuterte auch nicht, was denn mit den Holzhäusern des Flüchtlingscamps Cappel nach der Schließung durch die Landesregierung werden solle.

Stärkeres Augenmerk legte der Rathauschef auf die Aufzählung der Projekte, die aus seiner Sicht gut laufen, wie die städtischen und ehrenamtlichen Projekte zur Frauen-Gleichstellung, der Flüchtlingshilfe, zur Betreuung von Obdachlosen oder das Marburger Stadtmarketing, das er als Erfolgsgeschichte bezeichnete. Auch das von ihm vorangetriebene Programm „Gesunde Stadt“ mit mehr Bewegung für alle, vermehrte Bürgerbeteiligung mithilfe einer Bürgerbeteiligungs-Beauftragten sowie den Ausbau des Programms „Digitale Stadt“ mit der Erarbeitung eines flächendeckenden WLAN-Netzes in ganz Marburg nannte Spies als wichtige Eckpfeiler seiner Politik. Um Sehen und Gesehenwerden ging es im Anschluss an den offiziellen Teil des Empfangs. Bei Häppchen sowie Sekt, Wein, Orangensaft oder Wasser entwickelte sich der Empfang traditionsgemäß wieder zu dem, was er immer schon war: eine große Marburger Informationsbörse und ein kleiner Markt der Eitelkeiten.

von Manfred HItzeroth

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