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Spies fordert Respekt und Rücksicht

Neujahrsempfang Spies fordert Respekt und Rücksicht

Premiere für den neuen Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies: Zum ersten städtischen Neujahrsempfang mit Spies als Gastgeber waren rund 1400 Gäste in die Großsporthalle eingeladen.

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Sehen und gesehen werden: das war das Motto beim Neujahrsempfang nach der Rede von Dr. Thomas Spies.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es war die erste Neujahrsrede von Dr. Thomas Spies (SPD) als neuer Rathauschef. Und diese Premiere fand zudem zum Auftakt des Wahlkampfs für die Kommunalwahl statt, die in weniger als 50 Tagen ansteht. Es gab also mindestens zwei gewichtige Gründe, um der Rede des „Neuen“ genau zuzuhören. Und einer tat das in der ersten Reihe ganz besonders: Es war Egon Vaupel (SPD), der direkte Amtsvorgänger von Spies. „Es war eine gute Rede“, bilanzierte Vaupel direkt danach. Vor allem freue er sich, dass Thomas Spies für Kontinuität stehe und dies auch mehrfach betont habe, sagte Vaupel im Gespräch mit der OP.

Rund 1 400 Menschen kamen am Samstagabend in Großsporthalle der Kaufmännischen Schulen um unter anderem die Rede vom neuen Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies zu hören.

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Aber ist das wirklich so? Der neue Rathauschef müsse noch seine Rolle zwischen dem akademischen Anspruch von Dr. Hanno Drechsler (Marburger OB zwischen 1970 und 1992) sowie dem eher volksnahen Auftreten von dessen Amtsnachfolgern Dietrich Möller (CDU) und Egon Vaupel finden, sagte Rainer Kieselbach, ehemaliger Leiter der städtischen Pressestelle, im Gespräch mit der OP. Einen ersten Ansatz dazu machte Spies am Samstag in der Großsporthalle. Seinen Auftritt begann er locker und lässig, indem er zu Beginn auf der Bühne entspannt mit den beiden jungen Pianisten Gabriel Bünemann und Mai Epping von der Musikschule Marburg plauderte. Das Klavierduo spielte dann so herzerfrischend und unverkrampft zwei Stücke, dass das Eis sofort gebrochen war. „Daran sehen wir, wieso die Stadt Marburg so viel Geld für kulturelle Bildung ausgibt“, meinte Spies begeistert. Der neue Rathauschef, der zuletzt 16 Jahre lang für die SPD im hessischen Landtag Abgeordneter war, hat auch eine eher intellektuelle Herangehensweise an die Politik. Er wünsche sich „in der Stadt der ältesten protestantischen Universität einen Umgang des rationalen Diskurses“, sagte er am Ende seiner Rede. Dazu zitierte er einen Ausspruch des Philosophen Jürgen Habermas, den „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ und das „Ziel der kooperativen Wahrheitssuche“.

Die Rede von Spies war 47 Tage nach seinem Amtsantritt auch eine Art allgemeiner Regierungserklärung für die Bürger, in der er gleichzeitig schon einige seiner zukünftigen Vorhaben skizzierte. Dabei stellte er die Leitbegriffe Gerechtigkeit, Respekt, Rücksicht, Besonnenheit und Beteiligung in den Mittelpunkt. Vor allem Bildung und Kultur, aber auch die Gesundheits- und Sozialpolitik sind Handlungsfelder, auf die sich Spies konzentrieren will. Die sogenannten weichen Faktoren seien besonders wichtig und definieren laut Spies vor allem die Lebensqualität an einem Ort.

Und diese konkreten Vorhaben nannte Spies bereits:

  • Mit dem Bildungsbauprogramm „BiBaP“ will der neue OB in den kommenden fünf Jahren mindestens 30 Millionen Euro in städtische Schulsanierungs- und Bauprojekte investieren und dabei bis zum Sommer auch eine verlässliche Prioritätenliste aufstellen.
  • Für „Kunst am Bau“ soll bei städtischen Projekten zwischen einem und drei Prozent der Bausumme investiert werden. So will Spies beispielsweise den Zaun am Camp Cappel freundlicher gestalten lassen.
  • Ein lokales Programm „Marburg gegen Krebs“ soll etabliert werden. Dazu sollen nach den Vorstellungen von Spies Experten aus dem Uni-Klinikum mit niedergelassenen Ärzten und sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten.

Zwei Themen widmete sich Spies besonders ausführlich: dem Straßenverkehr und der Aufnahme von Flüchtlingen.

Zum Thema Verkehr forderte der OB, dass in einer „kleinen, engen mittelalterlichen Stadt“ von allen Verkehrsteilnehmern Rücksicht verlangt werden müsse. Dabei solle es in den Verkehrsdebatten nicht um Ideologie oder Recht haben gehen. „Ich habe keinerlei Verständnis mehr für diese ewigen ‚Auto gegen Fahrrad gegen Fußgänger gegen Busse und dazwischen die Seilbahn‘-Debatten“, sagte Spies. Besonders ging er noch einmal auf den umstrittenen Verkehrsversuch in der Nordstadt ein, den er verteidigte. Die Stadt werde alles tun, damit das zentrale Projekt der Nordstadtentwicklung rund um den neuen Campus Firmanei gelinge, kündigte er an. Nur wenn trotz aller Optimierungen immer noch ein Rückstau bis zum Ortseingangsschild der Stadt Marburg bleibe, müsse der Versuch „rückabgewickelt“ werden, kündigte Spies an.

„Marburg bleibt eine weltoffene, tolerante und von gegenseitigem Respekt geprägte Stadt. Pegida, Neonazis und Rassisten aller Couleur sind hier nicht willkommen“, sagte Spies unter großem Beifall. Und damit aus der Willkommenskultur für die neu ankommenden Flüchtlinge auch eine Bleibekultur werde, „müssen wir den Menschen, die kommen, die Angst nehmen“,­ sagte Spies. Als ein Beispiel für den Mehrwert der Zuwanderung nannte er die musikalische Aufführung des Syrers Youssef Nasif, der auf seinem zither-ähnlichen Musikinstrument Kanun zwei Musikstücke aufführte.

Mit freundlichem Beifall wurde die erste Neujahrsrede von Thomas Spies aufgenommen. Eine Kritik daran äußerte der Redner am Ende gleich selber. Er gestand, dass seine mehr als einstündige Rede wohl doch zu lang gewesen sei und gelobte Besserung für 2017.

von Manfred Hitzeroth

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