Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Spezialgerät reinigt die Muttermilch

Uni-Kinderklinik Spezialgerät reinigt die Muttermilch

Zwei Großspenden des Vereins "Menschen für Kinder" verbessern die medizintechnische Ausstattung der Uni-Kinderklinik für Frühgeborene.

Voriger Artikel
Schmerz lässt dauerhaft nach
Nächster Artikel
Zeugen sagen: Joggerin ging bei Grün

Ärztin Pia Göbert (von links), Kliniksleiter Professor Rolf-Felix Maier und Pflegedienstleiterin Erika Hallenberger stehen in der Kinderklinik an dem Pasteurisiergerät, das mit Hilfe der Spende des Vereins „Menschen für Kinder“ angeschafft wurde, dessen Vorstandsmitglieder (ab Vierter von links) Norbert Schmidt, Stefan Köhler, Stefan Zeiger und Dieter Greilich nach Marburg kamen. Foto: Hitzeroth

Marburg. 10 Prozent aller Kinder in Deutschland kommen zu früh auf die Welt. Eine besondere Gruppe unter diesen Frühgeborenen sind die Kinder, die bei der Geburt ein Gewicht von unter 1500 Gramm haben und meistens mehr als zehn Wochen zu früh auf die Welt gekommen sind, erläutert Professor Rolf-Felix Maier, der Leiter der Marburger Uni-Kinderklinik. Das sind in Deutschland zwischen 8000 und 9000 Kinder pro Jahr. „Diese Frühgeborenen benötigen eine besondere Fürsorge und medizinische Versorgung und vor allem eine möglichst gute Ernährung“, so Maier.

Am besten für die Ernährung dieser zu früh auf die Welt gekommenen Kinder ist nach allen medizinischen Erkenntnissen imme noch die Muttermilch. Denn sie ist einerseits reich an Nährstoffen und beinhaltet andererseits genügend wichtige Abwehrstoffe und Faktoren, die das Wachstum beschleunigen.

„In bestimmten Fällen birgt die Muttermilch allerdings auch Gefahren, nämlich dann, wenn über die Muttermilch Krankheitserreger wie zum Beispiel die Zytomegalieviren übertragen werden“, erklärt Pia Göbert, Oberärztin auf der Neugeborenen-Intensivstation in Marburg und Expertin für die Ernährung von Frühgeborenen. In diesen Fällen müsse man aus Sicht der Mediziner abwägen zwischen den unbestrittenen gesundheitlichen Vorteilen der Muttermilch und dem Risiko der Infektion.

An der Marburger Uni-Klinik haben die Mediziner bisher den Müttern, die an der für alle außer an den Neugeborenen ungefährlichen Infektion erkrankt waren, immer von der Muttermilch-Verabreichung abgeraten. Das betraf immerhin einen Prozentsatz von rund 60 Prozent der Mütter. Jetzt gibt es dank einer Spende des Vereins „Menschen für Kinder“ Abhilfe in der Kinderklinik: Denn die Klinik hat mit dem Geld eine mehr als 30000 Euro teures Spezialgerät angeschafft, ein Pasteurisiergerät für Muttermilch.

Kein Geld im Kliniketat

„Wir sind damit in Marburg auf dem neuesten Stand der Technik und bei der Versorgung von sehr kleinen Frühgeborenen wieder einen wichtigen Schritt vorangekommen“, freute sich Klinksdirektor Maier bei einem Pressegespräch in der Kinderklinik, bei dem auch vier Vorstandsmitglieder des Vereins anwesend waren. „Das kam ein bisschen wie ein Geschenk vom Himmel“, ergänzte Professor Maier. Im regulären Klinik-etat war für die Anschaffung des Pasteurisiergerätes bisher kein Geld verfügbar gewesen.

Und so funktioniert das Gerät: Die Muttermilch wird in einem Röhrchen in das Gerät gestellt und und dort ultrakurz­erhitzt, wobei sie nicht zu sehr erwärmt werden darf. Anschließend kann sie den Frühgeborenen gegeben werden.

„Wir sind der Auffassung, dass unser Geld sehr gut angelegt ist und dass es zur Verbesserung der Versorgung der Frühgeborenen in der Marburger Klinik“, sagte Norbert Schmidt, Schriftführer des Vereins „Menschen für Kinder“, der zusammen mit drei Vorstandskollegen die Kinderklinik besuchte und sich über die Verwendung des im Sommer angeschafften Geräts informierte. Der Verein unterstützt die Marburger Kinderklinik bereits seit vielen Jahren mit Spenden. Schon traditionell ist die jährliche Verteilung von Geschenken an die kranken Kinder in der Marburger Kinderklinik kurz vor Weihnachten

„Wir radeln jedes Jahr durch Deutschland, um Spenden für kranke Kinder zu sammeln, die wir dann an Kinderkliniken für wichtige Projekte verteilen“, berichtet Norbert Schmidt.

Von der Arbeit in Marburg waren die Vorstandsmitglieder so beeindruckt, dass Schmidt am Mittwoch in Marburg noch eine weitere Großspende zusicherte, worüber sich Maier besonders freute. 30000 Euro sollen nun mit dazu beitragen, dass die Kinderklinik eine Spezialkamera anschaffen kann, die ebenfalls Frühgeborenen helfen soll, bei denen regelmäßig alle 14 Tage der Augenhintergrund untersucht wird, um eine mögliche Erblindungsgefahr der gefährdeten Säuglinge auszuschließen. Die Kamera soll die umständlichere und für die Kinder anstrengendere Untersuchung durch einen Augenarzt ersetzen. Das Gerät kostet 80000 Euro. Das restliche Geld steuerte die Klinik über weitere Spenden bei.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr