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Sperrung steht nicht zur Debatte

Leopold-Lucas-Straße Sperrung steht nicht zur Debatte

Freitag, 13 Uhr – das reinste Verkehrschaos: So sieht es in der Marburger Leopold-Lucas-Straße nach Schulschluss aus. Die problematische Verkehrssituation rund um den Schulstandort am Rande der Schwanallee stand deswegen im Mittelpunkt einer städtischen Info-Versanstaltung im Gymnasium Philippinum.

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So sieht es in der Leopold-Lucas-Straße nach Schulschluss aus. Die Schüler strömen zu den Bussen, Eltern warten auf ihre Kinder, es herrscht Stau.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Es besteht objektiver Handlungsbedarf“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Er rechnet mit der Umsetzung der Verbesserungsvorschläge jedoch frühestens in drei Jahren. Das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Stete aus Darmstadt stellte sein Klimaschutzteilkonzept „Klimafreundliche Mobilität“ für den Schulstandort Leopold-Lucas-Straße vor. Interessierte Bürger, Eltern und Lehrer waren dazu in das Kultidrom des Gymnasiums Philippinum eingeladen.

„Es gibt hier ganz offensichtlich Probleme. Sie alle kennen das, wenn sich früh morgens der Verkehr bis zur Konrad-Adenauer-Brücke staut“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Dies sei aber nur einer der vielen negativen verkehrsbedingten Aspekte rund um den Schulkomplex in der Marburger Südstadt.

Neben den häufigen Staus und der mangelnden Sicherheit für die Schüler stand der Umweltgedanke im Vordergrund. „Die Schulen sind hier als pädagogischer Ort besonders wichtig, hier kann man der nächsten Generation beibringen, häufiger ein Fahrrad, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder seine Füße zu benutzen und das Auto in der Garage stehen zu lassen“, sagte Kahle. Allerdings solle dies nicht bevormundend geschehen.

Fragebögen sollen Lösungswege aufzeigen

Die Probleme würden die Kommunalpolitik beschäftigen, seit es die Schulen gebe, nun solle aber endlich etwas geschehen. „Es besteht objektiver Handlungsbedarf“, beteuerte Kahle. Das vorgestellte Konzept werde nun in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert und bei positiver Resonanz anschließend für die Detailplanung zusammen mit Schulgemeinden herangezogen werden. „Bis zur baulichen Fertigstellung des Projekts muss man dann allerdings noch mindestens drei bis vier Jahre Geduld haben.“

Um die Probleme rund um die sechs Schulen genauer zu durchleuchten, entwickelte das Planungsbüro Fragebögen für alle Lehrer und Schüler des Gymnasiums Philippinum. „Wir konnten aus diesen ein gutes Bild über das Mobilitätsverhalten der Personen gewinnen. Mit der Rücklaufquote sind wir sehr zufrieden, 79 Prozent der Schüler und 56 Prozent der Lehrer gaben uns etwa Informationen dazu, wie sie die Schule erreichen oder wie lange ihr Schulweg ist“, erklärte Ingenieurin Gisela Stete.

Des Weiteren seien Kameras aufgestellt worden, um den Fuß-, Rad- und Autoverkehr in der Leopold-Lucas-Straße zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Verkehrsüberwachung seien unter anderem, dass der Ostteil der Straße am gefährlichsten ist und dass die Verkehrsprobleme nicht alleine von den Autos ausgehen, sondern von der Überschneidung von allen Verkehrsteilnehmern in den Stoßzeiten.

Vollsperrung für Autos stößt auf Ablehnung

Aus den gewonnenen Daten erarbeitete die Firma Stete ein aus sieben Punkten bestehendes Verbesserungskonzept. Wichtig seien ein noch besseres Angebot des ÖPNV, konkret der Einsatz von mehr Bussen und eine angepasstere Taktung der Züge ab dem Südbahnhof.

Dieses Mehr an Bussen spielt laut Stete auch bei der verkehrsrechtlichen Anordnung und der Straßenraumgestaltung eine Rolle. „Es müssen die Haltestellen vergrößert werden oder die Busse müssen direkt auf der Straße halten, was alle Autofahrer zum Warten verdonnern würde.“

Dies sei einer der Gründe, warum auch eine Teilsperrung der Straße zu gewissen Uhrzeiten im Raum steht. Die weiteren Maßnahmen zielen auf eine Erhöhung der Verkehrssicherheit, eine Erweiterung der Fahrradstellplätze und eine Umgestaltung der Autoparkplätze ab. Dazu soll es ein komplettes Halteverbot vor den Schulen geben.

In der auf den Vortrag folgenden Diskussion beteiligten sich einige der Anwesenden. Eine Vollsperrung für private Automobile, was von Stete auch als Option genannt worden war, stieß dabei auf breite Ablehnung. Insgesamt schienen aber viele froh, dass nun etwas vorwärtsgehe. Der Ockershäuser Ortsvorsteher Matthias Simon (SPD) lobte abschließend die Pläne, mahnte aber an, dass die Stadt noch mehr dafür tun müsse, die Bürger im betroffenen Gebiet einzubinden.

von Alexander Graf

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