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Spannend wie eine Schatzsuche: Kartoffeln ernten

Garten im Kindergarten Spannend wie eine Schatzsuche: Kartoffeln ernten

Seit April bewirtschaftet der Kindergarten Schröck seinen eigenen Garten. Und zwar zusammen mit den Kindern. Die lernen so, wie und wo viele essbare Dinge herkommen und wie diese schmecken.

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Erst sangen die Kinder das „Kartoffellied“, danach führten sie das kleine Theaterstück „Das Rübchen“ auf.

Quelle: Manfred Schubert

Schröck. Vorstellungen, dass Kühe lila seien, Käse aus Pflanzen gemacht und Nudeln wiederum aus Tieren erzeugt werden, sind bei Grundschülern anzutreffen. Und das Wissen, wie man selbst ein schmackhaftes Essen aus frischen Lebensmitteln zubereitet, statt zum Fast-Food-Imbiss zu fahren, scheint noch weniger verbreitet zu sein als das über deren Herkunft, nicht nur bei Kindern.

Nicht so in Schröck. Die Drei- bis Sechsjährigen besuchen dort nicht nur den Kindergarten, sondern sind seit April dieses Jahres selbst zu Gärtnern geworden. Und sind mit voller Begeisterung dabei. Dies zeigte sich jetzt deutlich, als der Kindergarten zum herbstlichen ­Ende der Saison zum Kartoffelfest eingeladen hatte.

Erst sahen sie zu, wie Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) mit der Forke die ersten Stiche zur Lese der letzten Kartoffeln setzte. Dann durften die Kinder selbst auf die Suche nach den Knollen gehen. Spannender hätte eine Schatzsuche für viele von ihnen auch nicht sein können, hatte man den Eindruck.

Zur Eröffnung des Festes hatten die Kinder zusammen ein Kartoffellied gesungen und das kleine Theaterstück „Das Rübchen“ aufgeführt. Bürgermeister Kahle betonte in seiner Begrüßung, dass die Stadt Marburg bei der Kinderbetreuung großen Wert auf gesunde Ernährung lege.

Einzelne Beete hätten bereits mehrere Kindergärten, aber Schröck sei die erste Einrichtung mit einem richtigen Garten, wo man über die Jahreszeiten hinweg Gemüse und Obst anbauen kann, sagte Stefanie Lambrecht, Fachdienstleiterin Kinderbetreuung bei der Stadt. „Wichtig ist uns der Transfer in die Küche. Aber nicht nur das Endprodukt zählt, sondern auch die Sinneseindrücke auf dem Weg dahin“, unterstrich sie die Bedeutung des Pilotprojekts. Im Frühjahr war der bis dahin verpachtete Garten direkt neben dem Kita-Gelände frei geworden. „Im April haben wir mit der Gestaltung begonnen. Die Eltern haben umgegraben und ihn zum Bepflanzen vorbereitet“, berichtete Kindergartenleiterin Sonja Noll. Die Gartenarbeit mit den Kindern unterstützt mehrere Stunden pro Woche Jakob Manzek, Werksstudent des Jugendamts, dessen großen Einsatz und gute Fähigkeiten im Umgang mit den Kindern Noll besonders lobte.

„Wir haben dieses Jahr viele Erdbeeren und viele Zucchini geerntet, aber auch Johannisbeeren, Brombeeren, Salate und Kräuter. Es ist aber nicht gleich alles gediehen, mit Radieschen, Tomaten und Kürbissen hat es noch nicht so funktioniert“, sagte Noll.

Immer donnerstags ist Gartentag, an dem die Kinder pflanzen, jäten, ernten, graben, pflegen und natürlich auch naschen. Manchmal erforschen sie auch die kleinen Tiere und warum sie für den Garten wichtig sind.

Mit Kräutern die Sauce verfeinert

An anderen Tagen wird gegossen oder Gemüse fürs Mittagessen geerntet. Jeden Freitag wird mit Erzeugnissen aus dem Garten zusammen mit den Kindern gekocht. Mit Zucchini oder Kartoffeln zum Beispiel ganze Gerichte, manchmal wird mit Kräutern nur die Sauce verfeinert. Auch an der Vorbereitung des Essens fürs Kartoffelfest hatten die Kinder mitgewirkt und beim Backen von Pflaumen- und Apfelkuchen sowie Kartoffelbrot geholfen. Es gab Kartoffelsuppe und Kartoffelspalten sowie Marmeladen und andere Leckereien aus dem Garten zu kaufen.

Auch im Winter gerät der Garten nicht in Vergessenheit. In der Werkstatt sollen ein großes Insektenhotel und Vogelnisthilfen gebaut und Futterstellen eingerichtet werden.

von Manfred Schubert

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