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Spalierobst und Beerenkaskade

Projekt "Essbare Stadt" Spalierobst und Beerenkaskade

Um Bürgern essbare Pflanzen näherzubringen, pflanzt Marburg seit eineinhalb Jahren Bäume, Sträucher und weiteres Grün in der Stadt.

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Bürgermeister Dr. Franz Kahle (von links) sowie Marion Kühn und Silvia Vignoli vom Fachdienst Stadtgrün freuen sich über die Verwirklichung der Projekte „Probier mal Marburg“ und „Wildes Hessen“ im Northampton-Park.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. Was im Englischen als „Urban Gardening“ bekannt ist, nennt sich im Deutschen urbaner (städtischer) Gartenbau und läuft in Marburg ganz speziell unter dem sinnbildlichen Namen „Probier mal Marburg“. „Beete mit Kräutern, Obst und mehr machen Marburg zur essbaren Stadt“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Marburg. Nach Andernacher Vorbild sollen sich die Bürger selbst an der Grüngestaltung beteiligen, erzählt Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Laut dem Grünen-Politiker war „80 Jahre zurück Gärtnern noch üblich in der Bevölkerung, doch nach und nach haben Ziergehölze Obst- und Fruchtgehölze weitestgehend verdrängt“. Kinder wüssten heutzutage oft nicht mehr, wie ihr Essen wächst und in der Natur aussieht.

Doch in den vergangenen Jahren habe das Bewusstsein der Menschen für das selbstständige Anpflanzen sowie Hegen und Pflegen von Nutzpflanzen zugenommen. Dazu Kahle: „Vor etwa fünf Jahren gab es in der Stadt erste Überlegungen zum Aufstellen von Fruchtgehölzen und anderen essbaren Pflanzen. Das ‚Spalierobst‘, eine ‚Erdbeeren-Kaskade‘ und der ‚Beerenhügel‘ im Northampton-Park sind unser 70. Projekt bei ‚Probier mal Marburg‘.“

Einen Walnussbaum gibt es im Northampton-Park am Troje­damm bereits. Schon vor dem Projekt habe die Stadt Wild­gemüse und -kräuter sowie andere Nutzpflanzen in Schulen und Kindergärten angeboten.

Pflanzgefäße mit Kräutern für die Oberstadt

„Wir hoffen, dass die Bürgerinnen und Bürger die Äpfel, Birnen, Stachelbeeren und verschiedenen Erdbeersorten mindestens genauso gerne annehmen wie die anderen Pflanzen, die wir über die ganze Stadt verteilt haben“, sagte Marion Kühn, Leiterin des Fachdienstes Stadtgrün, Klima- und Naturschutz der Universitätsstadt.

Die mit Kräutern bewachsenen Pflanzgefäße in der Oberstadt würden von Marburgern und Touristen gleichermaßen bewundert und geschätzt, sagte Kahle.

Viele Beerensträucher seien sehr gut abgeerntet worden und in Schulen und Kindergärten steige die Nachfrage nach essbaren Pflanzen.

„Wir haben das Angebot auch auf Bürgerhäuser ausgeweitet, Interesse wurde schon in Cappel und Michelbach bekundet“, erklärte Silvia Vignoli vom Fachdienst Stadtgrün.

Bewirtschaftet die Stadt „Probier mal Marburg“-Stationen in öffentlicher Hand komplett selbst, müssten die Bürger sich um die Pflanzkübel an Bürgerhäusern allerdings weitestgehend selbst kümmern.

Auch „Wildes Hessen“ findet Standort

„Damit die Pflege generell mehr in Bürgerhand übergeht, können auch Patenschaften für bestimmte Standorte geschlossen werden. Das bedeutet, dass Bürger sich selbst um das Gießen kümmern können. Wer gerne Pate werden möchte, sollte sich bitte bei uns melden, damit wir Bescheid wissen, wer wo inwiefern hilft“, so Vignoli. Es sei wichtig, dass die Stadt von den Paten weiß, damit städtische Mitarbeiter nicht unnötige Wege zu Stationen haben, die womöglich schon gegossen wurden.

Darüber hinaus beteiligt sich die Stadt an einem vom Land Hessen entwickelten Konzept zum Schutz, der Förderung und Erhöhung der Biodiversität. Als ersten Beitrag zu dem Projekt „Wildes Hessen - mehr Vielfalt in Garten, Dorf und Stadt“ des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mäht die Stadt neuerdings neben dem Hauptfriedhof auch einen Bereich im North­ampton-Park nicht mehr. „Wir wollen einen Teil der Pflege unserer Flächen bewusst zurücknehmen“, beteuerte Kahle, „um kleineren Säugern und Faltern gute Versteckmöglichkeiten zu bieten. Die Fläche im Northampton-Park haben wir im letzten Jahr nur zweimal gemäht, seit acht Wochen nun gar nicht mehr“.

Das soll außerdem eine Anregung für Bürgerinnen und Bürger sein, auch in ihren Gärten Bereiche der Natur zu überlassen. Auf www.wildeshessen.de sollen bald immer aktuelle Bilder der Flächen zu sehen sein. Warum fördert die Stadt Marburg so viele Naturprojekte? „Das machen wir, weil vor einigen Jahren in Marburg die ‚Charta der Biodiversität‘ beschlossen wurde“, lautet die Antwort von Bürgermeister Kahle.

von Yannic Bakhtari

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