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Sozialisten und Linke im Vordergrund

Marburger Politologe Frank Deppe Sozialisten und Linke im Vordergrund

Die vier Bücher sind aus einer Vorlesung vor mehr als 20 Jahren heraus entstanden. Anlass für die Neuauflage ist der 75. Geburtstag des Marburger Politikwissenschaftlers.

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Der Fraktionschef der Marburger Linken, Jan Schalauske (links), hört seinem Lehrer Professor Frank Deppe zu.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart widmet sich Frank Deppe in „Politisches Denken im 20. Jahrhundert“ den verschiedenen politischen Strömungen des Liberalismus, Konservatismus, Sozialismus und Antiimperialismus.

Das 20. Jahrhundert sei extrem widersprüchlich, erklärte der emeritierte Politikwissenschaftler bei der Buchvorstellung im TTZ. Denn in keinem Jahrhundert zuvor habe es so viele Kriegsopfer gegeben, gleichzeitig seien in diesem Jahrhundert gewaltige Fortschritte gemacht und die Wissensstandards angehoben worden. „Es ist das Jahrhundert der unglaublichen Beschleunigung“, bekräftigte Deppe. Vier Bände umfasst sein Standardwerk, die in ihrer Erstauflage zwischen 1999 und 2010 erschienen sind. Die ersten drei Bände habe er noch während des Dienstes geschrieben, betonte Deppe, was nicht immer einfach gewesen sei: „Das schreibt man nicht, ohne sich auch vorher gründlich damit zu beschäftigen“. Jeden der Bände habe er in zwei Teile geteilt, erklärte er die Konzeption des Buches.

So habe er zuerst die Epoche charakterisiert und anschließend exemplarisch einzelne Vertreter des politischen Handelns vorgestellt, etwa den Staatsrechtler Carl Schmitt als Beispiel für den Konservatismus. Allerdings gab Deppe zu: „Die Sozialisten und Linken sind etwas überrepräsentiert.“

Frank Deppe studierte beim sozialistischen deutschen Politologen Wolfgang Abendroth, bei dem er auch promovierte. Doch trotz seiner eigenen politischen Neigung sucht Deppe stets den Blick auf das Gesamte und Erklärungen für die verschiedenen Strömungen und fragt nach dem Warum - alles aus der Sicht von heute. Bei den jüngeren Generationen sehe er großen Nachholbedarf an politischer Bildung. Er ergänzte aber gleich: „Wir müssen uns selbst fragen, woran das liegt“.

Frank Deppe wird auch zehn Jahre nach seiner Emeritierung sehr geschätzt. Das war bei der Buchvorstellung deutlich zu spüren. Auch seine beiden ehemaligen Studenten Jan Schalauske und David Salomon forderten ihn gerne bei der Diskussion heraus, mit Fragen wie „Was genau ist politisches Denken?“. Wie in einem Uni-Seminar - einige, die zu spät kamen, saßen an der Seite auf dem Boden - hörten die 150 Zuhörer im TTZ dem Politikwissenschaftler gebannt zu, der mit seinem unglaublichen Fachwissen beeindruckte.

  • Frank Deppe: „Politisches Denken im 20. Jahrhundert“, VSA-Verlag, 2024 Seiten, 125 Euro.

von Mareike Bader

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