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Sozialdienste „vergolden“ ihre Demo

Streik Sozialdienste „vergolden“ ihre Demo

„Wir sind Gold wert.“ So steht es auf einem Streikbanner. Mitarbeiter von sozialen Diensten ­hüllten sich gestern in ­Marburg in Goldfolie - und verwiesen mit Nachdruck auf ihre Rolle im Streik der Erziehungsdienste.

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Sie wollen mehr Geld für ihre Arbeit: Der Streik der Erziehungsdienste läuft in der dritten Woche – gestern machten Sozialpädagogen und Sozialarbeiter in Marburg auf ihre Rolle in der Auseinandersetzung aufmerksam.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es ist fünf vor zwölf, als die Demo der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen auf dem Marburger Marktplatz beginnt. „Die Uhrzeit steht symbolisch für unsere Situation“, sagt der Marburger Sozialarbeiter Matthias Zeidler. Er ist umringt von rund 120 Kolleginnen und Kollegen aus Marburg, dem Landkreis, Herborn, Gießen und Dillenburg, die alle auf den Marktplatz gekommen sind, um auf die Arbeit der sozialen Dienste zu verweisen. Sozialpädagogen und Sozialarbeiter seien vom derzeit laufenden Streik der ­Sozial- und Erziehungsdienste ebenso betroffen wie die Erzieherinnen, deren Situation bei den meisten Aktionen im Vordergrund stehe, betont Zeidler: „Dabei ist dies ein Streik der kompletten Tarifgemeinschaft.“

Was die Pädagogen leisten, welche Rolle sie fürs Gemeinwesen spielen, darum geht es auf dem Marktplatz. „Unsere Arbeit setzt dort an, wo die Gesellschaft wegschaut, wir befassen uns mit dem ganzen Mist, den es so gibt“, sagt Zeidler.

Mitarbeiter der Jugendämter von Stadt und Landkreis sind zur Demo gekommen. Auf ihren Plakaten weisen sie auf ihre vielfältigen Einsatzgebiete hin, beispielsweise auf ihr Einschreiten bei Kindeswohlgefährdung, auf die Betreuung von Jugendlichen, die von der Polizei aufgegriffen werden oder sich vor Gericht verantworten müssen, auf ihr Kümmern um minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern, auf ihre Arbeit an den Schulen. „Wir sind Gold wert“, haben sie auf Plakate geschrieben und sich passend dazu in Goldfolie gehüllt. Sozialpädagoge Richard Maciossek hüllte seinen Protest in Musik. Mit rockigen Gitarrenklängen unterlegt schmetterte er vor Streikenden und Passanten einen selbstgeschriebenen Song über die Arbeit von Pädagogen: „Unsere Pflegekinderliste ist lang - niemand wird von uns versetzt - Aufwertung jetzt!“ Und: „Kein Problem, wir retten gern die Welt, doch dafür brauchen wir mehr Geld.“

Der Ärger der Streikenden über den Arbeitgeberverband ist derzeit groß - Zeidler sprach von „purer Arroganz“, die den Sozialarbeitern entgegenschlage. Es gebe kein Angebot und noch nicht einmal eine Tarifkommission auf Seite der Arbeitgeber, die sich mit den Forderungen befasse.

Konkret geht es den Mitarbeitern der sozialen Dienste, die beispielsweise in den Jugendämtern tätig sind, um eine „gerechte und statusverbessernde Eingruppierung“, wie die Streikenden es auf einem Handzettel festgehalten haben. Das Niveau der Löhne sei seit 1991 unverändert, dabei handele es sich bei Sozialarbeitern und Sozialpädagogen um „hochqualifizierte Fachleute mit Studienabschluss“, die eine „qualitativ hochwertige sowie kompetente Arbeit an und für Menschen aller Altersstufen“ leisteten.

Die Mitarbeiter der sozialen Dienste wollen ein Angebot vom Arbeitgeberverband - auch, wenn sie dafür noch länger streiken müssen. Um ihre Forderungen zu unterstreichen, werden sie morgen in Frankfurt mit ihrem Streik eine Tagung der Arbeitgeber begleiten, wie Susanne Pitzer-Schild von der Gewerkschaft Verdi gestern ankündigte. Dass der Streik sich hinzieht, ist den Demonstrierenden indes alles andere als Recht: „Uns geht die Zeit verloren, kostbare Zeit, die wir für die Beziehungsarbeit mit den Menschen brauchen, die wir begleiten und zu denen wir so den Kontakt verlieren“, sagte Matthias Zeidler.

von Carina Becker

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