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Sorge vor weiterer Wohnverdichtung

Damaschkeweg Sorge vor weiterer Wohnverdichtung

In wenigen Wochen sollen die Bauarbeiten beginnen, Anwohner am unteren Richtsberg geben ihren Widerstand gegen Bauprojekte am Damaschkeweg und in der Friedrich-Ebert-Straße aber nicht auf.

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Dieser öffentliche, von Bäumen umstandene Parkplatz am Damaschkeweg soll zwei Neubauten weichen.  Anwohner fordern sofortigen Planungsstopp.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Elena Welz ist richtig sauer: „Ich möchte einfach nur als Mensch behandelt werden“, sagt die Frau, die sich als Anwohnerin gegen die Bauvorhaben der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Hessen (GWH) gegen die Bebauung der Freifläche vor den Häusern Damaschkeweg 13 und 15 wehrt und gegen den Neubau auf der Fläche der früheren Gaststätte „Binding Eck“ in der Friedrich-Ebert-Straße.

Da, wo sich jetzt noch ein Parkplatz befindet, sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit barrierefreien Sozialwohungen einwschließlich Tiefgaragen für die Mieter entstehen. Auch ein Teil der Grünfläche vor den Häusern 13 und 15 samt Spielmöglichkeiten für Kinder müsste weichen. Die Bewohner fürchten - von der Belästigung durch die Bauarbeiten einmal abgesehen - mehr Parksuchverkehr, mehr Lärm und Staub, und eine zu hohe Bebauungsdichte in dem Quartier. Sie fordern einen sofortigen Stopp der Planungen.

Stadt versucht Sorgen zu entkräften

Das wird schwierig werden. Der Ortsbeirat hat den jüngsten Plänen zugestimmt. Alternative Standorte sind ausgeschieden, weil die GWH auf eigenem Grund und Boden bauen möchte, sagte Richtsbergs Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic. Sie verweist zudem auf das Vorhaben, eine bereits versiegelte Fläche zu bebauen. Dagegen könne man nicht sein.

Die Stadt weist in einem Schreiben an die 100 Unterzeichner der Eingabe darauf hin, dass Ortsbeirat und Gestaltungsbeirat bei den Planungsworkshops beteiligt waren. Sie weist auch die Sorge der Anwohner zurück, nach der Verdichtung im Quartier Damaschkeweg/Friedrich-Ebert-Straße reiche die soziale Instrastruktur nicht mehr aus. „Kein anderer Stadtteil verfügt über derart umfgangreiche Infrastruktureinrichtungen wie der untere Richtsberg“, schreiben baudezernent und Bürgermeistr Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen) und der scheidende Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Sie reden schließlich davon, dass der untere Richtsberg über Jahrzehnte von einer zusätzlichen Bebauung verschont wurde und die Wohnzufriedenheit „nach den uns vorliegenden Informationen“ hoch sei.

Bei Elena Welz und Kerstin Hendriks zumindest trifft dies nicht zu. Hendriks berichtet, dass sie abends wegen des Lärms in der Nachbarschaft keine Ruhe findet und fürchtet, dass dies während der Bauarbeiten noch schlimmer wird. Sie vermisst eine Direktlinie der Stadtwerke zu den Lahnbergen und mahnt ein Lärmschutzprofil für das Quartier an, zumal die Belastung auch aus Richtung Beltershäuser Straße hoch sei.

Ersatz für wegfallende Parkplätze

Einen Teilerfolg haben die Anwohner erzielt. Im Gespräch mit der OP sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle zu, dass die Stadt den Ausbau zu einer „Langsamfahrstraße“ angehe. Erste Ideen für notwendige Umbaumaßnahmen würden geprüft. Auch für die wegfallenden Parkplätze vor den Gebäuden Damaschkeweg 13 und 15 solle Ersatz geschaffen werden. Gedacht ist an jeweils zwei bis vier Parkplätze, die in den bis jetzt durchgehend begrünten Starßenrand integriert werden könnten. „Wir werden die entfallenden Parkplätze 1:1 wieder nachweisem“, verspricht Kahle.

Elena Weltz tröstet dies wenig. Sie fühlt sich bei den Planungen übergangen und in ihren Sorgen nicht ernstgenommen. „Kein Wunder, wenn immer weniger Leute zur Wahl gehen“, sagt sie in ihrer Wut.

Vielleicht wird immerhin das Gefühl der Einkesselung nicht so stark wie befürchtet. Nach Intervention des Ortsbeirats werden die Neubauten auf dem Gelände des früheren „Binding Eck“ nicht achtgeschossig, sondern nur fünfgeschossig. In der Summ gesteht aber auch Kahle ein: „Entspannter wird die Wohnsituation durch die Neubauten nicht.“

von Till Conrad

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