Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Sorge um die Zukunft des „compass“

Evangelische Jugendarbeit Sorge um die Zukunft des „compass“

Generationen von 
Jugendlichen haben 
einen Teil ihrer Freizeit im 
Jugendhaus „compass“ in der Johannes-Müller-Straße verbracht. Jetzt denkt die Evangelische Kirche über Standort und Konzept neu nach.

Voriger Artikel
SPD-Generalsekretärin Katarina Barley: „Unsere Mitglieder sind ein Schatz“
Nächster Artikel
Diktat im Schwimmbecken

Das Jugendhaus compass an der Ecke Deutschhausstraße/Johannes-Müller-Straße: Symbol der Evangelischen Jugendarbeit in 
Marburg auf einem „Filetstück“, mitten im Zentrum des zukünftigen Uni-Campus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir haben entschieden, dass wir eine Entscheidung treffen werden“, formuliert Burkhard zur Nieden, der Dekan des Kirchenkreises Marburg, wenn es um die Zukunft des Jugendhauses „compass“ geht. Jugendarbeit bleibe eine wichtige Säule in der Arbeit des Kirchenkreises.

Ein eindeutiges Bekenntnis zur Zukunft des Jugendhauses am Standort Johannes-Müller-Straße/Deutschhausstraße ist das nicht. Und ein eindeutiges Bekenntnis zu der jahrzehntelang geübten Praxis der offenen Jugendarbeit mit niedrigschwelligen Angeboten auch nicht.

Das Jugendhaus „compass“ besteht seit 1968 als Jugendzentrum der Evangelischen Kirche in Marburg und ist die Zentrale der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit Marburg. Es macht Angebote für Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren, unter anderem ein 
offenes Café, einen großen Rockmusikbereich mit Übungsraum, regelmäßigem Gitarrenunterricht und einem viel frequentierten Partyraum.

Bischof wünscht „stärkere Akzentuierung des evangelischen Profils“

Die Mitarbeiter bieten außerdem Sommerfreizeiten, dieses Jahr nach Korsika und Italien, und Ferienaktivitäten an. „Wir sind das einzige Jugendhaus, in das alle Jugendliche aus Marburg kommen können“, sagt Markus Klonk, Diakon und 
 Diplom-Sozialpädagoge im „compass“.

Nun denkt der Kirchenkreis Marburg über eine Neukonzeption seiner Jugendarbeit nach. Karl-Günter Balzer, Öffentlichkeitsbeauftragter der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Waldeck und Marburg, formuliert das Spannungsfeld, in dem die Jugendarbeit der Evangelischen Kirche sich befindet, so: „Während auf dem Land in Gruppen und Kreisen bereits für Kinder ein Angebot gemacht werden kann, sind in der Stadt ganz andere 
Voraussetzungen gegeben – hier setzt die 
Jugendarbeit einen kräftigen sozialdiakonischen und jugendkulturellen Akzent.“

Bischof Martin Hein, der während seines Besuchs im Kirchenkreis Anfang des Monats auch über Jugendarbeit diskutierte, wünscht sich, so Balzer, eine „stärkere Akzentuierung des evangelischen Profils“. Die offene Jugendarbeit solle stärker an die evangelische 
Jugendarbeit angebunden werden, anders formuliert: „Die 
Kirchengemeinden sähen gerne, wenn die Jugendarbeit etwas enger bei ihnen angebunden wird“, wie es Markus Klonk sagt.

Im Klartext hieße dies die Dezentralisierung von Angeboten. „Es gibt viele Formen von Jugendarbeit, und es gibt unterschiedliche Kulturen von Stadt und Land – dem müssen wir gerecht werden“, sagt Dekan zur Nieden.

Dekan: Es geht auch ums Geld

Seit Ende Mai denken Mitarbeiter in einer „Zukunftswerkstatt“ über neue Konzepte 
nach. Bis zum Ende dieses Jahres sollen Ergebnisse vorliegen. Dekan Burkhard zur Nieden formuliert ein wesentliches Ziel: „Was jetzt entsteht, muss für Stadt und Land gleichermaßen attraktiv sein.“

Zur Nieden bestätigt aber, dass auch über die Zukunft des Standorts nachgedacht werden muss. Eigentümer ist der Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, der Kirchenkreis Marburg (zu dem neben den Kirchengemeinden in der Stadt unter anderem auch die in Elnhausen, Ebsdorfergrund, Gladenbach, Fronhausen, Ober- und Niederwalgern, Hassenhausen oder Roth gehören) ist Mieter des mehrgeschossigen Hauses.

Bischof Hein spricht von „Sperrholzmilieu“, Dekan zur Nieden gesteht, dass es wie bei allen kirchlichen Immobilien auch um Geld geht und räumt ein, dass für den Kirchenkreis auch die Aufgabe kirchlicher 
Gebäude kein Tabu ist. Der Mietvertrag ist vorsorglich gekündigt – das Haus, mitten im zukünftigen Campus-Viertel 
 gelegen, hat eine attraktive 
Lage, nach der sich offenbar auch andere Nutzer die Finger lecken.

Die Mitarbeiter hätten sich, so formuliert es die freiberufliche Gitarrenlehrerin Tina Muth in einem Eintrag auf „Facebook“ für den Erhalt des Jugendhauses als zentraler Ort der Begegnung eingesetzt. Und Klonk spricht vom Jugendhaus „compass“ als einer „Marke“. Eine Entscheidung über die Zukunft des „compass‘“ ist noch nicht gefallen.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr