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Sorge um Marburgs grüne Lunge

Alter Botanischer Garten Sorge um Marburgs grüne Lunge

Es wird das neue Zentrum Marburgs. Der Campus Firmanei soll das Prunkstück direkt neben dem Alten Botanischen Garten der Universität werden - und deshalb sind Umweltschützer in großer Sorge.

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Gartendenkmal trifft Großbaustelle: Der Neubau des Campus Firmanei ruft Umweltschützer auf den Plan, die die Zerstörung des Alten Botanischen Gartens befürchten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Unibibliothek und Sprachatlas entstehen rund um die grüne Lunge der Innenstadt. 6000 Menschen werden täglich zusätzlich in das Zentrum dringen - so vorsichtige Schätzungen. Mittendrin das Denkmal Alter Botanischer Garten. Der Freundeskreis warnt eindringlich: „Das wird eine enorme Belastung für die Anlage. Die vergangenen Jahre waren eine mittelschwere Katastrophe und für uns eine enorme Anstrengung, das Denkmal zu wahren und schützen“, sagt Bärbel Kaufmann, Vorsitzende des Arbeitskreises.

Ihre Bedenken brachten auch die Mitglieder des Umweltausschusses zum Ausdruck. Über politische Parteigrenzen hinweg. Klar ist allen: Der Botanische Garten benötigt besonderen Schutz. Besonders beim Gedanken, die Anlage könnte als Querverbindung zwischen Pilgrimstein und Johannes-Müller-Straße von Menschenmassen genutzt werden, treibt die Sorgenfalten auf die Stirn der Umweltschützer.

Besonders von der ehemaligen Stadtverordneten Bärbel Kaufmann. „Wir reden hier von einem Denkmal und keinem herkömmlichen Park.“ Die Vorsitzende erhält breite Unterstützung. So weist Horst Wiegand von der SPD auf die Sensibilität des Geländes hin, das derartige Belastungen nicht verkraften könne. „Das kann ich nicht akzeptieren.“ Die Überlegung, mit asphaltierten Wegen die Barrierefreiheit zu gewährleisten, lehnt Wiegand, selbst mit 90-prozentiger Gehbehinderung, strikt ab. Das würde nur auch Radfahrern die Querung erleichtern und noch mehr Menschen in den Garten lotsen.

Die Universität und das Land Hessen sind nun am Zug. Das Gesetz fordert die Eigentümer auf, ein Gartenpflegegutachten erstellen zu lassen. Hierin soll klar benannt werden, was dem Denkmal zuzumuten ist - und was nicht. In Kürze, so versichert Bürgermeister Franz Kahle (Grüne), werde der Auftrag erteilt. Er sagt aber auch klipp und klar: „Als die Universitätsklinik noch an diesem Standort war, sind genauso viele Menschen - Patienten, Angestellte, Angehörige - in dem Zentrum gewesen. Das hat damals auch funktioniert.“

Ein Argument, das Bärbel Kaufmann nicht hinnehmen wird. In ihrem Appell an den Ausschuss warnt sie davor, den Campus-Neubau in Bezug auf das Marburger Wahrzeichen auf die leichte Schulter zu nehmen - und skizziert das mit einem Extrembeispiel zu nächtlicher Stunde. „Wir hatten den Fall, dass Lagerfeuer abgehalten wurden. Mitten im Alten Botanischen Garten.“

Lagerfeuer zerstört die Gartenanlage

Wie beliebt die Anlage ist, davon weiß auch Henning Köster von den Linken zu berichten. Im Sommer, so sein Erfahrungsbericht, liegen die Besucher dicht gedrängt auf den Wiesen, nutzen den botanischen Garten als Naherholungsgebiet - so wie es der Grundgedanke auch vorsieht. Ihm fehlen jedoch die Grenzen, zum Beispiel durch bauliche Veränderungen. Bei Tag und Nacht könnten alle durch die Anlage laufen, unbedacht und unkontrolliert. Wenn diese Querungen durch befestigte Wege vereinfacht würde, wäre der Schaden für das Denkmal unvermeidlich, sagt der Stadtverordnete. Mal abgesehen von der Tierwelt, in die durch den erhöhten Besucherandrang eingegriffen würde. Er fordert eine Ortsversammlung mit Expertenteams, um die Gesamtlage besser einschätzen zu können. Das Ganze solle schon im März stattfinden.

Uwe Volz (Grüne) stellt Überlegungen an, das Queren durch den Garten so unattraktiv wie möglich zu gestalten. Mit dem Abriss der Brücke hinter der Kirche St. Peter und Paul würde der Zugang von der Johannes-Müller-Straße verhindert werden. Die genießt nach jetziger Bauleitplanung aber Bestandsschutz, sagt Kahle.

Für Ausschuss-Vorsitzenden Ralf Musket steht fest: „Der Alte Botanische Garten muss in seiner Funktion erhalten bleiben, wir wollen den Charakter nicht verändern.“

Kahle versichert: „Wir wollen vermeiden, dass eine Querung attraktiv ist.“ Die Diskussion sei nur durch einen Nebensatz aufgekommen, der den barrierefreien Zugang vom alten Brauereigelände mit einer Rampe in den Garten ermöglichen könnte. Auch eine Asphaltierung lehnt er ab: „Die Wege sind zu erhalten. Von Zerstörung eines Gartenkdenkmals kann nun wahrlich nicht die Rede sein.“ Der Alte Botanische Garten soll das bleiben, was er ist: für alle ein Ort zur Naherholung.

von Carsten Bergmann

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