Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Sonnige Zeiten auf Marburgs Dächern

Solarenergie Sonnige Zeiten auf Marburgs Dächern

Die Energiewende geht in Marburg voran. Im Jahr 2012 zeichnet sich das zweitstärkste Jahr des Fotovoltaik-Zubaus ab. 298 Anlagen tanken die Kraft der Sonne und wandeln sie in Strom um.

Voriger Artikel
Psychotherapie verändert das Gehirn
Nächster Artikel
Neue Regeln für neue Führerscheine

So geht Energiewende: Kollektoren speichern in Marburg die Energie der Sonne. Das reicht zu Spitzenzeiten für ein Drittel des Stromverbrauchs. Foto Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. An das Rekord-Ausbaujahr 2010 kommt Marburg bei der erbrachten Leistung in 2012 nicht ganz heran. Die Bilanz kann sich dennoch sehen lassen: Bis Ende November wurden 81 neue Anlagen errichtet, die 1923 kW an Strom produziert haben.

Bürgermeister Franz Kahle ist zuversichtlich, die 2000er-Schallmauer noch zu knacken. So wie 2010. Damals waren es 2477 kW, im vergangenen Jahr wuchs die Leistungsfähigkeit durch 86 neu installierte Anlagen um 1788 kW. Insgesamt liefern die heimischen FV-Anlagen mit über zehn Megawatt (MW/peak) ein Drittel des in Spitzenzeiten benötigten Stroms der Privathaushalte. Zum Vergleich: die drei Marburger Windräder erzielen insgesamt 3,6 Megawatt, decken somit ein Zehntel des Verbrauchs ab.

Kahle freut sich über diese Entwicklung. Der Grünen-Politiker ist einer der treibenden Kräfte der Energiewende. „Obwohl die Einspeisevergütungen inzwischen deutlich unter dem Strompreis der Versorger liegen, geht der Fotovoltaik-Zubau auf hohem Niveau weiter“, sagt Kahle. Das heißt: Für die Energie, die von den Haushalten nicht genutzt und ins Stromnetz eingespeist wird, bekommen die Besitzer von den Stadtwerken 20,25 Cent/kWh brutto. Im niedrigsten Tarif verlangt der Marburger Energieversorger von seinen Kunden dafür 25,19 Cent/kWh brutto. „Daher liefern die jetzt gebauten FV-Anlagen den Strom viel billiger ins Netz als er später an die Verbraucher abgegeben wird.“

Bürgermeister Kahle will Öko-Strom weiter fördern

Kahle betont den Nutzen von Sonnenkollektoren auf privaten und auch gewerblichen Dächern. Die Betreiber ersparen sich den höheren Preis, den sie an den Energieversorger abführen müssten, produzieren für den Eigenbedarf, verdienen im besten Fall noch dazu - und sind unabhängig von Preissteigerungen.

Diejenigen, die sich über den Zuwachs an FV-Anlagen nicht freuen, sind die Betreiber von den Kraftwerken. „Durch die immer größere werdenden Anzahl an Fotovoltaik-Anlagen sinkt natürlich die Nachfrage an fossilen Kraftstoffen wie Kohle. Aber das ist es doch, was wir wollen“, sagt Bürgermeister Franz Kahle. Es bleibe zu hoffen, sagt der Bürgermeister, dass weiter viele Hausbesitzer und Gewerbetriebe die Chance der inzwischen zur Eigenstromerzeugung unschlagbar günstigen Fotovoltaik nutzen und auch in 2013 viele neue Anlagen in Marburg ans Netz gehen.

9. Rang in der "Solar-Bundesliga"

Die Stadt will mit gutem Beispiel voran gehen und gemeinsam mit den Stadtwerken und der Wohnungsbaugenossenschaft (GeWoBau) in diesem Jahr 600000 Euro in den Ausbau der Sonnenkollektoren investieren. So sollen unter anderem weitere Anlagen, die bis zu 60 kW produzieren können, auf die sanierte Richtsberg-Turnhalle.

In der Solar-Bundesliga der Städte mit mehr als 50000 Einwohnern kletterte Marburg im vergangenen Jahr auf den neunten Rang, hessenweit ist die Stadt einsame Spitze. Allerdings wird es zumindest auf öffentlichen Flächen nicht in diesem rasanten Tempo weiter gehen können. Schlichtweg fehlt der nötige Platz.

von Carsten Bergmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr